Festspielarchiv macht Digitalisate online zugänglich

Seit der Neueröffnung des Festspielarchivs in der Villa Riedenburg im Februar 2024 war das Archiv-Team mit einem ersten umfangreichen Digitalisierungsprojekt befasst. Dieses kommt nun zum Abschluss.

© ASF/Simon Hochleitner

Seit der Neueröffnung des Festspielarchivs in der Villa Riedenburg im Februar 2024 war das Archiv-Team mit einem ersten umfangreichen Digitalisierungsprojekt befasst. Dieses kommt nun zum Abschluss. Die nunmehr digital vorliegenden Programmhefte, Plakate, Kostümentwürfe und 3D-Kostümmodelle werden über einen Online-Katalog einsehbar gemacht und zudem über die Plattform „Kulturpool“ bereitgestellt.

Teilnahme an Kulturerbe-Projekt des Bundes
Ermöglicht wurde dies durch das Sponsoring seitens acm (austrian capital management GmbH) und durch das Förderprogramm „Kulturerbe digital“, eine Initiative des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS), das diversen österreichischen Kultureinrichtungen finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, um ihre Sammlungen in digitale Formate zu überführen und in die zentrale Kulturgut-Plattform „Kulturpool“ einzuspeisen. Dank der Zuerkennung dieser Förderung konnte das Team des Festspielarchivs im Sommer 2024 mit der Digitalisierung von vier Teilbeständen der Sammlung beginnen.

Eigenpublikationen 1920–2025
Den größten Teil des Projekts machen die gedruckten Eigenpublikationen der Salzburger Festspiele aus. Neben sämtlichen Programmheften zu insgesamt über 6.400 Produktionen umfasst diese Materialgruppe zudem gebundene Jahresprogramme, Handzettel sowie Sonderpublikationen wie Ausstellungskataloge, Festreden und Almanache. Insgesamt 9.096 Publikationen mit einem Umfang von 249.105 Seiten mussten manuell katalogisiert werden, bevor sie an CCS Content Conversion Specialists GmbH, einem international führenden Experten für Retro-Digitalisierung, übergeben wurden.

Die von CCS in Bukarest und Hamburg durchgeführte Digitalisierung umfasste neben dem fachgerechten Scannen auch die Erstellung von umfangreichen Metadaten auf der Basis einer technischen Inhaltsanalyse mit besonderer Ausrichtung auf die Langlebigkeit der resultierenden Daten. Insgesamt wurden 249.105 gedruckte Seiten zu einem Volumen von 6,85 Terabyte verarbeitet.

„We at CCS Content Conversion Specialists GmbH are very proud to have collaborated with the prestigious Salzburg Festival on the digitization of its archival materials. As part of this project, our company scanned and processed the collection, converting it into a fully structured digital archive in accordance with international standards, including METS/ALTO, to ensure long-term preservation and accessibility. It is especially meaningful for us that this project was completed in CCS’s 50th anniversary year, and we look forward to continuing our successful collaboration in the future.“ – Projektpartner CCS (Hamburg/Bukarest)

Entwürfe, Plakate, 3D-Kostüme
Auch die weiteren Digitalisierungen fanden zum Teil in Kooperationen mit externen Partnern statt. Aus der Sammlung an Kostümentwürfen wurden zusammen mit der Firma Aumayer druck+media GmbH in Munderfing 9.481 digitale Bilder zu 263 verschiedenen Inszenierungen hergestellt. Für die Digitalisierung von 1.099 Plakaten wurde auf die Dienste des langjährigen Festspiel-Partners MEDIA DESIGN: RIZNER.AT in Salzburg zurückgegriffen.

Von vier ausgewählten Operninszenierungen, die in die Rezeptionsgeschichte eingegangen sind und daher in der Festspielgeschichte eine besondere Bedeutung haben, wurden die noch vorhandenen Kostüme und Requisiten 3D-gescannt. In enger Zusammenarbeit mit dem Kostüm- und Requisitenfundus der Festspiele erstellt Simon Hochleitner von der Kunstuniversität Linz in einem aufwendigen Photogrammetrieverfahren 3D-Modelle von 52 Kostümen und 25 Requisiten.

Für die Online-Präsentation der 3D-Digitalisate nutzt das Festspielarchiv den 3D-Viewer Kompakkt, der vom Institut für Digital Humanities der Universität zu Köln sowie dem Open Science Lab der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und der Universitätsbibliothek Hannover entwickelt wird. Dieser wird derzeit open source (Quellcode-offen) zur Verfügung gestellt. Kompakkt erlaubt es, die 3D-Digitalisate in hoher Auflösung online sichtbar zu machen, mit Metadaten und Anmerkungen zu versehen und mit dem Online-Katalog zu verlinken.

Die 3D-Digitalisate werden nicht nur über die Archivwebsite zugänglich gemacht, sondern ermöglichen darüber hinaus – durch die entstandenen digitalen Nutzungskopien – auch neue künstlerische Anwendungen. Ein erstes Beispiel dafür ist bereits in Realisierung: Das Kunstprojekt Feeling Virtual: An Archive of Touch von Iz Paehr macht ausgewählte Kostüme und Requisiten als virtuelle Objekte durch Vibrationen, taktile Beschreibungen und Tonaufnahmen erfahrbar und somit auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich. Iz Paehr entwickelte die Arbeit in Salzburg und Berlin im Rahmen des S+T+ARTS Ec(h)o Residencies Programme: [This project has been developed in the context of S+T+ARTS Ec(h)o. S+T+ARTS Ec(h)o is funded by the European Union under the GA. 101135691.]
Die Ergebnisse werden beim Archiv-Festival Staging Realities – The Living Archive im Festspielsommer 2026 zu erleben sein.

Sammlungskatalog Online
Im Zuge der Digitalisierungen ist die Infrastruktur der Archivverwaltung grundlegend erneuert worden. Das Archivinformationssystem „Faust“ von Land Software bildet fortan die zentrale Software zur Erschließung der Teilbestände des Archivs. Es vereinheitlicht die bestehenden, teils disparaten Aufzeichnungssysteme, die im Lauf der Jahrzehnte angewachsen sind, und inkorporiert sie in eine speziell auf die Bedürfnisse des Festspielarchivs zugeschnittene Anwendung. Sowohl für die Katalogisierung und interne Verwaltung des Archivguts steht damit ein deutlich effizienteres Werkzeug zur Verfügung als auch für die zahlreichen externen Nutzer·innen, denen die differenzierten Suchfunktionen von Faust präzisere und tiefergehende Recherchen im Archiv ermöglichen.

Über Faust ist der Katalog jetzt auch außerhalb des Archivs zugänglich. Auf dem Webarchive ist eine schlankere, fürs Web optimierte Version der Software für Online-Recherchen bereitgestellt. Die Resultate der besagten Digitalisierungsprojekte sind dort bereits einsehbar. Die Eigenpublikationen, Kostümentwürfe, Plakate und 3D-Kostüme sowie Fotografien aus über 100 Jahren Festspielgeschichte bilden den Grundstock dieser Online-Sammlung, die in Zukunft sukzessive um weitere Teilbestände erweitert wird.

Zudem ist aus dem Festspielarchiv zu vermelden, dass die mäzenatische Unterstützung seitens acm (austrian capital management GmbH) auch für 2026 und 2027 gesichert ist.
Wir danken für die Unterstützung!