Biografie

Tobias Moretti

Stand: Juli 2020

Tobias Moretti studierte zunächst Musik an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nach seiner Theaterausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München wechselte er noch während seines ersten Engagements am Staatstheater Hannover zu Frank Baumbauer ans Residenztheater München. Ab 1986 war er Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Dort feierte er Erfolge u.a. in Shakespeares Troilus und Cressida, Fassbinders Katzelmacher und Achternbuschs Der Frosch. Nach ersten Gastspielen in Wien debütierte er 1995 am Burgtheater in Tschechows Der Heiratsantrag.

Seit Anfang der Neunzigerjahre ist er in Film und Fernsehen präsent: Nach einem Serienausflug folgten Spielfilme wie Workaholic (Regie: Sharon von Wietersheim), Krambambuli (Regie: Xaver Schwarzenberger), Todfeinde (Regie: Oliver Hirschbiegel), Schwabenkinder (Regie: Jo Baier) und Jürgen Flimms Adaption von Kleists Käthchen von Heilbronn. Dazu kamen Fernsehspiele wie The Return of the Dancing Master (Regie: Urs Egger), seine Hitler-Darstellung in Heinrich Breloers Doku-Drama Speer und Er oder Das jüngste Gericht (Regie: Urs Egger). Zu den Produktionen der letzten Jahre zählen: Mobbing (Regie: Nicole Weegmann), Das Zeugenhaus (Regie: Matti Geschonneck), Alles Fleisch ist Gras (Regie: Reinhold Bilgeri), Im Namen meines Sohnes (Regie: Damir Lukacevic), Andreas Prochaskas ORF-Dreiteiler Maximilian. Das Spiel von Macht und Liebe (Friedrich III.) sowie Bad Banks (Regie: Christian Schwochow). 

Als aktuellere Kinoproduktionen sind zu nennen: Io, Don Giovanni (Regie: Carlos Saura), Jud Süß – Film ohne Gewissen (Regie: Oskar Roehler), Das finstere Tal (Regie: Andreas Prochaska), Hirngespinster (Regie: Christian Bach), Der Vampir auf der Couch (Regie: David Rühm), Das ewige Leben sowie Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit (Regie: Wolfgang Murnberger) und Radegund (Regie: Terrence Malick). 2017 kam Die Hölle – Inferno (Regie: Stefan Ruzowitzky) in die Kinos; zudem spielte Tobias Moretti den Gangsterboss Macheath in Brechts Dreigroschenfilm (Regie: Joachim A. Lang) und drehte den Kinofilm Gipsy Queen (Regie: Hüseyin Tabak).

Neben seiner Filmtätigkeit spielte er weiter Theater an verschiedenen Bühnen: die Hauptrolle in Botho Strauß’ Uraufführung Pancomedia am Schauspielhaus Bochum (2001, Regie: Matthias Hartmann) und bei den Salzburger Festspielen Jedermanns guter Gesell / Teufel im Jedermann (2002–2005), Mozart in der Uraufführung von Turrinis Da Ponte in Santa Fe (2002, Regie: Claus Peymann, Koproduktion mit dem Berliner Ensemble) sowie die Titelrolle in Martin Kušejs umjubelter Inszenierung von Grillparzers König Ottokar (2005, bis 2009 am Wiener Burgtheater). Von 2009 bis 2012 war Moretti als Faust (Regie: Matthias Hartmann) am Burgtheater zu sehen; von 2011 bis 2014 spielte er am Bayerischen Staatstheater Friedrich Hofreiter in Schnitzlers Das weite Land; 2012 bis 2016 war er der Grenzjäger im Weibsteufel (Regie: Martin Kušej). Im März 2018 feierte er als Désiré /Romeo in Luk Percevals Uraufführung von Rosa oder Die barmherzige Erde nach Dimitri Verhulst und William Shakespeare am Wiener Akademietheater Premiere.

2013 gab er bei den Salzburger Festspielen den Bassa Selim in Mozarts Die Entführung aus dem Serail (Regie: Adrian Marthaler). 2016 war er in Brecht / Weills Die Dreigroschenoper als Macheath am Theater an der Wien zu sehen und zu hören (Musikalische Leitung: Johannes Kalitzke, Regie: Keith Warner). Bereits 2009 inszenierte er dort Haydns Il mondo della luna (Dirigent: Nikolaus Harnoncourt). Mit Harnoncourt erarbeitete er zuvor bereits zwei Mozart-Produktionen: 2005 Zaide (Mozartwoche) und 2006 am Opernhaus Zürich La finta giardiniera.

Morettis Leistungen wurden vielfach gewürdigt: Er wurde u.a. 1987 von der Bayerischen Akademie der Künste als „Schauspieler des Jahres“ ausgezeichnet; ferner erhielt er den Bayerischen Filmpreis (1995 und 2014), die Silver Tulip (1997), den Bayerischen Fernsehpreis (1999), den Grimme-Preis (2000, 2002) sowie mehrfach die Romy (zuletzt 2017). Für König Ottokar wurde er 2006 mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste bedacht. 2014 erhielt er den Deutschen Filmpreis und 2015 den Großen Schauspielpreis der Diagonale. 2015 bekam er zudem den Bambi als „Bester Schauspieler“ für Das Zeugenhaus. 2016 wurde Tobias Moretti „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie „Kulturerbe“.

Stand: Juli 2018

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Tobias Moretti Schauspieler
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