Rudolf Hradil, Kolosseum, Aquarell, 1991
Was die Menschen damals aus der Antike machten, war ein Modell für die Gegenwart, eine Sammlung idealer Beispiele. Die Vergangenheit war eine kleine Welt, durch unsere Entfernung von ihr noch kleiner. Sie hatte nur vertraute Namen (die Götter, die großen Leidenden, die Helden und Heldinnen), die vertraute Tugenden darstellten (Standhaftigkeit, Edelmut, Tapferkeit, Milde) und die eine unwiderlegbare Idee von Schönheit, sowohl männlicher als auch weiblicher, und eine kraftvolle, gefahrlose Sinnlichkeit verkörperten […].
Susan Sontag
Pfingstfestspiele 2021

Zur Produktion

„Es gibt eine Verschwörung in Rom“: Das Kapitol steht in Flammen, Entsetzen greift um sich. Die fälschliche Nachricht, Kaiser Tito sei ermordet worden, löst am Ende des ersten Akts von La clemenza di Tito eine überwältigende Trauermusik aus, in der Mozart die Solisten auf der Bühne und den Chor in der Ferne miteinander vereint. Unter den Klagenden befinden sich die Drahtzieherin des Anschlags und ihr willfähriges Werkzeug: die skrupellose Vitellia, die sich in ihren Hoffnungen auf Tito und den Thron getäuscht fühlt, und Sesto, dessen Hörigkeit gegenüber der begehrten Vitellia so blind ist, dass er bereit ist, seinen engsten Freund Tito töten zu lassen. Für Friedrich Rochlitz offenbarte sich in diesem Final-Quintett mit Chor „Mozarts shakespearsche, allmächtige Kraft im Großen, Prachtvollen, Schrecklichen, Furchtbaren, Erschütternden […] bis zum Haaremportreiben“ (1798). Die Tonsprache der 1791 entstandenen Oper ist von einer neuen Einfachheit geprägt, die dennoch feinste Seelenregungen widerspiegelt. So lässt uns Mozart im zweiten Akt gebannt an schmerzlichen inneren Prozessen teilhaben. Während Sesto und Vitellia mit Reue, Todesangst und Verantwortung konfrontiert werden, erringt Tito einen Sieg über sich selbst: Denn sogar in diesem äußersten Härtetest bleibt der römische Herrscher seiner Maxime der Güte und Gnade unerschütterlich treu.

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