Staging Realities – The Living Archive

Vom 18. bis 29. August werden die Living-Archive-Projekte des Festspielarchivs im UMAK präsentiert.

Archive sind bedeutende Erinnerungsorte, die als Wissensspeicher einen wesentlichen Teil des kulturellen Gedächtnisses bewahren und das historische Denken in der Gegenwart stärken. Mit der Neupositionierung des Festspielarchivs 2024 wurden die Schätze aus der Festspiel-Historie bereits in mehreren Projekten sichtbar gemacht. Im Sommer 2026 folgt nun die Ausrichtung eines eigenen Archiv-Festivals, das sich mit der Archivierung von künstlerischen (performativen) Aktionen befasst und neue Formate eines lebendigen Archivs präsentiert. Im Gegensatz zum klassischen Archiv, in dem das Vergangene nach bestimmten Ordnungsstrukturen klassifiziert wird, versteht sich das Living Archive als eines, das die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überwindet und die Bestände in anderen Kontexten miteinander in Beziehung bringt. Dadurch werden neue Wahrnehmungsweisen entdeckt, aber auch neue Quellen des Erinnerns erschlossen.

Labor für digitale Bühnenkunst. Die Living-Archive-Projekte des Festspielarchivs, die zwischen 18. und 29. August, jeweils 10:00, 12:30 und 15:45 Uhr, im UMAK – Universität Mozarteum am Kurgarten präsentiert werden, bilden zugleich den Auftakt einer Kooperation zwischen den Salzburger Festspielen, Ars Electronica und dem Institut für Open Arts der Universität Mozarteum Salzburg, die sich neuen Technologien im Kontext der darstellenden Künste zuwendet: Mit Staging Realities entsteht ein Labor für digitale Bühnenkünste, für immersive Kunst und neue Formen des Erzählens im digitalen Zeitalter, das kreatives Experimentieren mit neuen Werkzeugen sowie die kritische Reflexion über die physische Präsenz in der Performancekunst verbindet. Ausgangspunkt des sommerlichen Archiv-Festivals sind die beiden im Kontext der Salzburger Festspiele entstandenen Projekte, das S+T+ARTS®-Ec(h)o-Residencies-Programm 2025/26 sowie das 2024 begonnene Erinnerungsbüro im Festspielarchiv, die nun der Öffentlichkeit präsentiert werden. Dazu gesellt sich die Wiederaufnahme der 2023 mit Ars Electronica realisierten FAUST-VR-Experience. Alle vier Projekte sind in einem geführten, etwa zweistündigen Rundgang im neuen UMAK-Gebäude zu erleben.

Die Installation Feeling Virtual: An Archive of Touch der in Berlin lebenden Künstler-in Iz Paehr [Virtuelles (Be-)Greifen – Ein Archiv der Tastempfindungen] lädt dazu ein, Archivmaterialien zu ertasten. Iz Paehr legt den Fokus auf tactile records (taktile Aufzeichnungen), sodass 3D-Modelle von realen Objekten aus der Festspielgeschichte – etwa Kostüme der „Rosenkavalier“-Inszenierung 1960, Requisiten und Kostüme der „Zauberflöte“ 1997 – als virtuelle Objekte durch Vibrationen, taktile Beschreibungen und Berührung erfahrbar und zugänglich gemacht werden.

Merging Visions ist eine zweiteilige immersive Installation der in Wien lebenden Künstlerin und Architektin Merve Sahin, die eine neue Perspektive auf die gebaute Umwelt bietet und ihren ständigen Wandel sowie die Verflechtung mit der Natur und historischen Zyklen beleuchtet, und zwar im Zusammenhang mit der architektonischen Transformation der Natur durch die Spielstätten der Salzburger Festspiele. Das Projekt legt historische, kulturelle und ökologische Schichten frei, die den Festspiel-Komplex determinieren.

Archiv für Festspielerlebnisse. Mats Staub wiederum entwickelt Kunstprojekte im Spannungsfeld zwischen Theater und Ausstellung, Wissenschaft und Literatur, in deren Zentrum Menschen und deren Lebenserzählungen stehen. Mit seinem speziell für Salzburg eingerichteten Festspiel-Erinnerungsbüro entsteht ein Archiv subjektiver Festspielerlebnisse, die mimisch und gestisch in einer Videoinstallation erfahrbar und parallel dazu in verdichteten Erzählungen hörbar sind.

Bereits 2023 – anlässlich des 150. Geburtstags von Festspielmitbegründer Max Reinhardt – wurde das Archiv-Projekt FAUST 2023 realisiert. Parallel zur „Faust“-Neuinszenierung bietet die Wiederaufnahme der Virtual-Reality-Experience, in deren Zentrum die virtuelle Rekreation der berühmten „Faust“-Stadt von Clemens Holzmeister für Reinhardts Inszenierung 1933 in der Felsenreitschule steht, sowohl einen Konnex zur aktuellen Festspielsaison als auch zum Living-Archive-Schwerpunkt.

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24. Juni 2026
The Living Archive | Salzburger Festspiele 2026 – Teaser