Übernahme von der Mozartwoche 2020.

Eine Koproduktion der Stiftung Mozarteum Salzburg mit den Salzburger Festspielen und dem Théâtre des Champs Elysées.

„Merkt auf! Ich künd’ ein Geheimnis an ...“

Händels Messias zielt — mit den Worten des Komponisten — auf „sublimest sentiments“, erhabenste Gefühle. Hier werden letzte Dinge abgehandelt, aber auch ganz konkrete Ängste, Nöte und Hoffnungen der Menschen. Der Messias hat keine Hand­lung. Das Werk erzählt keine Geschichte, wie es etwa die Passionen oder auch das Weihnachtsora­torium von Johann Sebastian Bach tun. Die Titel­figur — der Messias — tritt nicht auf. Er ist sozusagen gar nicht anwesend im Stück. Man erfährt nichts Genaues über sein Leben und Tun, sein Leiden und Sterben oder über die Umstände seiner Auferste­hung. Erleben lässt uns Händel in seinem 1742 in Dublin uraufgeführten Oratorium, wie eine um Trost im Glauben ringende Gruppe von Menschen den großen Fragen des Lebens und Sterbens begegnet. Als Wolfgang Amadeus Mozart das Werk 1789 in deutscher Übersetzung neu instrumentierte, er­fasste er instinktiv die „erhabenen Gefühle“, um die es Händel ging — und brachte sie dem Wiener Publikum in seiner eigenen Klangsprache nahe. 45 Jahre nach der Entstehung hatte sich der Or­chesterklang weiterentwickelt. So erfand Mozart einen reichen Holzbläsersatz und füllte die von Händel so kunstvoll ersonnene kontrapunktische Struktur mit neuen Farben aus.

Für den US­-amerikanischen Regisseur und bil­denden Künstler Robert Wilson ist die strenge Struktur des Werkes, die vom Wechsel zwischen Solonummern für die vier Gesangssolisten und ebenso vielen Chornummern bestimmt ist, der Anknüpfungspunkt für eine szenische Aufführung, die mit surrealen Bildern arbeitet und ein Gefäß für die Musik zu schaffen versucht. Dabei geht es ihm nicht um eine „Interpretation“ der biblischen Texte, die in Händels Vertonung zum Ausgangspunkt für ein großes Gemälde der Conditio humana werden. Er will das Publikum zu einer spirituellen Reise ein­laden. Vielleicht können wir den Messias in Verbin­dung mit Wilsons Bild-­/Theatererfindungen und in Mozarts Klangsprache ganz neu erleben?

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