Joseph Beuys, Zwei Frauen, 1958 · Beize auf liniertem Schreibpapier Stiftung Museum Schloss Moyland · Foto: Maurice Dorren © Bildrecht, Wien, 2018 · Mit freundlicher Genehmigung des Nachlass Joseph Beuys
Zur Produktion

„Die Elite — das sind nicht wir! Wir sind Sommergäste in unserem Land … Wir sind ausschließlich damit beschäftigt, uns einen bequemen Platz im Leben zu suchen.“

Eine Gruppe gebildeter, gut situierter, intelligenter Großstädter in den besten Jahren verbringt den Sommer im gemieteten Ferienhaus des Rechtsanwalts Bassow auf dem Land und vertreibt die lähmende Langeweile des sie verbindenden kleinbürgerlichen Umfelds mit seichten Gesprächen und viel Alkohol. Ein Schriftsteller kommt zu Besuch. Warwara, die Frau des Gastgebers, fühlt sich zu ihm hingezogen und lässt dafür den Lebemann Rjumin abblitzen, der ihr verfallen zu sein scheint. Suslow, ein Bauingenieur aus der Gruppe, trinkt. Die mehrfache Mutter Olga schwankt zwischen Hass auf ihren erfolglosen Mann, den Arzt, und sich selbst, während sich die Ärztin Marja in den wesentlich jüngeren Wlas verliebt. Der ehemalige Fabrikant beobachtet und genießt … Über alledem steht die Frage nach dem Sinn in einem selbstbezüglichen, narzisstischen, vollkommen unpolitischen Kosmos — und das macht Gorkis Szenen so aktuell.
Am 10. November 1904 kommt Gorkis Drama in Sankt Petersburg erstmals auf die Bühne. „Die Aufführung der Sommergäste war ein Skandal und ich bin zufrieden“, schreibt Gorki und ergänzt: „Das Stück ist nicht besonders, aber ich habe getroffen, wohin ich gezielt habe!“ Das Werk erscheint in politisch angespannten Zeiten am Vorabend der Revolution von 1905. Gorki, der am Streik der Arbeiter am 9. Januar 1905 in Sankt Petersburg teilgenommen hat, wird verhaftet, das Stück daraufhin abgesetzt und — aufgrund des politischen Drucks — im Herbst desselben Jahres jedoch wieder freigegeben. Mehrfach waren Aufführungen zu politischen Demonstrationen genutzt worden — Zuschauer verlasen etwa Aufrufe, die Regierung zu stürzen —, weshalb Gorkis Sommergäste aus dem gesellschaftlichen Kontext der Entstehung heraus auch immer vor einem politischen Hintergrund gelesen wurde. „Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele“, so Gorki. Mateja Koležnik verfolgt diesen Gedanken generell in ihrer Arbeit und im Kontext der Sommergäste einmal mehr, da sich die Begriffe „Gesellschaft“ und „Kunst“ seit der Entstehung des vieraktigen Dramas 1904 grundlegend verändert haben. Der Schriftsteller etwa, der auf die Sommerfrischler trifft, ist nicht mehr ins Heute übertragbar, da die Kunst als Gegenpol zur Gesellschaft verloren gegangen ist. Hat die Gesellschaft damit auch ihre Seele verloren? Und was bedeutet das für das Theater, das Kunst sein will? Fragen, die sich bereits in der Entstehungszeit andeuteten.

Mateja Koležnik zählt zu den bedeutendsten Regisseurinnen Sloweniens. Zu Beginn ihrer Karriere bildeten britische und amerikanische Autoren des 20. Jahrhunderts sowie englischsprachige und deutsche Gegenwartsautoren einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Zunächst inszenierte sie an den großen Theatern des ehemaligen Jugoslawien. Ihr Debüt im deutschsprachigen Raum gab sie 2012 mit Witold Gombrowicz’ Yvonne, Prinzessin von Burgund, eine Produktion, die zu zahlreichen internationalen Festivals eingeladen wurde, unter anderem auch nach Maribor. Ebendort wurde ihre Inszenierung von Ibsens John Gabriel Borkman 2013 mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.
Eine präzise Auseinandersetzung mit den Texten, die fast mikrochirurgische Sezierung der Psychologie der jeweiligen Figurenkonstellationen und starke ästhetische bzw. formale Inszenierungskonzepte zeichnen Mateja Koležniks Arbeiten, die mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum zu sehen sind, aus.

Sabrina Zwach

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FAQ

Wie komme ich zur Perner-Insel nach Hallein?
Ein Gratis Bus-Shuttle steht von Salzburg nach Hallein auf die Perner-Insel und retour zur Verfügung. Der Bus fährt eine Stunde vor Vorstellungsbeginn Anfang Reichenhaller Straße (auf Höhe Haus Nr. 4) ab. Kostenlose Bustickets sind im Bus erhältlich. Die Rückfahrt erfolgt direkt nach Vorstellungsende. Die Abfahrt in Hallein ist am Vorplatz der Saline, vor dem Verdampferturm.
Das Parken auf dem Parkplatz der Perner-Insel ist kostenpflichtig. Sie können ein Ausfahrtticket um EUR 2,- im Innenhof erwerben. Die Verkaufsstelle ist ausgeschildert und befindet sich neben dem Programm-Verkauf. Sie ersparen sich somit den Weg zum Kassenautomaten und können nach der Vorstellung direkt ausfahren.
Wann öffnet die Vorstellungskasse auf der Perner-Insel?
Die Vorstellungskasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
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Im Innenhof, wie auch um die Perner-Insel, werden Sie vor der Vorstellung sowie in der Pause von lokalen Gastronomen kulinarisch verwöhnt.