Der Prinz von Homburg
Hans Werner Henze
Prinz Friedrich von Homburg, General unter Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, ist ein Nachtwandler und Träumer. Unfähig, zwischen Imagination und Realität zu unterscheiden, macht er sich während einer Schlacht des Ungehorsams schuldig und wird vor das Kriegsgericht gestellt …
Hans Werner Henzes Oper Der Prinz von Homburg, die 1960 in Hamburg uraufgeführt wurde, setzt sich mit dem zeitlosen Konflikt zwischen Pflicht und Gefühl auseinander. Sie kommt zu dem für das Gesamtwerk des Komponisten so bezeichnenden Schluss, dass Menschlichkeit und Liebe über jedem politischen Kalkül stehen.
Dirigent Ingo Metzmacher und Bariton Georg Nigl, beide glühende Advokaten der Neuen Musik, bringen in einer konzertanten Aufführung am 20. August dieses „späte Jugendwerk“ (so Henze selbst) erstmals nach Salzburg. Henze war von je ein politisch überaus engagierter Künstler – dennoch, betont Georg Nigl, sei es ihm nie darum gegangen, mit seiner Musik zu provozieren, sondern darum, „Menschen zu berühren“.
Die große österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann hatte die literarische Vorlage von Heinrich von Kleist zu einem stringenten Libretto umgearbeitet und dabei, so beschrieb es Henze, „Gehäuse für Rezitative, Arien und Ensembles errichtet“. Das Festhalten an traditionellen Formen sowie die emotionale Unmittelbarkeit seiner Musik brachten dem Komponisten wiederholt die Häme der Avantgarde ein. Doch Henze selbst, der den Großteil seines Lebens in Italien verbrachte, sah keinen Widerspruch zwischen Traditionsbewusstsein und moderner Musiksprache: „Die engelhafte Melancholie Bellinis, das funkelnde Brio Rossinis, die schwere Leidenschaftlichkeit Donizettis, das waren Dinge, die mich seit Jahren schon gefangen genommen hatten“, bekannte er 1960 – und fügte später hinzu, man spüre in Der Prinz von Homburg überall „den Einfluss des Dramaturgen Verdi“.
Zuerst erschienen in der Festspielbeilage der Salzburger Nachrichten