26 Apr 2021

Nachruf zum Tod von Christa Ludwig

„Christa Ludwig war bereits zu Lebzeiten eine Legende. In Oper, Oratorium und Lied setzte Christa Ludwig mit ihrem Gesang und ihrer Persönlichkeit vergleichslose Maßstäbe. Die Salzburger Festspiele haben ihr unendlich zu danken“, drückt Intendant Markus Hinterhäuser seine Trauer um den Tod der wunderbaren Sängerin aus.

Beeindruckende 169 Mal – 126 Opernvorstellungen, 21 Liederabende, 18 Orchesterkonzerte und eine Matinee – stand Christa Ludwig auf der Festspielbühne.

1955 debütierte sie als Zweite Dame in Mozarts Zauberflöte. „Überraschend gut das Damenterzett: Gerda Scheyrer, Christa Ludwig, die im Ensemble ausgezeichnet klang, und Hilde Rössel-Majdan“, bemerkt Karl Löbl im Express.

Im gleichen Jahr übernahm sie von Irmgard Seefried die Rolle des Komponisten in Karl Böhms legendärer Interpretation von Strauss‘ Ariadne auf Naxos und wurden von Kritik und Publikum gefeiert. Walther Friedländer schrieb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Was man von Christa Ludwig hören und sehen kann, fordert zum Vergleich mit den bedeutendsten Vorbildern heraus: präziseste Führung des Organs, höchstes klangliches Ebenmaß und feinste Schattierungen, dazu ein Spiel das dem Ungestüm der Figur ganz gerecht wird. Christa Ludwig ist eine große Sängerin geworden.“

In den folgenden Jahren festigte Christa Ludwig ihren Ruf als die maßstabsetzende Persönlichkeit im Mozart- und Richard-Strauss-Fach. Als Cherubino in Le Nozze di Figaro, Dorabella in Così fan tutte, Octavian im Rosenkavalier oder Ariadne in Ariadne auf Naxos verzauberte sie das Festspielpublikum. 1969 stand sie erstmals als Marschallin im Rosenkavalier auf der Bühne des Großen Festspielhauses und die Kritiken waren hymnisch: „Zum ersten Mal singt Christa Ludwig nun auch in Salzburg die Marschallin. Sie ist seit dem Wiener Debüt unter Leonard Bernstein in die Partie zweifach hineingewachsen, hat sie sich zu Eigen gemacht. (…) Schöner in allen Lagen, emotioneller in der Höhe, farbenreicher in Mittellage und Tiefe hat die Ludwig nie gesungen als an diesem Abend“, schwärmte Hans Heinz Stuckenschmidt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die großen Dirigentenpersönlichkeiten unserer Zeit waren in Salzburg Christa Ludwigs künstlerische Weggefährten. Herbert von Karajan, Karl Böhm und Leonard Bernstein haben mit ihr musiziert. Alle drei haben sie geliebt, verehrt, auf Dirigentenhänden getragen. „She is simply the best, and the best of all possible human beings“, sprach Leonard Bernstein Millionen von Musikliebhabern auf der ganzen Welt aus dem Herzen.

1993 nahm Christa Ludwig mit einem letzten Liederabend Abschied von der Festspielbühne. Es war Gerard Mortier, der in diesem sehr bewegenden Moment die rechten Worte fand: „Hier gilt’s der Kunst“, wie es bei Wagners Die Meistersinger von Nürnberg heißt. Christa Ludwig hat sich in ihrem Sängerleben stets an dieses Motto gehalten, in Wien, in der Welt und immer wieder in Salzburg.

Auch nach Beendigung ihrer Gesangskarriere blieb Christa Ludwig den Salzburger Festspielen eng verbunden. Bis zuletzt gab sie alljährlich im Rahmen des „Young Singers Project“ ihr Wissen und ihre Erfahrung an die junge Generation weiter. Dass sie dabei auch die Schattenseiten eines Sängerlebens – etwa die allgegenwärtige Angst um die Stimme – nicht aussparte, machte ihre Ratschläge in einer Zeit in denen Casting-Shows jungen Menschen vorgaukeln, dass man auch ohne Anstrengung zu Ruhm und Reichtum gelangen könne, so kostbar und wertvoll. Auch für den 17. Juli 2021 wäre eine Master Class geplant gewesen.

„Die Salzburger Festspiele verdanken Christa Ludwig unvergessliche Sternstunden. Sie gehörte zu jenen Künstlern, die den Festspielen ihren herausragenden internationalen Ruf gegeben haben“, so Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. „Als winziges Zeichen für die große Trauer und die Dankbarkeit die uns erfüllt, weht auf dem Festspielhaus die schwarze Fahne“

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