sacrifice – OPFER – victim
von Cecila Bartoli
Zeitgenössischen Berichten können wir entnehmen, dass das Publikum 1831 bei der Mailänder Uraufführung von Bellinis Norma ziemlich erstaunt war über dieses ungewöhnliche Werk. Würde ein heutiges Publikum, fragte ich mich, ebenso staunen, wenn wir ihm die Möglichkeit böten, jene Empfindung noch einmal zu durchleben – in einer Interpretation, welche die originale Form des Werkes wiederherstellt, die auf einem genauen Studium der rekonstruierten Orchesterpartitur fußt und gemäß neuesten Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis interpretiert wird?
Heutzutage steht außer Frage, dass bei Musik aus dem Barock oder der Klassik solche Prinzipien angewendet werden, und bei Rossini veränderte Claudio Abbado den Zugang komplett, als er in den 1970er und 80er Jahren nach und nach den Staub von dessen Partituren blies. Gerne würden wir seinem und weiteren Beispielen folgen und ein ähnliches „neues-altes“ Licht auf Bellinis Meisterwerk werfen, wenn es zum ersten Mal zu einer szenischen Aufführung bei den Salzburger Festspielen kommt. Vor allem aber werden wir mit einer neuen kritischen Edition arbeiten, welche zahlreiche Details und Anmerkungen restituiert, die Bellini in verschiedenen autographen Manuskripten hinterließ.
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