Biografie

Edith Clever

Stand: Juli 2023

Edith Clever wurde 1940 in Wuppertal geboren und studierte an der Otto Falckenberg Schule in München. Von 1965 bis 1969 war sie am Theater Bremen bei Kurt Hübner und Peter Zadek engagiert, danach wirkte sie bis 1984 im Ensemble der Berliner Schaubühne. Zu ihren wichtigsten Rollen jener Jahre zählen Antigone im gleichnamigen Stück von Sophokles, Prinzessin Eboli in Schillers Don Karlos (Regie: Kurt Hübner, 1966/1969), Isabella in Shakespeares Maß für Maß (Regie: Peter Zadek, 1967), Luise in Schillers Kabale und Liebe sowie Leonore Sanvitale in Goethes Torquato Tasso (Regie: Peter Stein, 1967/1969), Agaue in Die Bakchen von Euripides und Gertrud in Hamlet (Regie: Klaus Michael Grüber, 1973/1982) sowie Warwara in Gorkis Sommergäste (Regie: Peter Stein, 1975). In Steins Regie spielte Edith Clever zudem in Botho Strauß’ Trilogie des Wiedersehens (1978) und Groß und Klein (1980), in Aischylos’ Die Orestie (1980) und Tschechows Drei Schwestern (1984) an der Schaubühne am Halleschen Ufer und am Lehniner Platz. 1982 spielte sie in der Regie von Luc Bondy in der Uraufführung von Botho Strauß’ Kalldewey, Farce. Im Rahmen der Wiener Festwochen war sie 2006 in Luc Bondys Inszenierung von Jon Fosses Schlaf, 2008 als Gnädige Frau in Genets Die Zofen sowie 2013 als Dorine in Molières Tartuffe zu sehen. Zuletzt spielte sie 2019 Mrs. Higgins in My Fair Lady (Regie: Michael Sturminger) in der Elbphilharmonie.

Mit Éric Rohmer drehte sie 1976 die deutsch-französische Literaturverfilmung Die Marquise von O. nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist. Zwischen 1981 und 1994 arbeitete sie mit Hans-Jürgen Syberberg. Es entstanden der Film Parsifal (1982) sowie die großen Monologe Die Nacht, Penthesilea (eine Koproduktion von Festival d’Automne, Paris, und Hebbel-Theater, Berlin) und Ein Traum, was sonst (1990) am Hebbel-Theater Berlin sowie in Paris, aus denen die Filme Die Nacht (1985), Penthesilea (1987) und Ein Traum, was sonst (1994) hervorgingen. Mit Syberberg drehte Edith Clever 1989 eine weitere Verfilmung von Heinrich von Kleists Die Marquise von O.

Ab 1995 arbeitete Edith Clever auch als Regisseurin und inszenierte u. a. Medea von Euripides (1995), in der sie auch die Titelrolle übernahm, Der Hausbesuch nach einer Erzählung von Rudolf Borchardt (1997), Goethes Frauen und Hofmannsthals Elektra (1999) an der Schaubühne am Lehniner Platz sowie 2002 Becketts Glückliche Tage, eine Koproduktion von Wiener Burgtheater und Berliner Ensemble, wo sie im selben Jahr auch den Monolog Gertrud aus Einar Schleefs gleichnamigem Roman inszenierte.

Zu Edith Clevers weiteren Filmarbeiten zählen Georginas Gründe (Regie: Volker Schlöndorff, 1975) und Die linkshändige Frau (Regie: Peter Handke, 1978). Zuletzt war sie im Porträtfilm Lars Eidinger — Sein oder nicht Sein (2022) zu sehen.

1976 und 1986 erhielt Edith Clever den Deutschen Filmpreis für ihre Darstellungen in Die Marquise von O. und Die Nacht, 1982 den Bayerischen Filmpreis für Parsifal (Regie: Hans-Jürgen Syberberg), 1988 den Gertrud-Eysoldt-Ring und 2006 den Nestroy-Preis in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für Schlaf am Wiener Akademietheater.

Bei den Salzburger Festspielen war Edith Clever in Peter Steins Inszenierung von Shakespeares Antonius und Cleopatra (1994, 1995), als Titania in Carl Maria von Webers Oberon (Regie: Klaus Metzger, 1996), in Robert Wilsons Inszenierung von Büchners Dantons Tod (1998) sowie in Lesungen zu erleben. Von 2017 bis 2020 war sie als Jedermanns Mutter zu sehen. In den Festspielsaisonen 2021 und 2022 faszinierte sie in der Rolle des Tod in Michael Sturmingers Jedermann-Inszenierung. Im Sommer 2021 wurde Edith Clever mit der Festspielnadel mit Rubin ausgezeichnet; zudem war sie für den Nestroy-Preis in der Kategorie „Beste Darstellung in einer Nebenrolle“ für den Tod im Jedermann nominiert.

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