19 Aug 2019

Sänger oder Fußballer?

Mauro Peter ist ein gefragter Tenor. Ein Meilenstein für seine Karriere war das Young Singers Project der Salzburger Festspiele.

2012 nahm er am Young Singers Project der Salzburger Festspiele teil, im Vorjahr stand er in der neuen Zauberflöte als Tamino im Großen Festspielhaus auf der Bühne: Der Schweizer Tenor Mauro Peter. Kein Zweifel: Er hat Karriere gemacht. Nicht nur in Salzburg. Im Theater an der Wien sang er gerade den Titelhelden in „Oberon“, bei der Schubertiade Schwarzenberg gibt er zwei Liederabende, in Bayreuth wirkt er bei den Gluck-Festspielen in der Oper „Antigonon“ mit. Über das Wort „Startenor“ kann der 32-Jährige dennoch nur schmunzeln. „So fühle ich mich ganz und gar nicht. Ich sehe es als großes Privileg, dass ich diesen Beruf ausüben darf. Natürlich wirkt es nach außen oft glamourös, wenn man auf der Bühne steht und Applaus bekommt. Bis man soweit kommt, ist es aber einfach harte Arbeit.“

In Peters Familie (der Vater ist Maler und Gipser, die Mutter arbeitet in der Pflege) spielte klassische Musik immer eine große Rolle. Schon Klein-Mauro begeisterte sich für Gesang, mit acht Jahren begann er im Chor der Luzerner Sängerknaben. „Ich hatte einen sehr natürlichen Zugang zur Musik.“ Druck übten die Eltern nicht aus. „Aber es gab eine Zeit, da wollte ich nicht so gerne zu den Proben gehen. Meine Mutter meinte nur: Du gehst missmutig hin und kommst mit einem Strahlen zurück.“ Und Durchhaltevermögen wurde in der Familie groß geschrieben. „Wenn man etwas beginnt, soll man es auch durchziehen,“ meinten meine Eltern. Dass er Sänger werden wolle, wusste er offenbar schon früh. „Beim letzten Klassentreffen haben alle ihre Freundebücher mitgebracht. Da steht in einem bei Berufswunsch: Fußballer oder Klassiksänger. Und in einem anderen: Berühmt, egal was“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Durchhaltevermögen. Im Stimmbruch hatte Peter Glück mit seinem Lehrer. „Er hat mir Zeit gelassen, nicht forciert.“ Nach der Matura ging er an die Theaterakademie in München. „Ich wollte einfach flügge werden.“ Ein wesentlicher Meilenstein in Peters Karriere war die Teilnahme am Young Singers Project: Casting-Director Toni Gradsack wählte ihn damals unter knapp hundert Teilnehmern aus. Die Freude war groß, als der Tenor erfuhr, dass er es geschafft hatte. „Beim Young Singers Project hatten wir einerseits Unterricht bei verschiedenen Coaches, wurden aber auch schon in Projekte eingebunden. Ich durfte unter Ivor Bolton eine kleine Tenorrolle in einer Mozart-Matinee singen. Außerdem wirkten wir bei der Kinderoper mit. Und es gab das große Abschlusskonzert.“ Zwischendurch gab es immer wieder die Gelegenheit, mit Weltstars auf Tuchfühlung zu gehen. „Wir haben uns in die Proben hineingeschlichen und Anna Netrebko bewundert.“

Das wichtigste sei aber das Hineinwachsen in den Theateralltag gewesen. „Die Zeit war sehr intensiv und sehr hilfreich. Es war wie ein Opernstudio im Eilformat“, sagt der Tenor.

Auch heuer werden im Young Singers Project wieder vielversprechende Nachwuchssänger zwei Monate lang betreut. Erleben kann man sie bei den Öffentlichen Meisterklassen (Christa Ludwig am 20. 7., Anne Sofie von Otter am 4. 8., Malcolm Martineau am 10. 8., Helmut Deutsch am 18. 8.), beim großen Abschlusskonzert am 24. August oder in der Kinderoper („Der Gesang der Zauberinsel“, 26. Juli bis 25. August).

„Die Presse“, Salzburger Festspiele, 01.06.2019

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