Biografie

West-Eastern Divan Orchestra

Stand: August 2021

Seit mehr als 20 Jahren ist das West-Eastern Divan Orchestra eine feste Größe in der internationalen Musikwelt. 1999 rief Daniel Barenboim gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said ein Orchester ins Leben mit dem Ziel, den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen des Nahen Ostens durch die Erfahrungen gemeinsamen Musizierens und des Zusammenlebens zu ermöglichen. Sie benannten das Orchester nach Johann Wolfgang von Goethes Gedichtsammlung West-östlicher Divan, einem zentralen Werk für die Entwicklung des Konzepts der Weltkultur.

Die ersten Arbeitsphasen fanden in Weimar und Chicago statt. Das Orchester besteht zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Musikern sowie einigen spanischen, türkischen und iranischen Mitgliedern. Sie kommen jeden Sommer zu Probenphasen zusammen, die um Vorträge und Diskussionen erweitert werden, bevor sie auf internationale Konzerttournee gehen.

Der einzige politische Aspekt der Arbeit des West-Eastern Divan Orchestra ist die Überzeugung, dass es keine militärische Lösung des Nahostkonfliktes geben kann und dass die Schicksale von Israelis und Palästinensern untrennbar miteinander verbunden sind. Musik gibt jedem Einzelnen das Recht und die Verpflichtung, sich selbst vollständig auszudrücken und dabei auch dem Gegenüber Gehör zu schenken. Auf der Grundlage dieser Auffassung von Gleichheit, Zusammenarbeit und Gerechtigkeit stellt das Orchester ein alternatives Modell zur aktuellen Situation im Nahen Osten dar und beweist immer wieder, dass Musik Brücken bauen und Barrieren beseitigen kann, die zuvor als unüberwindbar galten.

In den Jahren seines Bestehens hat sich das Orchester zu einem international renommierten Ensemble entwickelt, das in den wichtigsten Konzertsälen und bei Festivals wie den Salzburger Festspielen, den BBC Proms, in der Carnegie Hall und dem Teatro Colón in Buenos Aires zu Hause ist. Das Orchester ist gemeinsam mit international gefragten Solistinnen und Solisten aufgetreten, darunter Anne-Sophie Mutter, Yo-Yo Ma und Martha Argerich, die mittlerweile zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden.

Eines der wichtigsten Ziele des Orchesters besteht darin, in den Heimatländern der Mitglieder zu spielen. Auftritte in Rabat, Doha und Abu Dhabi sowie ein symbolträchtiges Konzert in Ramallah 2005 waren erste Schritte zur Umsetzung dieses Vorhabens. Weitere wichtige Auftritte umfassen das Abschiedskonzert zu Ehren des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan in der UN-Generalversammlung New York im Jahr 2006 sowie ein Konzert an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea im Jahr 2011.

Der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ernannte Daniel Barenboim im September 2007 zum UN-Friedensbotschafter und das West-Eastern Divan Orchestra im Februar 2016 zum UN-Botschafter für kulturelle Verständigung. Das Orchester ist in den Medien durch verschiedene internationale Fernsehübertragungen sowie eine Reihe hochgelobter CDs und DVDs vertreten, darunter auch preisgekrönte Dokumentarfilme.

Die Arbeit des West-Eastern Divan Orchestra ebnete den Weg für die Gründung der Barenboim-Said Akademie und des ihr angegliederten Pierre Boulez Saals in Berlin. Der reguläre Lehrbetrieb für bis zu 90 Studierende begann im Herbst 2016 mit einem vierjährigen Bachelor-Studiengang, in dem Geisteswissenschaften und Musik als gemeinsam gelebte und reflektierte Praxis einen hohen Stellenwert einnehmen. Die Akademie ist dem pädagogischen Konzept Edward Saids und Daniel Barenboims und ihrem gemeinsamen Versuch verpflichtet, ideologische Gräben zu überwinden.

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