Der Traum von einem Feentempel

Über das Projekt

Künstlerische Interventionen zu nie gebauten Festspielhäusern

Zahlreiche in den vergangenen 130 Jahren angedachte Festspielhausprojekte wurden nicht realisiert. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Salzburger Festspiele werden vier dieser nicht gebauten Architekturprojekte durch künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum sichtbar und erlebbar gemacht: am Mönchsberg, im Schlosspark Hellbrunn, am Kapuzinerberg und im Mirabellgarten. Sie dokumentieren, wie sich die Festspielhäuser in die Stadt- bzw. Naturlandschaft eingeschrieben hätten.

Konzeption: Norbert Mayr

Im Auftrag der Salzburger Festspiele

· Esther Stocker (Wien), Dreiteilige Knitterskulptur für den Mönchsberg
Intervention zum Mozart-Festspielhausprojekt am Mönchsberg, 1890 (Atelier Fellner & Helmer, Wien)

· Maria Flöckner & Hermann Schnöll, Norbert Mayr (Salzburg)
Intervention in Hellbrunn zum Festspielhausprojekt im Schlosspark, 1922 (Architekt Hans Poelzig, Berlin)

· Werner Feiersinger (Wien), Tafel, 2019–20
Intervention zum Festspielhausprojekt am Kapuzinerberg, 1942/43 (Architekt Otto Reitter, Salzburg)

· Isa Rosenberger (Wien), Portalrahmen für den Mirabellgarten
Intervention zum Festspielhausprojekt im Mirabellgarten,1950/51 (Architekt Clemens Holzmeister, Ankara)

Die historischen Festspielhausprojekte spiegeln sowohl die Visionen einzelner Personen als auch die differierenden Ansprüche der jeweiligen Zeit und Gesellschaft wider. Die vier für dieses Projekt ausgewählten Festspielhausentwürfe – beginnend mit jenem von 1890 – nehmen Bezug auf herausgehobene Lagen auf den Stadtbergen (Mönchs- und Kapuzinerberg) oder auf Erhebungen (Hellbrunn, Rosenhügel/Mirabellgarten), gehen mit diesen Kontexten jedoch sehr unterschiedlich um.
Das Mozart-Festspielhaus auf dem grünen Plateau des innerstädtischen Mönchsbergs wurde 1890 mit dem Anspruch geplant, die Vorzüge des Richard-Wagner-Festspielhauses in Bayreuth zu nutzen, die Nachteile zu vermeiden.
Bereits 1917 schwärmte der Theatermagier Max Reinhardt vom Hellbrunner Schlosspark als dem durch „natürliche und künstlerische Schönheit“ ausgezeichneten Bauplatz „abseits vom städtischen Alltagsgetriebe“. Eben dort plante Hans Poelzig 1920 bis 1922 ein Festspielhaus.
Anfang der 1940er-Jahre wollte das NS-Regime seinen totalitären Machtanspruch mit einem solitären Festspielhaus als Teil einer umfassenden, den Kapuzinerberg beherrschenden Verbauung ins Salzburger Stadtbild einschreiben.
Clemens Holzmeister wählte 1950 den Rosenhügel in der Neustadt für ein Festspielhausprojekt, das mit einer raumhohen Verglasung Mirabellgarten und Festungsblick ins Bühnengeschehen integrieren sollte.
Auf diese vier Festspielhausentwürfe reagieren vier künstlerische Projekte – drei davon wurden in einem geladenen Wettbewerb ermittelt – als temporäre Interventionen im öffentlichen Raum. Sie sind von August bis Dezember 2020 frei zugänglich.

Vorgeschichte

Zum 90-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele entstand im Bereich des Poelzig-Festspielhausprojekts von 1922 in Hellbrunn eine kleine Intervention: Der damalige Kurator der Ausstellung zum Poelzig-Festspielhaus im Monatsschlössl, Norbert Mayr, realisierte gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Regina Öschlberger einen dezenten Abdruck in der Wiese des Parks.

Durch seine architekturhistorischen Forschungen konnte auch der genaue Bauplatz für das Mozart-Festspielhaus am Mönchsberg (1890) festgemacht werden. Anfang 2019 luden die Salzburger Festspiele Norbert Mayr ein, das im öffentlichen Raum verankerte Jubiläumsprojekt „Der Traum von einem Feentempel“ zu nie gebauten Festspielhäusern umzusetzen.

