Aktuelles

Fest zur Festspieleröffnung
19. und 20. Juli 2019
Stadt Salzburg

„Wenn Träume so stark und lebendig sind, dass sie andere Menschen in ihren Bann ziehen und zum Mitträumen verführen können, so entsteht jene zauberhafte Wirklichkeit, die für mich Theater heißt.“ Auf kein Ereignis des Festspielsommers treffen diese Worte Max Reinhardts besser zu, als auf das Fest zur Festspieleröffnung. Bevor die Ouverture spirituelle den Auftakt zur Festspielsaison 2019 macht, öffnen wir unsere Tore und laden alle Salzburgerinnen und Salzburger sowie unsere Gäste ein mitzuträumen.

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Heute am Programm

Sommer 2019

„Teilnehmen ist eine Kunst“, schrieb der Dichter Peter Handke. Dass Sie, verehrte Festspielgäste, diese Kunst aufs Vortrefflichste beherrschen, hat Salzburg auch 2018 zu einem „Epizentrum des Besonderen“ gemacht. Tausend Dank dafür!

2019 wollen wir Ihre Empathie für die Mythen der Antike wecken, in denen Festspielgründer Hugo von Hofmannsthal „einen magischen Spiegel“ sah. Stellen doch die mythischen Erzählungen von einst die ewiggültigen Fragen nach unserer Existenz. Sie thematisieren Krieg, Flucht, Opfer, Rachedurst, Schuld und Sühne.

Die Eröffnungspremiere wird Mozarts Idomeneo sein. Hier wird der Herrscher zu bewusstem Handeln gezwungen, zerrissen zwischen der Pflicht gegenüber den Göttern und der Liebe zur Familie. Mit Œdipe in George Enescus gleichnamiger Oper steht uns hingegen ein Unwissender gegenüber: Er wird schuldlos schuldig. Familiäre und politische Konflikte liefern auch die fesselnde Handlung für Simon Boccanegra. Verdis Werk erinnert uns an die schicksalhaften Verkettungen in den großen antiken Erzählungen.

Eine der zentralen mythologischen Frauenfiguren ist Medea, die sich in unserem Programm zweifach widerspiegelt. Basierend auf dem Stoff von Euripides’ Tragödie komponierte Luigi Cherubini 1797 mit Médée in großes Seelendrama um enttäuschte Liebe und blutige Rache. Der französische Komponist Pascal Dusapin bietet uns hingegen, ausgehend von Heiner Müllers Medeamaterial, eine aufwühlend zeitgenössische Interpretation. Auf ganz andere Weise reagierte Jacques Offenbach auf den Antikenkult seiner Zeit. Seine Operette Orphée aux enfers ist Persiflage und Gesellschaftssatire zugleich.

Und wie jedes Jahr nehmen wir die Pfingstoper mit unserer wunderbaren Cecilia Bartoli im Sommer wieder auf. Georg Friedrich Händels Alcina wurzelt tief im mündlichen Erzählschatz vergangener Zeiten.

Mit den Mythen spielt auch das Schauspielprogramm. Die Uraufführung von Theresia Walser’s Die Empörten überträgt den antiken Grundkonflikt von Antigone und Kreon in unsere Zeit. Maxim Gorkis Sommergäste hingegen lassen sich als Antithese zur mythologischen Erzählung lesen. Die Menschen sind für ihr Schicksal selbst verantwortlich. Mit Liliom von Ferenc Molnár wird ein Charakter der permanenten Entäußerung in den Mittelpunkt gerückt. Ein Fluch scheint in Jugend ohne Gott auf der Gemeinschaft von Schülern und Lehrern zu lasten, dem sie nicht entkommen und der zwei von ihnen den Tod bringt. Den Mythos des Sisyphos greift Albert Ostermaier in einem dramatischen Monolog auf, eine weitere Uraufführung für die Salzburger Festspiele an ungewöhnlichem Ort. Mit einer Marathonlesung von James Joyces Ulysses knüpft das Schauspielprogramm direkt an Homers Odyssee an: als Echo der Antike in unserer Zeit.

Wie sehr Erzählung auch Gesang war, davon zeugen eindrucksvoll die antiken Epen. In unserer diesjährigen Ouverture spirituelle nehmen der Schmerz, die Klage und die Tränen klanglich Gestalt an. Sie berühren unsere Seele: sei es in Orlando di Lassos Lagrime di San Pietro, bei Palestrina, Gesualdo und Bach, in der Musik Schostakowitschs oder bei Nono, Gubaidulina und Rihm.

