Rebecca Horn, Schwarze Arie, 1991 · Rabenfeder, Schallplatten, Motor, elektronisches Gerät · Sammlung Rebecca Horn, Foto: Heinz Hefele, © Bildrecht Wien, 2021
Zur Reihe

Zeit mit BARTÓK

Als zwei große Interpreten mit völlig verschiedenem Hintergrund Béla Bartók (1881–1945) einst um eine Komposition gebeten hatten, spielte dieser sogar im Werktitel auf die Gegensätzlichkeiten an, die seine Musik prägten: Der klassische Geiger Joseph Szigeti und der Jazzklarinettist Benny Goodman wünschten sich ein Trio mit Klavier, vital, mitreißend, vielfältig, am besten in zwei selbstständig aufführbaren, rhapsodischen Teilen. 1938 schuf Bartók daraufhin seine Kontraste, schob dann nach der Uraufführung zwischen die beiden gewünschten Sätze aber noch einen geheimnisvollen dritten ein – überschrieben mit „Pihenő“, „Ruhe“, und charakterisiert von kontrapunktischer Gegenbewegung, tonaler Freiheit, Pathos und reizvoll weichen Klängen. Kontraste: zwischen einem „jungen Barbaren“ und dessen später, schmerzlich verbrämter Abgeklärtheit im Exil; zwischen dem gutbürgerlichen Konzertsaal und der vielfältigen Volksmusik seiner Heimat, die Bartók akribisch erforschte; zwischen ausgeklügelt-althergebrachten Kompositionstechniken und ungeschönter, fast zügelloser Expression; zwischen der Emanzipation des Rhythmus im neu entdeckten Schlagzeug und einem Melos, das auch sublimierte Naturlaute mit einschließt. All das versah er mit jener Pihenő-Tiefe, einer Wehmut, Melancholie und Stärke der Empfindung, die sich unmittelbar überträgt.

Die Konzertreihe „Zeit mit Bartók“ erkundet rund um die Neuinszenierung seiner Oper Herzog Blaubarts Burg den ganz eigenen Weg des ungarischen Komponisten von der Spätromantik in eine Moderne, die voller kühner Neuerungen war und sich zugleich stolz auf die Musiktraditionen der Völker des Balkans bezog. Speziell der Zyklus der sechs Streichquartette bildet sowohl die stets widerstreitenden Kräfte als auch den übergeordneten Zusammenhalt in elektrisierender Schlagkraft ab; Meilensteine wie die Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, die Zweite Violinsonate, Klavierwerke und folkloristisch inspirierte Musik treten hinzu – und natürlich auch die Kontraste.

Walter Weidringer

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