Die im Gasteinertal aufgewachsene Anna Rieser ist seit der Spielzeit 2020/21 Ensemblemitglied am Volkstheater Wien unter der Intendanz von Kay Voges. Sie studierte Schauspiel am Mozarteum Salzburg und wirkte in diversen Fernsehproduktionen mit. Für ihre Rolle der Grace in Dogville am Landestheater Linz wurde sie 2019 mit dem Nestroy-Theaterpreis in der Kategorie „Bester Nachwuchs weiblich“ ausgezeichnet.

In Salzburg spielt sie heuer im Jedermann Des Schuldknechts Weib. Beim Fest zur Festspieleröffnung liest Rieser Texte von Christine Lavant, in denen sie ihren sechswöchigen Aufenthalt in der Landes-Irrenanstalt Klagenfurt literarisch verarbeitet. Im Herbst 1946 schrieb sie über ihre Erlebnisse mit Patient*innen, Pfleger*innen und Ärzt*innen in der Psychiatrie.
Im Zentrum stehen ihre Selbstwahrnehmungen und die Zustände des eigenen Bewusstseins und des Unbewussten. „So schoben sie mich in den Waschraum ab, wo ich dann auch pflichtschuldigst einen Weinkrampf bekam. Ich hätte ebenso gut singen können oder pfeifen oder mit den Anstaltspantoffeln gegen die feuchte Mauer schlagen, aber ich entschloss mich schließlich doch für das Weinen. Dass es dann solche Ausmaße annahm, war allerdings etwas peinlich, aber ich konnte nichts dagegen tun.“ Zu Lebzeiten wurde der Text auf Deutsch nie veröffentlicht, gefunden wurde er erst Mitte der 1990er-Jahre im Nachlass der Übersetzerin Nora Wydenbruck. 2001 wurde er erstmals publiziert.