Biografie

West-Eastern Divan Orchestra

Stand: August 2018

Seit fast 20 Jahren ist das West-Eastern Divan Orchestra eine feste Größe in der internationalen Musikwelt. 1999 rief Daniel Barenboim gemeinsam mit dem zu früh verstorbenen palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said ein Orchester ins Leben mit dem Ziel, den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen des Nahen Ostens durch die Erfahrungen gemeinsamen Musizierens und des Zusammenlebens zu ermöglichen. Sie benannten Orchester und Workshop nach Johann Wolfgang von Goethes Sammlung von Gedichten, West-östlicher Divan, einem zentralen Werk für die Entwicklung des Begriffs der Weltkultur.

Die ersten Arbeitsphasen fanden in Weimar und Chicago statt. Im Jahr 2002 konnte Sevilla als fester Sitz des Orchesters gewonnen werden, wo es großzügige Unterstützung seitens der andalusischen Regierung (Junta de Andalucía) erhält. Das Orchester besteht zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Musikern sowie einigen spanischen, türkischen und iranischen Mitgliedern. Sie kommen jeden Sommer zu Probenphasen, die mit Vorträgen und Diskussionen erweitert werden, in Andalusien zusammen, bevor sie auf eine internationale Konzerttournee gehen.

In den Jahren seines Bestehens hat das Projekt immer wieder belegt, dass Musik vermeintlich unüberwindbare Barrieren abbauen kann. Der einzige politische Aspekt der Arbeit des West-Eastern Divan Orchestra ist die Überzeugung, dass es keine militärische Lösung des Nahostkonfliktes geben kann und dass die Schicksale von Israelis und Palästinensern untrennbar miteinander verbunden sind. Durch seine schiere Existenz beweist das Orchester, dass es möglich ist, Menschen zum gegenseitigen Zuhören zu bewegen.

Musik allein kann selbstverständlich nicht den arabisch-israelischen Konflikt lösen. Jedoch gibt sie dem Einzelnen das Recht und die Verpflichtung, sich selbst vollständig auszudrücken und dabei auch dem Nachbarn Gehör zu schenken. Auf den Prinzipien von Gleichheit, Kooperation und Gerechtigkeit für alle beruhend, stellt das Orchester ein Alternativmodell zur derzeitigen Situation im Nahen Osten dar.

Neben symphonischen Werken hat sich das West-Eastern Divan Orchestra ein reiches Repertoire aus Oper und Kammermusik erarbeitet. Bisherige Konzerte führten es in die namhaftesten Konzertsäle und zu den bedeutendsten Festivals in Europa und Asien sowie Nord- und Südamerika. Neben Gastengagements an diesen Orten bleibt der Wunsch, in den Heimatländern seiner Mitglieder zu spielen, eines der wichtigsten Ziele des West-Eastern Divan Orchestra. Konzerte in Rabat, Doha, Abu Dhabi sowie das symbolträchtige Konzert in Ramallah 2005 waren Schritte zur Erfüllung dieses Ziels. Im Oktober 2015 spielte das Orchester darüber hinaus im Büro der Vereinten Nationen in Genf. Der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ernannte Daniel Barenboim im September 2007 zum UN-Friedensbotschafter und das West-Eastern Divan Orchestra im Februar 2016 zum UN-Botschafter für kulturelle Verständigung.

Das Orchester ist auf zahlreichen CDs und DVDs zu erleben.

Seit 2015 studieren talentierte junge Musiker aus dem Nahen Osten an der Barenboim-Said Akademie in Berlin, einer weiteren Initiative Daniel Barenboims. Im Herbst 2016 begann an dieser Hochschule für Musik und Geisteswissenschaften ein vierjähriger Bachelor-Studiengang für bis zu 90 Studierende im renovierten und umgebauten ehemaligen Magazingebäude der Staatsoper. Im selben Gebäude wie die Barenboim-Said Akademie ist auch der von Frank Gehry entworfene Pierre Boulez Saal beheimatet, der seit März 2017 das musikalische Leben Berlins bereichert.

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