Jean Cocteau, Orpheus und seine Leier, Foto: Archives Charmet / Bridgeman Images, © Bildrecht / Comité Cocteau, Wien 2022
Das neue opern büchl so ich zu Componiren habe, betitult sich Orfeo in 5 Acten, welches ich aber erst dieser tagen erhalten werde, dasselbe soll von einer ganz anderen arth seyn, als jenes v[on] Gluck.
Joseph Haydn in einem Brief vom 8. Jänner 1791 an Fürst Anton Esterházy
ZUR PRODUKTION

L‘ANIMA DEL FILOSOFO

Nach fast 30 Jahren am fürstlichen Hof Eszterháza stand Joseph Haydn 1790 plötzlich ohne Dienstherrn da. Als Impresario Johann Peter Salomon davon erfuhr, verpflichtete er ihn für London. Neben zwölf Symphonien sollte er eine Opera seria für das Haymarket Theatre komponieren. Obwohl Haydn als Instrumentalkomponist gilt, war er ein erfahrener Opernkapellmeister, der sich am fürstlichen Hof durch das Einrichten fremder Werke ebenso wie mit 17 eigenen Opern profiliert hatte. Als Librettist wurde Haydn Carlo Francesco Badini zur Seite gestellt, als Sujet wollte man die Sage um Orpheus. Dieser Stoff war seit 1600 unzählige Male vertont worden, doch galt Glucks Reformoper Orfeo ed Euridice als absoluter Maßstab: Reduziert auf den mythologischen Kern steht die Macht der Liebe im Fokus. So waren die beiden gezwungen, neue Wege zu gehen. Badini konstruierte eine verwickelte Handlung mit dramatischem Ausgang. Haydn schrieb ausgeprägte Chorsätze, verzichtete aber weder auf Intermezzi und Balletteinlagen noch auf reich verzierte Koloraturen in traditionellen Da-capo-Arien und forderte die größte Orchesterbesetzung, die man in seinem Œuvre findet. Die Uraufführung wurde abgesagt, da König Georg III. die Konzession verweigerte. Es sollte 160 Jahre dauern, bis L’anima del filosofo in Florenz erstmals gezeigt wurde.

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