Für Hellbrunn wurde die Idee aufgegriffen, aufbauend auf den Erfahrungen von 2010 mit dem Architektenteam Maria Flöckner und Hermann Schnöll (Salzburg) eine neue Intervention zu entwickeln, die das Festspielhaus von 1922 bis zum Nashorngehege im Tiergarten spürbar werden lässt.


Wettbewerb für Mönchsberg, Kapuzinerberg, Mirabellgarten

Um ein möglichst breites Spektrum an künstlerischen Zugängen zu erschließen, nominierten im Frühsommer 2019 drei KuratorInnen mit Expertisen in Kunst, Architektur und Landschaftsarchitektur/Urbanistik (Hildegard Fraueneder, Roman Höllbacher, Michael Obrist) insgesamt neun TeilnehmerInnen bzw. Teams für einen geladenen Wettbewerb.

Mönchsberg
Manuel Gorkiewicz und Katharina Heistinger (Wien)
Stijn Nagels (Salzburg)
Esther Stocker (Wien)

Kapuzinerberg
Karl Peyrer-Heimstätt und Flora Peyrer-Heimstätt (Wien)
Werner Feiersinger (Wien)
Michael Meier und Christoph Franz (Zürich)

Mirabellgarten
Maruša Sagadin (Wien)
Sonia Leimer und Marina Faust (Wien)
Isa Rosenberger (Wien)

Die nominierten Künstlerinnen und Künstler erhielten im August umfassende Unterlagen zu den drei Festspielhausprojekten (Pläne, historische und architekturhistorische Quellen etc.) und den genauen Standorten. Zusätzlich wurden die Gebäudeumrisse und Bühnenbereiche im jeweiligen Gelände abgesteckt (Architekt Stefan Linsinger).
Der vom Salzburger Festspielfonds ausgelobte, geladene Wettbewerb begann mit einer örtlichen Begehung mit Kolloquium und Fragebeantwortung am 29. August 2019.
Die künstlerischen Arbeiten sollten eigens für die Orte entwickelt werden, sich auf Raum (Festspielhausprojekt und aktuelle Örtlichkeit) sowie Inhalt (politischer und gesellschaftlicher Kontext) beziehen, die Situierung konzeptuell schlüssig sein und in ihrer ästhetischen Qualität überzeugen. Am 22. Oktober 2019 wurden die künstlerischen Entwürfe der Jury präsentiert.

Jury

Katharina Blaas-Pratscher, Kuratorin Kunst im öffentlichen Raum und Jury-Vorsitzende
Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele
Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museum
Oliver Gachowetz, Landschaftsarchitekt
Norbert Mayr, Architekturhistoriker, Projektleiter

Da sich die Bauplätze der Festspielhäuser am Mönchsberg und am Kapuzinerberg heute nicht mehr gänzlich auf öffentlichem Grund befinden, bereicherten neben Fachbehörden deshalb auch die Grundbesitzer als externe Berater den Diskurs; das Hotel Schloss Mönchstein etwa erlaubt die temporäre Aufstellung des Kunstwerks.

Bis auf den Standort Rosenhügel mit bombengeschädigtem Kurhaus hätten sich die ausgewählten Festspielhaus-Planungen exponierter Naturräume bzw. Kulturlandschaften bemächtigt. Die TeilnehmerInnen beschäftigten sich bei der Entwicklung ihrer Arbeiten mit den teilweise natur- bzw. landschaftsgeschützten Kulturlandschaften sowie den Festspielhausprojekten in ihrem politisch-gesellschaftlichen Kontext.

Nach den Präsentationen der vorgestellten Entwürfe diskutierte die Jury diese im Detail und hob die intensive Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema sowie die hohe künstlerische Qualität der Projekte hervor. Zudem wurde einvernehmlich festgestellt, dass jeder der engagiert ausgearbeiteten Entwürfe auf den drei Standorten realisierbar wäre. In der abschließenden Abstimmung wurden drei Konzepte jeweils einstimmig ausgewählt und zur Realisierung empfohlen.

