© SF/Marco Borrelli

Ab in den Zauberwald

Ein ungewöhnliches Mädchen, eine wütende Wettermacherin und der junge König Arthur: ein Streifzug durch das vielfältige Jugendprogramm jung & jede*r der Salzburger Festspiele.

Die Begeisterung für Kultur kann nicht früh genug geweckt werden. Die Salzburger Festspiele kümmern sich darum auch in diesem Sommer im Rahmen ihres Jugendprogramms. „Wir wollen möglichst unterschiedliche Altersgruppen erreichen, dabei einerseits musik- und theaterinteressierte Jugendliche bestärken und Festspiel-Neulinge begeistern. Dabei geht es uns darum, Brücken zu schlagen und die Erlebniswelt von jungem Publikum in die Festspiele hineinzutragen“, erörtert Ursula Gessat, die Leiterin von jung & jede*r. Von März bis Mai wurde das ganze Bundesland Salzburg, „von Abtenau bis Zell am See“, zur Bühne. Die Festspiele begaben sich hin zum jungen Publikum und zeigten in Kooperation mit lokalen Kulturvereinen und Veranstaltern zwei mobile Produktionen, die im Sommer ihre eigentliche Premiere im Rahmen der Festspiele erleben.

Frau Holle im Burnout. Eine davon ist Sebastian Schwabs Oper Holle! nach Motiven des Grimm’schen Märchens „Frau Holle“ auf ein Libretto von Kai Weßler und Suse Frei. Frau Holle (dargestellt von Mezzosopranistin Tatiana Kuryatnikova) ist in Catharina von Bülows Inszenierung die verantwortungsbewusste Herrin über das Wetter. Ihre Assistenten sind der Klarinettist Manuel Ernst und Andreas Gergelyfi am Hammerklavier. Als sich Frau Holle eine Burnout-bedingte Pause nimmt, müssen die beiden chaotischen Draufgänger kurzerhand für ihre Chefin einspringen und die Erfahrung machen, dass das Wettermachen kein Kinderspiel ist. Dafür braucht es ein äußerst geschicktes Händchen und ein vorausschauendes Auge. Die hochaktuellen Themen Klimawandel und Erderwärmung werden leichtfüßig und spielerisch verpackt. Musikalisch bietet diese Koproduktion mit dem MusikTheater an der Wien, die sich an Kinder ab 6 Jahren richtet, ein abwechslungsreiches stilistisches Sammelsurium.

Die Neue im Dorf. An alle ab 10 Jahren wendet sich die Schauspielproduktion Kri (welche im Frühjahr ebenfalls auf Tour in Kulturzentren und Schulen war). Mit diesem Jugendstück hat Stefan Wipplinger den diesjährigen Retzhofer Dramapreis in der Kategorie „Für junges Publikum“ gewonnen. Die Ausgangssituation ist folgende: Das Mädchen Kri zieht eines Tages in ein Dorf und sucht sich als Zuhause ausgerechnet eine heruntergekommene Bushaltestelle aus. Wie reagiert die hiesige Gemeinschaft auf den Neuankömmling? Zeigt sie Ablehnung oder signalisiert sie Hilfsbereitschaft? Wie umgehen mit vorherrschenden Meinungen und Vorurteilen? In die Rolle der unangepassten mutigen Protagonistin, die den Alltag der Dorfgemeinschaft ordentlich durcheinanderwirbelt, schlüpft die aus Salzburg stammende Tanja Radovanović. Regie führt Tanju Girişken.

Freundschaft auf dem Prüfstand. Vom Dorf in den Zauberwald und damit zur dritten Produktion im Rahmen von jung & jede*r: „Für die Kinderoper King Arthur Junior haben wir Henry Purcells bekannte Barockoper mit einem ganz neuen Text versehen und der zeitgenössischen Musiksprache von Gordon Kampe verbunden, um junges Publikum auf packende Weise in einen Zauberwald zu entführen“, sagt Ursula Gessat über die Neukomposition im Auftrag der Salzburger Festspiele. Worum geht es? Der große Zauberer Merlin bestimmt Arthur zu seinem Nachfolger. Dessen Freundschaft zu Oswaldine und Emmeline gerät dadurch in eine ordentliche Schieflage. Als Regisseurin und Textbuchautorin fungiert Fabiola Kuonen. Unter der musikalischen Leitung von Yura Yang, Kapellmeisterin an der Oper Leipzig, agieren Teilnehmende des Young Singers Project (dem Förderprogramm für junge Sängerinnen und Sänger), eine Puppenspielerin und Musizierende der Angelika Prokopp Sommerakademie der Wiener Philharmoniker. Alle drei Produktionen gehen im Schauspielhaus Salzburg über die Bühne. Die Einführungsworkshops Wir spielen Oper – ausschließlich für Kinder – bieten einen kreativen Einstieg in die Kinderoper.

Was das aktive Mitmachen betrifft, finden in diesem Sommer insgesamt vier Camps statt – zu den Opern Saint François d’Assise, Ariadne auf Naxos und Così fan tutte sowie zur Schauspielproduktion Der Menschenfeind.

6000 Tickets für junges Publikum sind aufgelegt. Interessierte bis zum vollendeten 27. Lebensjahr erhalten eine Ermäßigung von bis zu 90 Prozent. Weiters bietet das Vermittlungsprogramm Jugendeinführungen sowie Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern. Auch die Festspielpaten­schaften werden fortgesetzt. Versierte Gäste begleiten Neulinge beim ersten Festspielbesuch.