Editorial Rossinissimo!
von Cecila Bartoli
„Cecilia, dai!, vieni al Barbiere stasera!“ Mein Bruder Gabriele, Student am Römer Konservatorium, muss wohl wieder einmal auf „Strafexpedition“, wie sie damals die Gelegenheitsjobs in der Provinz nennen, und so komme ich, Teenagerin, mehr an Rita Pavone, Mina, Celentano oder Lucio Dalla interessiert, unverhofft zu meiner ersten Begegnung mit Rossini auf einer Provinzbühne in der Campagna um Rom (sei es in Frascati oder Tivoli), mit einem zusammengewürfelten Katzenorchester, ein kleiner, energischer, von einer riesigen Rauchwolke angekündigter Maestro, in dessen Mundwinkel bis zuletzt die Zigarette hängt …
Bisher war für mich Oper vor allem Verdis Melodramma und Puccinis Verismo, das Repertoire also, welches meine Eltern als Solisten und Choristen sangen und wir Kinder oft spielerisch und unbewusst miterlebten. Unvergesslich sind bis heute die großen Freilichtaufführungen der „Stagione Estiva“ mit Verdis Aida vor der einzigartigen antiken Kulisse der Römischen Caracalla-Thermen. Für uns Kinder waren natürlich die echten Elefanten, Kamele und zahlreichen Pferde die eigentlichen Hauptdarsteller. Dabei verfolgten wir jedesmal mit Argusaugen den Eiertanz des „ägyptischen“ Corps de ballet, das mit größter Sorgfalt spitzfüßig und virtuos die fallengelassenen Pferdeäpfel umschiffte. Rutschte dann ein Tänzer bei seiner Pirouette aus, im besten Fall mit dem Hintern auf einen frischen Elefantenhaufen, so war natürlich der Abend für unsere johlende und schadenfreudige Bande perfekt …
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