20 Jun 2019

KULTUR Spezial

KULTUR Spezial Die Presse Salzburger Festspiele

Kraft der Mythen

Lesen Sie spannende Interviews, interessante Geschichten und bekommen wertvolle Hintergrundinformationen zum Programm der Salzburger Festspiele 2019 im KULTUR Spezial.
Eine Kooperation von Die Presse und den Salzburger Festspielen.

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Verständnis für die Antike

Entrückt? Keineswegs. Die Salzburger Festspiele widmen sich den Mythen der Antike, die viel mit unserer Welt von heute zu tun haben: Den ewiggültigen Fragen nach unserer Existenz. Sie thematisieren Krieg, Flucht, Opfer, Rachedurst, Schuld und Sühne.

Mit Mozarts Idomeneo eröffnen die Salzburger Festspiele 2019: Ein Herrscher wird zu bewusstem Handeln gezwungen, zerrissen zwischen der Pflicht gegenüber den Göttern und der Liebe zur Familie. Ein Unwissender ist hingegen Ödipus in George Enescus gleichnamiger Oper. Er wird schuldlos schuldig. Familiäre und politische Konflikte liefern auch die fesselnde Handlung für Simon Boccanegra. Verdis Werk erinnert an die schicksalhaften Verkettungen in den großen antiken Erzählungen. Empathie für die Mythen der Antike wollen die heurigen Festspiele wecken. Eine der zentralen, mythologischen Frauenfiguren ist Medea, die sich zweifach im Programm widerspiegelt. Basierend auf dem Stoff von Euripides‘ Tragödie komponierte Luigi Cherubini 1797 mit Médée ein großes Seelendrama um enttäuschte Liebe und blutige Rache. Der französische Komponist Pascal Dusapin bietet uns hingegen, ausgehend von Heiner Müllers Medeamaterial, eine aufwühlend zeitgenössische Interpretation. Auf ganz andere Weise reagiert Jacques Offenbach auf den Antikenkult seiner Zeit. Seine Operette Orphée aux enfers ist Persiflage und Gesellschaftssatire zugleich. Und wie jedes Jahr nehmen die Festspiele die Pfingstoper mit Cecilia Bartoli im Sommer wieder auf. Georg Friedrich Händels Alcina wurzelt tief im mündlichen Erzählschatz vergangener Zeiten. Mit den Mythen spielt auch das Schauspielprogramm. Die Uraufführung von Theresia Walsers Die Empörten überträgt den antiken Grundkonflikt von Antigone und Kreon in unsere Zeit. Maxim Gorkis Sommergäste hingegen lassen sich als Antithese zur mythologischen Erzählung lesen. Die Menschen sind für ihr Schicksal selbst verantwortlich. Mit Liliom von Ferenc Molnár wird ein Charakter der permanenten Entäußerung in den Mittelpunkt gerückt. Ein Fluch scheint in Jugend ohne Gott von Horváth auf der Gemeinschaft von Schülern und Lehrern zu lasten, dem sie nicht entkommen. Den Mythos des Sisyphos greift Albert Ostermaier in einem dramatischen Monolog auf. Eine Marathonlesung von James Joyce Ulysses knüpft direkt an Homers Odyssee an: Als Echo der Antike in unserer Zeit. Wie sehr Erzählung auch Gesang war, davon zeugen die antiken Epen. In der Ouverture spirituelle nehmen der Schmerz, die Klage und die Tränen klanglich Gestalt an. Sie berühren unsere Seele: Sei es bei Orlando di Lasso, Palestrina, Gesualdo und Bach, in der Musik Schostakowitschs oder bei Nono, Gubaidulina und Rihm.

Erschienen in „KULTUR Spezial Die Presse Salzburger Festspiele

 

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