© Markus Hinterhäuser
Ich glaube, dass jeder Komponist ein eigenes Medium hat, das ihm als persönliches Tagebuch dient. Bei Schubert waren das neben den Liedern auch die Klaviersonaten. Sie sind eine Offenbarung, eine spannende, hochinteressante Reise. Darin steckt Schuberts ganze Entwicklung. Und Schuberts Musik lacht und weint gleichzeitig.
Daniel Barenboim

Als Daniel Barenboim in frühen Teenagerjahren erstmals den Dirigentenstab zur Hand nahm, hatte er sich bereits den Ruf eines pianistischen Wunderkinds erworben. Wilhelm Furtwängler, dem er 1954 in Salzburg vorspielte, bezeichnete den damals Elfjährigen als „Phänomen“. Neben seinen Auftritten als Solist und Dirigent drängte es den beseelten und leidenschaftlichen Kommunikator Barenboim stets zur intimsten Form des musikalischen Miteinanders, des Dialogs und Aufeinander-Hörens, des Gebens und Nehmens: zur Kammermusik. Zu seinen frühesten Lied-Partnern zählte Dietrich Fischer-Dieskau, mit dem er unter anderem Schuberts Winterreise aufnahm. Cecilia Bartoli hat Daniel Barenboim nun eingeladen, sich gemeinsam mit ihr und Martha Argerich (die er seit seinen Kindheitstagen in Buenos Aires kennt) erneut einem Komponisten zu widmen, der ihn schon sein ganzes Leben begleitet. Schuberts Musik ist für Barenboim von faszinierender emotionaler Komplexität:

„Sie gibt uns die Möglichkeit, Gefühle und Gedanken, die vollkommen widersprüchlich sind, gleichzeitig zu erfahren.“ Wie tief er in die Innenwelt dieser Musik einzudringen vermag, verrät ein Satz, den Gerhard Rohde nach Barenboims Zyklus Schubert’scher Klavierwerke bei den Salzburger Festspielen 2012 schrieb: „Der nachschaffende Künstler Barenboim schien sich in den Komponisten zu verwandeln, mit ihm zu verschmelzen.“

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