Esther Stocker (Wien), Dreiteilige Knitterskulptur für den Mönchsberg
Intervention zum Mozart-Festspielhausprojekt am Mönchsberg,1890 (Atelier Fellner & Helmer, Wien)
„Esther Stocker inszeniert mit ihrer dreiteiligen Skulptur den Raum, verschiebt die Wahrnehmung und macht ihn für die BesucherInnen neu erlebbar. Die ,zerknüllten Entwurfsideen‘ thematisieren Ordnung und Unordnung, System und Systemzerstörung. Darüber hinaus stellen die Skulpturen unter Nutzung von Texten aus dem Jahr 1890 einen direkten Zusammenhang mit dem geplanten Festspielhaus her.“ (Jurybegründung)

Werner Feiersinger (Wien), Tafel, 2019–20

Intervention zum Festspielhausprojekt am Kapuzinerberg,1942/43 (Architekt Otto Reitter, Salzburg)
„Werner Feiersinger, inspiriert durch die Plastizität des Modells im Salzburg Museum, transformiert dieses zu einem Teilobjekt seines bemerkenswerten künstlerischen Konzepts. In der für den Künstler typischen ästhetischen Formulierung schafft er ein Kunstwerk, das mit einer scheinbar verharmlosenden, spielerischen Kopie des Modells irritierend auf den geplanten historischen Entwurf hinweist. Durch die Positionierung in der Nähe eines Aussichtspunktes und die Benutzbarkeit durch die BesucherInnen wird das Objekt zu einem Ort der Kommunikation.“ (Jurybegründung)

Isa Rosenberger (Wien), Portalrahmen für den Mirabellgarten
Intervention zum Festspielhausprojekt im Mirabellgarten,1950/51 (Architekt Clemens Holzmeister, Ankara)
„Isa Rosenberger setzt mit ihrem Entwurf ein sehr reduziertes Zeichen in den überaus gestalteten Mirabellgarten, das einen wichtigen Kontrapunkt zur Umgebung darstellt. Die Höhe des Objekts in Anlehnung an Holzmeisters Entwurf erinnert an das geplante historische Konzept und verändert den Blick auf den Stadt- und Parkraum sowie die Wahrnehmung des Raumes. Rosenberger schafft mit dem geplanten Objekt eine benutzbare Bühne, um für die BesucherInnen neue Blickpunkte und Sichtweisen erfahrbar zu machen.“ (Jurybegründung)

Der Kunstbeirat der Stadt Salzburg hat in seiner Sitzung am 16. Dezember 2019 – angefragt für Mönchsberg, Kapuzinerberg und Mirabellgarten – die „temporäre Aufstellung der Kunstwerke an den vorgeschlagenen Plätzen“ befürwortet und die Qualität der Arbeiten gewürdigt.

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Video

19. August 2020
Der Traum von einem Feentempel 2020 Teaser
Ort

Mönchsberg, Schlosspark Hellbrunn, Kapuzinerberg, Mirabellgarten

Laufzeit

August bis Dezember 2020

ein oder zwei unsichtbare Zeilen damit alles auf eine höhe ist

Auf Mapsansehen
Leporello mit Karte
Isa Rosenberger

Portalrahmen für den Mirabellgarten, 2019/20

Der Entwurf für die künstlerische Intervention am Rosenhügel im Mirabellgarten greift Clemens Holzmeisters Überlegungen zu einer Einheit von Bühne und Zuschauerraum und zur Überwindung der Grenze zwischen Natur und Architektur auf. Ausgangspunkt für den Entwurf sind die drei großen Portale der Hinterbühne in Holzmeisters Entwurf für das Festspielhaus im Mirabellgarten (1950):

Wünscht man „einen fast unmessbar großen Bühnenraum, so öffnet man die drei Portale der Hinterbühne und betritt eine Theaterfläche – wie sie nur die Medici in den Boboligärten zu Florenz besessen haben!“ Diese Fläche, hinter der sich der Garten entfaltet, bietet „Möglichkeiten, die geradezu unerschöpflich sind. Über dem Ganzen schwebt die Hohensalzburg.“ (Joseph Gregor über Clemens Holzmeisters Projekt)

Die Umrisse dieser drei großen Portale der Hinterbühne werden abstrahiert als Portalrahmen aus gold lackiertem Stahl im Mirabellgarten markiert: Der Blick über den Mirabellgarten und auf die Festung Hohensalzburg wird so – den Entwurf Holzmeisters zitierend – „gerahmt“ und die Stadt selbst zur (Freilicht-)Bühne. Die BesucherInnen des Mirabellgartens werden damit selbst zu AkteurInnen des „Welttheaters“ und die Stadt zur „Raumbühne“.

