Private Collection/© Purix Verlag Volker Christen/Bridgeman Images
You tog! Don’t I know petter as yourself vaat es good for you to sing? If you vill not sing all the songs vaat I give you I vill not pay you ein stiver.
Georg Friedrich Händel zu Giovanni Carestini

Der Kastrat Giovanni Carestini, für den Händel die Rolle des Ruggiero in Alcina schrieb, soll wenig erfreut gewesen sein, als er die Arie „Verdi prati“ erstmals zu Gesicht bekam: Ein solcher Mangel an Virtuosität für einen Star wie ihn? Händel tat gut daran, Carestinis Forderung nach einer neuen Arie zu widersprechen: Schon bei den ersten Aufführungen verlangte das Publikum regelmäßig die Wiederholung von „Verdi prati“ und heute zählt die Arie zu Händels berühmtesten.

„Ihr grünen Wiesen, ihr lieblichen Wälder“: In Musik von berückender Schlichtheit beschwört Ruggiero die Schönheiten von Alcinas Reich, jenem „Zentrum des Genusses“, das keinerlei Zwänge kennt. Zugleich ist die Arie ein wehmütiger Abschied. Als Mann getarnt, ist Bradamante gekommen, um ihren „verzauberten“ Verlobten zurückzuerobern. So erwacht Ruggiero aus seiner Existenz als Geliebter Alcinas zu seinem alten Selbst, und die eine Form der Liebe weicht einer anderen.

Händels Oper gleicht einem Kaleidoskop der Liebe in ihren verschiedensten Ausprägungen, vor allem aber auch ihren Schattenseiten. Niemand erfährt diese schmerzlicher als Alcina: Die Verführerin, die erstmals echte Liebe fühlt, verliert ihre Zauberkraft – und ihren Geliebten. Ihre innere Entwicklung zeichnet die Musik mit einer Feinnervigkeit nach, die uns Alcina in ihrer tragischen Menschlichkeit berührend näherbringt.

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