Antony Gormley, Matter, 1987, black pigment, linseed oil and earth on paper, 38 × 28 cm, © the artist
ZUR PRODUKTION

„Nacht der Trunkenheit und unendlicher Entrücktheit!“

Zum Zeitpunkt der Komposition von Les Troyens war Hector Berlioz bereits von persönlichen Schicksalsschlägen und künstlerischen Misserfolgen gezeichnet. Dennoch hielt er an seinem lang gehegten Wunsch, eine zeitlose Oper nach Motiven aus Vergils Epos Aeneis zu schaffen, fest, verfasste selbst das Libretto und stellte zwischen 1856 und 1858 die Partitur fertig. Das Werk geriet in seinen Ausmaßen sowie den instrumentalen und stimmlichen Anforderungen so gewaltig, dass die fünf Akte in zwei Teile aufgeteilt wurden. Obwohl Berlioz 1863 nur noch die Pariser Uraufführung des zweiten Teils mit deutlichen künstlerischen Abstrichen im kleinen Théâtre-Lyrique erleben konnte, war er überzeugt, mit Les Troyens sein bedeutendstes Werk komponiert zu haben.
Die beiden Teile seiner stark vom Chor geprägten Monumentaloper weisen in ihrer Dramaturgie deutliche Parallelen auf. Hinter dem Gesamttitel verbergen sich mit La Prise de Troie und Les Troyens à Carthage zwei mythologische Geschehnisse, die durch den aus Troja geflohenen und in Karthago gestrandeten Énée miteinander verknüpft werden. Im Zentrum steht aber nicht der Kriegsheld, sondern mit der Seherin Cassandre und der Karthagerkönigin Didon jeweils eine starke Frau. Am Ende entscheiden sich beide für den Tod als einzigen Ausweg.
Wie es ihm der Schatten Hectors befohlen hat — „Fuis, fils de Vénus“ —, verlässt Énée im zweiten Akt seine Heimat Troja kampflos und bricht mit seinen Kriegern Richtung Italien auf: Er folgt dem prophetischen Auftrag, dort einen neuen Staat zu gründen, landet aber zunächst im Reich Didons. Hier scheint sich die Handlung zu wenden, wenn er an ihrer Seite die feindlichen Numider abwehrt und sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte entspinnt, die Berlioz in dem innigen Duett „Nuit d’ivresse et d’extase infinie“ gipfeln lässt. Doch letztendlich wird Énée wieder durch Geistererscheinung zur Pflicht gemahnt und lässt eine zutiefst verletzte Didon und ein dem Untergang geweihtes Volk zurück.

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