Man Ray, Lampshade, 1920, © Man Ray 2015 Trust / ADAGP — Bildrecht, Wien — 2019, Sammlung Hummel, Wien, Foto: Galerie Hummel, Wien
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Ouverture Spirituelle · Pax

Pax: Nach Verklärung, Passion und Tränen rückt die Ouverture spirituelle 2020 den Frieden ins Zentrum — den äußeren Frieden, gebrochen von den Kriegen dieser Welt, ebenso wie den inneren Frieden, bedroht von uns selbst.
Den Wert des Friedens erleben wir wohl am stärksten über dessen Konterpart, den Krieg, der eine blutige Spur durch die Jahrhunderte zieht. In seinem War Requiem verbindet Benjamin Britten angesichts der Opfer zweier Weltkriege Klage und Anklage; Olivier Messiaens Quatuor pour la fin du temps, von ihm und anderen Kriegsgefangenen der Wehrmacht in einem Lager bei Görlitz uraufgeführt, kündet vom ewigen Frieden; Karlheinz Stockhausens Inori ist eine Oper mit Tanz und Gebet anstelle von Gesang. Steve Reich stellt sich in Different Trains dem Holocaust; Luigi Dallapiccola schrieb seine Canti di prigionia als Reaktion auf Mussolinis „Rassengesetze“. Der Freiheitskampf der Niederländer in Beethovens Egmont stellt bis heute brennende Fragen über einen gerechten Griff zu den Waffen, und in seiner Missa solemnis hat die Bitte um Frieden einen schweren Stand gegen plötzlich ausbrechenden Schlachtenlärm. Dabei stand Haydns Paukenmesse Pate, entstanden im Angesicht der napoleonischen Bedrohung. Die Partitur von George Crumbs Black Angels, geschrieben während des Vietnamkriegs, trägt den von Haydn vorgeprägten Zusatz „in tempore belli“, und Monteverdis Liebeshändel vor dem Hintergrund des Ersten Kreuzzugs enden blutig. Warum wurden unzählige Messen, darunter einige der bedeutendsten der Renaissance, ausgerechnet über die Melodie „L’homme armé“ komponiert, den „Mann in Waffen“?
„Quod est pax?“, fragt Klaus Huber in seinem gleichnamigen Werk; wo liegt der von Arnold Schönberg in Friede auf Erden oder von Giacinto Scelsi in Konx-Om- Pax gleich dreisprachig beschworene Friede? In Luigi Nonos „nostalgisch-utopischer Ferne“? Auch mit dem Frieden als Ziel gilt: Es gibt keine Wege, nur das Gehen.

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