Hermann Bahr, einer der Vordenker der Festspielidee, beantwortete die Frage „Warum Mythen heute?“ so: „Mein Zukunft mit Ungeduld verlangender Blick kehrt seit je doch am liebsten bei längst entschwundenen Vergangenheiten ein, da hole ich mir die Zukunft.“

Dazu laden wir Sie im Sommer 2019 ein.

Helga Rabl-Stadler
Markus Hinterhäuser
Lukas Crepaz

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Programmbuch
Spielplan
Editorial Cecilia Bartoli / Pfingsten 2020

Vorwort

Donizettis Don Pasquale passt 2020 erstaunlich gut zum 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele, die üblicherweise mit Mozart und Strauss in Zusammenhang gebracht werden, und entspricht auch meinem Bemühen, das Festspielrepertoire stets weiter zu bereichern.

Sechsmal stand Donizettis Opera buffa auf dem Festspielprogramm, darunter auch ganz am Beginn, wie ich im Archiv nachgelesen habe: 1922 führte man die ersten Opern auf, natürlich von Mozart. Nach zwei für die Festspiele schwierigen und opernlosen Jahren wurden 1925 Don Giovanni und Le nozze di Figaro wiederaufgenommen und eine weitere Aufführung der Wiener Staatsoper in Salzburg gezeigt: Don Pasquale, glänzend besetzt mit Bruno Walter, Maria Ivogün, Karl Erb, Hermann Wiedemann und dem berühmten Salzburger Bass Richard Mayr.
Somit ist Don Pasquale die erste Oper im Festspielrepertoire, die nicht von Mozart stammt. Die Produktion muss ein Erfolg gewesen sein, denn 1930 stand sie unter Bruno Walter erneut auf dem Spielplan. Ein Jahr später wurde Don Pasquale als Gastspiel einer italienischen Truppe aufgeführt. Bei Neuproduktionen in den 1950er und 1970er Jahren standen beliebte Künstlernamen wie der Regisseur Oscar Fritz Schuh sowie Hilde Güden, Sesto Bruscantini, Graziella Sciutti, Fernando Corena, Rolando Panerai — und Riccardo Muti auf dem Besetzungszettel, der 1971 als Dirigent von Don Pasquale sein Festspieldebüt gab.

Als ich in einem anderen Zusammenhang erfuhr, dass Pauline Viardot Mitte des 19. Jahrhunderts die Norina gesungen hat, begann ich darüber nachzudenken, wie sich am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert der „Divo“ nach und nach zu einer „Diva“ gewandelt hatte, während seine — und später eben ihre — Funktion dieselbe geblieben war: Sie stellten herausragende Künstlerpersönlichkeiten dar, um die sich im musikalischen sowie gesellschaftlichen Leben zu ihrer Zeit alles drehte.
In Italien, England und Spanien war man um 1730 hauptsächlich auf einen glänzenden Stern fokussiert: Farinelli. Er war Symbol für eine Reihe von Kastraten, die mit ihrer herrlichen Kunst — aber auch mit lautstarken Skandalen — bestimmten, was zur Blütezeit des Barock auf den europäischen Opernbühnen passierte.
Doch je weiter die Strahlen der Aufklärung das 19. Jahrhundert erleuchteten, desto mehr wandten sich die Fans von diesen extravaganten, von absolutistischen Monarchen verzogenen jungen Männern ab und einer neuen Gottheit zu: der Primadonna. Von nun an lagen sie Frauen zu Füßen, wunderbaren Künstlerinnen, welche die Werte der postrevolutionären und bürgerlichen Gesellschaft besser verkörperten als Kastraten, deren Künstlichkeit, vom Hochadel so geliebt, plötzlich als unnatürlich angesehen wurde. Frauen waren die neuen Musen für aufstrebende Komponisten, sie nahmen Einfluss darauf, was letztendlich in eine Partitur gelangte, auf die Repertoirepolitik an Theatern, Besetzungen und Gagen; manch eine von ihnen verfügte über großen gesellschaftlichen Einfluss.
Sie waren ehrwürdige Persönlichkeiten wie Isabella Colbran und Giuditta Pasta — oder Maria Malibran, die den freien, impulsiven Geist der Romantik verkörperte. Abgesehen von ihrem musikalischen Talent und ihrem neuartigen, intensiven Spiel auf der Bühne wurde die Malibran wegen ihres öffentlich ausgebreiteten Privatlebens und frühen Todes zur ultimativen Ikone, zur Marilyn Monroe des 19. Jahrhunderts.