Ziel ist es, möglichst die Originaldimension der drei großen Portale der Hinterbühne mit dem Stahlrahmen darzustellen: ca. 7,5 m Höhe (ab Bodenniveau) und ca. 19,5 m Gesamtbreite.
Dieser „Portalrahmen“ wird außerdem mit einem „Hörspiel“ kombiniert, das als Audiodatei auf der Website der Salzburger Festspiele zugänglich gemacht wird und abgerufen werden kann. Das Hörspiel (ca. 3 bis 5 Minuten) beginnt mit der von Holzmeister als „tragikomisch“ bezeichneten Grundsteinlegung für das Festspielhaus im Mirabellgarten. Im weiteren Verlauf „sprechen“ die drei Portale in einem fiktiven Dialog über unterschiedliche Blickrichtungen und Perspektiven in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Festspiele und der „Raumbühne“ Stadt. Der Text des Hörspiels basiert auf Originalzitaten von Clemens Holzmeister und auf Interviews mit ExpertInnen der Architekturgeschichte und (Zeit-)Geschichte der Stadt sowie der Festspiele.

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Mirabellgarten

Feentempel Mirabellgarten Isa Rosenberger
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Video

25. August 2020
Portalrahmen für den Mirabellgarten, 2019/20

Hörspiel

29. Juli 2020
Hörspiel Isa Rosenberger 2020

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  • Hörspiel Isa Rosenberger 2020
    29. Juli 2020.
Esther Stocker

Dreiteilige Knitterskulptur für den Mönchsberg, 2019/20

Das Kunstwerk für den Standort Festspielhaus am Mönchsberg ist eine dreiteilige Skulptur, die zerknitterte bzw. zerknüllte Blätter zeigt. Diese Blätter zitieren originale Auszüge aus der Schrift Das Mozart-Festspielhaus in Salzburg, erschienen 1890 im Selbstverlag des Actions-Comites, und zeigen den ursprünglichen Entwurf des 1890 von Fellner & Helmer geplanten Festspielhauses. Dieses Festspielhaus gilt als eine erste Vision, der eine Reihe weiterer Festspielhauspläne folgen sollte.

In einer sehr unmittelbaren Weise wird vermittelt, wie große Ideen entstehen – und auch wieder verworfen werden. Die Gesamtskulptur spielt mit dem Entwurf und ist mit dem Ort eng verwoben. Die Naturumgebung steht dabei in direktem Kontrast zur Kulturidee und bildet somit eine „Bühne“ für die Intervention.

Die drei Skulpturen stehen für die Beschreibung eines Kulturprozesses aus der Vergangenheit, eines Prozesses, der allerdings nicht abgeschlossen wurde. Sie sind auch als Sichtbarmachung der Manifestation und Verwerfung von Ideen zu lesen und wie deren zufälliges Wiederauftauchen einen Nachhall bildet.

Ein Zitat aus der Schrift des Actions-Comites über das Mozart-Festspielhaus, das darin auch als „Kunsttempel“ bezeichnet wird, lautet etwa: „Es soll ein Magnet für Kunstfreunde der ganzen gebildeten Welt und in seiner Anlage eine Specialität ersten Ranges werden. Und international, wie der Name Mozarts, soll auch die Bedeutung desselben sein.“
Das Interesse der Menschen für die Idee der Festspielhaus-Vision am Mönchsberg soll im Vorbeigehen geweckt werden. Eine verworfene Idee wird zum Kunstobjekt, die dreiteilige Skulptur transformiert die Vision in das Festspiel-Jubiläumsjahr 2020.

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Mönchsberg

Esther Stocker
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19. August 2020
Dreiteilige Knitterskulptur für den Mönchsberg
Maria Flöckner & Hermann Schnöll, Norbert Mayr

Intervention zum Festspielhausprojekt von Hans Poelzig im Schlosspark in Hellbrunn, 2019/20

Der Theatermagier und Festspielmitbegründer Max Reinhardt schwärmte bereits in einer Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn 1917 von einem durch die Trambahn gut erschlossenen Ort „abseits vom städtischen Alltagsgetriebe“.

Ab 1920 machte der deutsche Architekt Hans Poelzig Entwürfe für ein weitläufiges Festspielhaus-Ensemble, bestehend u.a. aus zwei 800 bzw. 2000 Personen fassenden Häusern. Außen terrassiert und begehbar, hat Poelzig das große Haus schließlich zu einem strengen, mächtigen, von der Kegelpyramide des Zuschauerraums dominierten Baukörper versachlicht, für den 1922 feierlich der Grundstein gelegt wurde.

Das Architektenteam Maria Flöckner und Hermann Schnöll setzt gemeinsam mit Norbert Mayr eine mit Versatzstücken des Bauens spielende Intervention, welche die Größenordnung des Poelzig-Projekts von allein 160 Metern Länge bewusst macht. Der abgesteckte Raum kann im Hellbrunner Park auf einer markierten Achse durchschritten werden, auch im benachbarten Tiergarten wird er angedeutet. Sogenannte „Platzanweiser“ entlang der Achse bieten Orientierung, einzelne Bereiche wie Bühne oder Auditorium erstehen vor dem geistigen Auge.

