Private Collection/© Purix Verlag Volker Christen/Bridgeman Images
Hier werden überhaupt keine Frauen auf dem Theater geduldet. Die Kirche ist nämlich sittsam und läßt in Frauenrollen nur hübsche Bürschchen in Mädchenkleidern auftreten, denen teuflische Kesselflicker durch ein arges Mittelchen Flötenstimmen verschafft haben. Mit Hüften, rundem Hinterteil, weiblicher Brust und vollem rundlichen Hals kann man sie wirklich für Mädchen halten.
Charles de Brosses

1735 musste ein junger, aber im ernsten wie im heiteren Fach bereits außerordentlich erfolgreicher Opernkomponist seine Karriere nach nicht einmal vier Jahren unterbrechen und sich zur Genesung aus Neapel in den nahe gelegenen Kurort Pozzuoli zurückziehen. Doch vergeblich: Wenige Monate später, im März 1736, starb der erst 26-jährige Giovanni Battista Pergolesi dort an Tuberkulose. Als sein Schwanengesang gilt das berühmte Stabat Mater, entstanden in jenem Franziskanerkloster, in dem er auch seine letzte Ruhestätte finden sollte. Das Werk, geschrieben für die ätherischen Stimmen zweier Kastraten auf ein mittelalterliches Gedicht über den Schmerz Marias bei Jesu Kreuzigung, entwickelte sich wegen der Unmittelbarkeit des Gefühlsausdrucks, die damals neuartig und kühn war, rasch zu einem immer wieder nachgedruckten Longseller. Um den begnadeten Melodiker Pergolesi entstand ein wahrer Kult, der zu unzähligen Fälschungen führte, und erst im 20. Jahrhundert konnten Dichtung und Wahrheit der kurzen Biografie sowie echte und bloß zugeschriebene Kompositionen voneinander getrennt werden. Die Faszination von Pergolesis Stabat Mater ist jedoch ungebrochen: Zwei engelsgleiche Stimmen bringen es zum Klingen — im Andenken an den „angelico maestro“, wie ihn Vincenzo Bellini später bewundernd genannt hat.