Martha Jungwirth, Ohne Titel, 2006
Aquarell auf Papier, 28,5 x 22,5 cm
Foto: Studio Weber, Klaus-Dieter Weber (Ressler Kunst Auktionen GmbH)
© Martha Jungwirth/Bildrecht, Wien 2023
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„Nehmt mir die Herrschaft oder gebt mir ein anderes Herz!“

Vitellia hat sich vergeblich Hoffnungen gemacht, durch eine Vermählung mit Kaiser Tito, dessen Vater einst dem ihren die Herrschaft geraubt hat, auf den römischen Thron zurückzukehren. Nun sinnt sie auf Rache und drängt Sesto, ein Komplott gegen Tito anzuführen. Sesto ist in Vitellia verliebt und hin- und hergerissen zwischen den Gefühlen für sie und der Freundschaft zu Tito. Innerlich aufgewühlt, ist Sesto schließlich bereit, der Liebe den Vorzug zu geben und die Freundschaft zu verraten. Tito überlebt jedoch den Anschlag. Der Senat verhängt über Sesto ein Todesurteil, das noch der Bestätigung durch den Kaiser bedarf. Titos humanitäre Grundsätze werden auf eine harte Probe gestellt: „Alle Mächte haben sich verschworen, mich gegen meinen Willen zur Grausamkeit zu zwingen.“ Obwohl ihm die Schwere der von Sesto begangenen Verbrechen bewusst ist  sieht sich Tito vor die Wahl gestellt, Gerechtigkeit oder Milde — „clemenza“ — walten zu lassen …

Im Juli 1791 wurde Domenico Guardasoni, der Impresario des Prager Ständetheaters, mit der Aufgabe betraut, eine Festoper anlässlich der Krönung Leopolds II. zum König von Böhmen zu organisieren. Ein „berühmter Komponist“ sollte dafür verpflichtet werden, und so fiel Guardasonis erste Wahl auf den Wiener Hofkapellmeister Antonio Salieri. Erst nachdem Salieri das Angebot ausgeschlagen hatte, ging der Auftrag an Wolfgang Amadeus Mozart. Da die Zeit bis zum Krönungstag Anfang September knapp bemessen war, griff man auf ein bereits bestehendes Libretto zurück: Pietro Metastasios La clemenza di Tito zählte zu den populärsten Operntexten des 18. Jahrhunderts und war seit 1734 bereits über 50 Mal als Opera seria vertont worden. Für die Krönungsfeierlichkeiten bot sich das Werk umso mehr an, als es als höfische Fest- und Huldigungsoper par excellence galt. Auf Grundlage der anekdotenhaften Darstellungen der römischen Geschichtsschreiber Sueton und Aurelius Victor hatte Metastasio mit seinem Tito eine tugendhaft-wohltätige Figur geschaffen, die das Ideal einer aufgeklärten Herrscherpersönlichkeit verkörperte. Die Tugenden der antiken „clementia romana“ ließen sich unmittelbar auf die von den Habsburgern propagierte „clementia austriaca“ übertragen, und gleichzeitig konnten Fürsten wie Leopold II. — der Folter und Todesstrafe abgeschafft hatte — mit dem pseudohistorischen Vorbild assoziiert werden.

Die strenge Dramaturgie der von Metastasio geprägten Opera seria, die eine schematische Abfolge von Rezitativen und Arien vorsah, war 1791, Mozarts letztem Lebensjahr, schon längst überholt. Der Librettist Caterino Mazzolà, der eigentlich auf komische Opern spezialisiert war, reduzierte Metastasios
Vorlage von drei auf zwei Akte, formte aus einzelnen Dialogen Ensembleszenen und erweiterte die Rolle des Chores, was vor allem dem Finale des ersten Akts, in dem der Anschlag verübt und das Kapitol in Brand gesetzt wird, zu großer dramatischer Wirkung verhalf.

In seinem Werkverzeichnis vermerkte Mozart, Mazzolà habe aus der Vorlage eine „vera opera“, eine wahre — gar wahrhaftige? — Oper gemacht. Und tatsächlich verleihen die Dynamisierung der Handlung und Mozarts musikalische Charakterzeichnung den einzelnen Figuren, ihren Motiven und Intentionen enorme Plastizität und Glaubwürdigkeit. Im Zentrum der Oper — es war Mozarts letzte — stehen zeitlose Fragen, die um den richtigen Umgang mit Macht vor dem Hintergrund von Intrige, Gewalt und Terror kreisen: Kann Menschlichkeit über Unmenschlichkeit regieren? Lässt sich jede Schuld verzeihen? Lassen sich Staatsräson und Humanität vereinbaren? Kann es eine Gerechtigkeit geben, wenn private und politische Interessen miteinander in Konflikt geraten? Das Ethos von Mozarts Tito verdichtet sich in der Erkenntnis, dass die „Treue der Untertanen“ gegenüber ihren politischen Führern nicht „Frucht der Angst“ sein dürfe, sondern auf Liebe gründen müsse.

David Treffinger

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12. Dezember 2023
La clemenza di Tito | Salzburger Festspiele 2024 – Statement Robert Carsen

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