Vom Parkweg führt die Gebäude-Achse zur Bühnenöffnung und schneidet sich dort mit dem Eisernen Vorhang. Seinem Abdruck entspricht ein massiver, ca. 40 Zentimeter hoher und 24 Meter langer Stapel an Brettern. Dieser Stapel unter einer freistehenden Baumreihe am Ende der Parkwiese lädt zum Verweilen ein.

Die Besucherinnen und Besucher können die Elemente, die den „Fußabdruck“ einfassen, als Erinnerungsstücke mitnehmen. Zu besonderen Anlässen werden ausgewählte Leerstellen durch Nachstecken von einzelnen ca. 1 Meter hohen weiß getünchten Vermessungsstäben wieder geschlossen. Die rund 210 „Takeaways“ werden mit textlichen und grafischen Versatzstücken aus dem historischen Projektkontext sowie je einem einzelnen Buchstaben bedruckt: Die Buchstabenreihe aller Stäbe gibt ein projektspezifisches Textzitat wider. Poelzig betonte in seiner Rede vor der Festspielhaus-Gemeinde in Salzburg: „Wer diesen Festspielplatz betritt, muss Zeit haben, er muss alles Hasten vergessen und die Gestaltung der Anlage muss ihm dieses Vergessen und Versinken in das Schauen und Hören allein mit aller Gewalt aufzwingen.

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Hellbrunn

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Hellbrunn Mayr Flöckner Schnöll
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19. August 2020
Intervention zum Festspielhausprojekt von Hans Poelzig im Schlosspark in Hellbrunn
Werner Feiersinger

Tafel, 2019/20, Eine Intervention für den Kapuzinerberg

Ausgangspunkt der Intervention ist das Gipsmodell für ein Festspielhaus von Architekt Otto Reitter aus der Sammlung des Salzburg Museum, das den vorletzten Projektstand 1942 zeigt. Adolf Hitler hatte 1942 bei der projektierten Gauanlage auf dem Salzburger Kapuzinerberg entschieden, dass eine neue Lage für das Festspielhaus zu erarbeiten sei. So sollte dieses seinen Platz gegenüber dem von Architekt Otto Strohmayr entworfenen Gauhaus auf dem südöstlichen Abschluss des massiven Verbauungskomplexes bekommen. Otto Reitter richtete die Gebäudeachse auf die Festung Hohensalzburg aus, um damit die Präsenz der NS-Diktatur im Stadtbild zu erhöhen.

Der künstlerische Eingriff von Werner Feiersinger auf einer kleinen Lichtung im Buchenwald des Kapuzinerbergs ist einprägsam und gleichzeitig sehr reduziert. Ein Modell auf Basis des historischen Gipsmodells von 1942, jedoch etwas vergrößert, in Bronze gegossen und weiß beschichtet, wird auf einer ca. 2 x 6 Meter großen, vom Boden abgehobenen Fläche aus weiß lackiertem Stahlblech präsentiert. So entsteht eine bühnenartige Situation.

Die museale „Ausstellung“ wird in die Natur verlagert, die Proportionen werden verschoben und das Waldstück bildet einen maximalen Gegensatz zum artifiziellen und minimalistischen Objekt.

Es findet dabei eine Umkehrung statt: Das Festspielhaus-Modell ist in Relation zum Raum des Tisches sehr klein. Damit wird die beabsichtigte, monumentale Konzeption von Otto Reitter, der als Geste der Machtdemonstration einen überdimensionalen Baukörper in die Landschaft des Kapuzinerberges setzen wollte, ins Gegenteil verkehrt.

Der Abguss des Festspielhausmodells, isoliert als Miniatur am Rand der großen Tafel positioniert, thematisiert so den Größenwahn des NS-Regimes und zeigt den Gegenwartsbezug dieser Fragestellungen auf.

Die Intervention soll die Besucherinnen und Besucher überraschen und die Neugier wecken, sich auf die Geschichte des Ortes einzulassen. Das Objekt ermöglicht verschiedene Zugänge und lässt vielfältige Aneignungen und Interpretationen zu. Unweigerlich stellt man sich selbst in Relation dazu und tritt in diese artifizielle Situation ein.

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Kapuzinerberg

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Marco Riebler
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20. August 2020
Tafel, 2019/20, Eine Intervention für den Kapuzinerberg