Doch es war Maria Malibrans jüngere Schwester, Pauline Viardot-Garcia, die eine nachhaltige Wirkung auf die Kultur Europas ausüben sollte: Wie die anderen Mitglieder ihrer Familie ebenfalls außerordentlich musikalisch begabt, wurde Pauline in den führenden Opernhäusern bejubelt. Dank ihrer einnehmenden Art und der Beherrschung mehrerer Sprachen war sie ein willkommener Gast in eleganten Salons von Paris bis Sankt Petersburg. Bewundert von Virtuosen, Komponisten und Künstlern, wurde jedoch vor allem ihre intime Freundschaft zu Iwan Turgenjew zum bekanntesten Kapitel in ihrem Privatleben.

Wie Maria und ihr Bruder Manuel war Pauline ein Kind der italienischen Romantik und des Belcanto. In frühen Jahren sang auch sie mit Erfolg Mozart, Rossini und Donizetti. Im Lauf ihres langen Lebens — von 1821 bis 1910 — sowie infolge enger persönlicher Verbindungen zu Deutschland und Frankreich setzte sie sich für eine unglaubliche Vielfalt an musikalischen Stilrichtungen ein, etwa für Werke von Meyerbeer, Berlioz, Brahms, Wagner, Gounod, Saint-Saëns, Massenet und sogar Gabriel Fauré, der beinahe ihr Schwiegersohn wurde. Als Schülerin von Franz Liszt und Anton Reicha sowie Duopartnerin von Chopin war Pauline eine exzellente Pianistin und Komponistin. Ihre makellose Gesangstechnik, die sie an erfolgreiche Schülerinnen und Schüler weitergab, erlaubte es ihr, jahrzehntelang in ihrem Beruf tätig zu sein. Die glückliche Ehe mit dem französischen Theaterdirektor, Autor und Kunstkritiker Louis Viardot wiederum nützte ihrer Karriere als angesehene Sängerin und erlaubte es ihr, sich als große Förderin der Künste zu betätigen, die den tiefgreifenden kulturellen Wandel von der Frühromantik zum Impressionismus und zur frühen Moderne weitsichtig begleitete.

Zu Pfingsten 2020 werden wir dieser außergewöhnlichen Frau, die auf einer Tournee mit ihrem Schwager, dem belgischen Geiger und Pianisten Charles-Auguste de Bériot, auch einmal in Salzburg auftrat, als Opern-, Konzert- und Liedsängerin sowie in Werken, deren Entstehung sie veranlasste, begegnen.
Ganz besonders freue ich mich auf mein Debüt in Don Pasquale, einer Oper, die ich innig liebe. Die Rolle der Norina singe ich in einer Version mit Variationen, Kadenzen und musikalischen Einschüben, die auf eine Aufführungsserie des Don Pasquale in Sankt Petersburg 1845 mit Pauline Viardot als Norina zurückgeht. Die historischen Instrumente im Orchester nehmen das Klangbild auf, welches wir hier in Salzburg bereits für Bellini und Rossini erarbeitet haben.
Eine Manuel García und seinen drei berühmten Kindern — Manuel, Maria und Pauline — gewidmete Gala bildet für mich den Höhepunkt des Programms. Man kann Rossini in seinem Dank an diese Künstlerpersönlichkeiten nur beipflichten: Ihr nachhaltiger Einfluss auf über hundert Jahre Musikgeschichte lässt einen staunen! Zu Beginn enthusiastische Förderer von Werken Mozarts, Rossinis und Bellinis, brachten sie als erste die Oper nach New York. Durch ihr pädagogisches Wirken hatten sie zudem großen Einfluss auf das deutsche Lied. Und noch am Beginn des 20. Jahrhunderts pries man die berühmte Studentin von Paulines Schülerin Aglaja Orgeni, Margarethe Siems, für ihren überragenden Gesang in den Uraufführungen von Richard Strauss’ Elektra, Rosenkavalier und Ariadne auf Naxos

Cecilia Bartoli

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28. März 2019
Salzburger Festspiele 2019
2019 wollen wir Ihre Emphatie für die Mythen der Antike wecken! Erleben Sie bewegende Inszenierungen, hochkarätige Besetzungen und das einzigartige Flair der Mozartstadt. Dazu laden wir Sie im Sommer 2019 ein!