Wajdi Mouawad

Autor

© Simon Gosselin

Der 1968 im Libanon geborene Autor, Regisseur und Schauspieler Wajdi Mouawad verbrachte seine Kindheit im Libanon und in Frankreich und übersiedelte schließlich nach Québec. 1991 schloss er sein Studium an der École nationale de théâtre du Canada in Montreal ab; heute lebt er in Frankreich. Er ist Autor von Bearbeitungen zeitgenössischer und klassischer Theaterstücke sowie eigener Texte und Regisseur. Von 2000 bis 2004 war er Künstlerischer Leiter des Théâtre de Quat’Sous in Montreal und von 2007 bis 2012 Künstlerischer Leiter des National Arts Centre in Ottawa. 2009 wurde er als Asso­ciate Artist zum Festival d’Avignon ein­geladen und inszenierte dort die Tetralogie Le Sang des promesses.

Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Inflammation du verbe vivre, eine auf Sopho­kles’ Tragödien Bezug nehmende SoloInstallation, und der Cycle Domestique, der an seine frühere Produktion Seuls anknüpft. Darüber hinaus arbeitete er als Opernregisseur u. a. in Paris und Lyon.

Seit 2016 ist Wajdi Mouawad Leiter des Théâtre national de la Colline in Paris. Dort inszenierte er u. a. Tous des oiseaux (2017), Notre innocence (2018), Fauves, Mort prématurée d’un chanteur populaire dans la force de l’âge (2019) und eine Neufassung von Littoral (2022). 2025 feierte sein Stück Le Serment d’Europe beim Epidaurus Fes­tival in Athen Premiere; in einer polnischen Fassung hatte es unter dem Titel Europa in der Regie von Krzysztof Warlikowski am Nowy Teatr in Warschau im Januar 2026 Premiere.

Im deutschsprachigen Raum ist Wajdi Mouawad vor allem als Autor der Theaterstücke Verbrennungen (Incendies) und Vögel (Tous les oiseaux), übersetzt von Uli Menke, bekannt geworden, die bis dato mehr als 75 Inszenierungen auf professionellen Bühnen erlebt haben und auch als Buchausgaben (Verlag der Autoren) erhältlich sind. 2025 wurde am Burgtheater in Wien sein Stück Die Wurzel aus Sein (Racine carrée du verbe être) zur deutschsprachigen Erstaufführung gebracht.

Neben seiner Tätigkeit für das Theater ist Wajdi Mouawad vor allem als Autor bekannt; besondere Beachtung fand sein mehr­fach neu aufgelegter Roman Anima. 2024 übernahm er einen den Sprachen und Kulturen Europas gewidmeten, neu geschaffenen Lehrstuhl am Collège de France, der in Zusammenarbeit mit dem französischen Kulturministerium eingerichtet wurde.

Neben vielen Auszeichnungen für seine Theaterstücke und Inszenierungen wurde Wajdi Mouawad mehrfach für sein Gesamtwerk geehrt, darunter die Auszeichnungen als Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres 2002, Officer of the Order in Canada 2009, der Grand Prix du Théâtre der Académie française 2009 und der Prix SACD de la dramaturgie francophone 2004. Die École normale supérieure lettres et sciences humaines in Lyon verlieh ihm die Ehren­doktorwürde.

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Stand: August 2026