16 Feb 2019

Salzburger Festspiele trauern um Bruno Ganz

Nachruf Bruno Ganz

Die Theaterwelt hat einen der ganz Großen verloren

„Seit Monaten haben wir uns vor dieser Nachricht gefürchtet. Bruno Ganz ist tot. Die Theaterwelt hat einen der ganz Großen verloren. Auf ihn haben Thomas Bernhard und Peter Handke bei ihren Uraufführungen in Salzburg gesetzt. Denn sie wussten, er spielt nicht Bruno Ganz. Er wurde der Doktor und der Prometheus. Und führte so ein neues Stück zum Erfolg. Die Festspiele sind dankbar, dass wir ihn in Salzburg haben durften. Durch sein Werk lebt er in uns fort“, sagt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einer ersten Stellungnahme.

„Einer der allergrößten Schauspielkünstler und ein persönlicher Freund ist für immer von uns gegangen. Sein Tod hinterlässt eine große Leere. Seine einzigartige Kunst, seine Stimme und sein unvergleichliches Lächeln werden mir, werden uns, unendlich fehlen“, sagt Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele.

Kaum ein deutschsprachiger Künstler hat so große persönliche Triumphe gefeiert wie Bruno Ganz – als Schauspieler, Regisseur und Produzent in Theater, Film und Fernsehen. Ob gescheiterter Faust, gefallener Engel, Hitler oder Almöhi – niemand hatte sein Einfühlungsvermögen für gebrochene Figuren, ob auf der Bühne oder im Kino.

Sein Festspieldebüt 1972 endete in einem Eklat, weil die Behörden untersagten, dass bei der Uraufführung von Bernhards Der Ignorant und der Wahnsinnige am Ende zwei Minuten „absolute Finsternis“ herrschte. Davor hat Bruno Ganz mit seiner Darstellung des Doktors Theatergeschichte geschrieben. Eine maßstabsetzende Interpretation, an der heute noch jeder Schauspieler dieser Rolle gemessen wird. Renate Wagner sah im „Kurier“ „eine schauspielerische Leistung ohnegleichen. In dieser Rolle sieht man Bruno Ganz, und man steht vor einer Persönlichkeit, wie man sie nicht so leicht findet. Vollkommene Dressur ist bei ihm zur Natur geworden, zu einer verfremdeten Selbstverständlichkeit, die nach fünf Anlaufminuten von Seiten des Publikums das Gefühl hinterlässt, es könnte nicht anders sein, nur so kann man diesen Text sprechen…“

Auch bei der Uraufführung von Peter Handkes Prometheus, gefesselt 1986 hat Bruno Ganz das Festspielpublikum in seinen Bann gezogen. Eine Sternstunde, in dieser Beurteilung waren sich Kritik und Publikum ausnahmsweise einig. Karin Kathrein rühmte in der Tageszeitung „Die Presse“ seine „einzigartige Sprech- und Gestaltungskunst… Wie dieser Schauspieler den Text von innen her durchdringt, wie alles belebt, schattiert, nuanciert und die Spannung aufrecht erhalten wird, wie der Schmerzensmann den Empörer überschattet, der Mitleidende den Wissenden, das zählt zu den Gipfelleistungen der Schauspielkunst.“

Und über seinen Auftritt in der Titelrolle von William Shakespeares Römerdrama Coriolan 1993 urteilte Hans Haider in der „Presse“: „Die Rolle des Coriolan kann heute niemand aufregender als Bruno Ganz spielen.“

Auch als Sprecher in den Werken von Nono, Sciarrino oder Battistelli hat er viele Festspielbesucher die Hemmschwelle zur zeitgenössischen Musik überschreiten lassen. 2018 gelang es Markus Hinterhäuser Bruno Ganz für die Rolle des Erzählers in der Zauberflöte zu gewinnen. Er hatte sich bereits mit der ihm eigenen Empathie in die Proben zu dieser wichtigen Festspielpremiere eingebracht, als er im Juli aus gesundheitlichen Gründen seine Mitwirkung zurücklegen musste und sich auf ärztlichen Rat hin sofort in Behandlung begab. Heute Nacht hat Bruno Ganz den Kampf gegen seine schwere Erkrankung verloren.

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