Antony Gormley, Matter, 1987, black pigment, linseed oil and earth on paper, 38 × 28 cm, © the artist
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„Dieses Lebewohl wird nicht das letzte sein …“

Vincenzo Bellini hatte sich bereits über Italien hinaus
einen Namen gemacht,
als das Teatro La Fenice ihn im Januar 1830 dazu gewann, innerhalb weniger Wochen eine neue Oper für die laufende Karnevalssaison zu komponieren: Mit I Capuleti e i Montecchi trat Bellini in die Jahre seiner Meisterschaft und bewies, wie sehr er zu einem persönlichen Stil gefunden hatte — einem Stil, der die Vision einer Musik verfolgte, „die aufs Engste das Wort ausdrückt“, und Melodien von erlesener Schönheit und großer dramatischer Aussagekraft hervorbrachte. Wie genau die Gesangslinien auf jede Nuance des Textes reagieren, zeigt besonders die Schlussszene — Romeos Selbstmord neben der vermeintlich toten, dann aber erwachenden Giulietta. Jenseits der Konvention einer aria finale vertraute Bellini auf die Wirkung eines ausgedehnten Accompagnato-Rezitativs, in das Arioso-Passagen, eine Arietta und ein ebenso kurzes Duett eingebettet sind. Gerade weil die Szene so schlicht gehalten ist, berührt sie umso tiefer.
Indem er die Rolle des männlichen Protagonisten einem Mezzosopran zudachte, knüpfte Bellini an frühere italienische Romeo-und-Julia-Opern an. Manche empfanden diese Tradition als nicht mehr zeitgemäß, doch ihr Reiz ist unbestreitbar. Die Besetzung des Liebespaares mit zwei Frauen ermöglichte es Bellini, deren Stimmen innig zu verschlingen, sie aber auch zu echtem Einklang zu verschmelzen. So singen Romeo und Giulietta am Ende des Finales von Akt I, abgesetzt gegen den Männerchor ihrer verfeindeten Familien, unisono eine Melodie, die sogar Berlioz — keineswegs ein Bellini-Verehrer — überwältigte: „Diese beiden Stimmen, die zusammen wie eine einzige erklingen und vollkommene Vereinigung symbolisieren, geben der Melodie eine außerordentliche Schwungkraft. Ich gestehe, dass ich unvermutet von Rührung gepackt wurde und begeistert applaudierte.“

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