Rebecca Horn, Kleines Federrad, 1982 · Federn des Silberkranichs, Aluminiumkonstruktion, Motor · Privatbesitz, Foto: Archiv Rebecca Horn, © Bildrecht Wien, 2021
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Hommage Wolfgang Rihm

„Uns muß es schütteln vor Energie, oder wir müssen lautlos sein vor Leere, dann sind wir Komponisten“, schrieb der junge Wolfgang Rihm mit Emphase. 1952 in Karlsruhe geboren, wurde der Schüler von Wolfgang Fortner, Karlheinz Stockhausen und Klaus Huber Anfang der 1970er-Jahre zum profiliertesten Vertreter einer jungen Generation, die gegen die Vorgaben der seriellen und postseriellen Schule aufbegehrte: „Für mich ist Kunst eine andere Form von Atmung, von Hingabe, von Erschrecken und Umarmung und Schönheit und Furcht, von Erhabenem und Niedrigem in unauflöslicher Mischung.“ In Misskredit geratenen Kategorien wie „Gefühl“ und „Innerlichkeit“ verhalf der ebenso wortgewaltige wie tatkräftige Rihm in der Folge wieder zu Bedeutung – mit einer intuitiv-emotional wirkenden Tonsprache und mit besonderer Rücksicht auch auf die ältere Musikgeschichte. Etikettierungen wie „Neue Ausdrucksmusik“ oder „Neoromantik“ tat er freilich stets ab. Anders als etwa bei Pierre Boulez, in dessen Schaffen verschiedene Werkfassungen zu einem ausgereiften Ziel fortschritten, generieren bei Rihm ältere Werke und Werkteile nach wie vor immer wieder neue, gleichberechtigte „Zustände“, in denen Früheres partiell „überschrieben“ und in neue expressive Zusammenhänge verwoben wird.

Rihms Rang und die Anziehungskraft seines Schaffens spiegeln längst auch die Salzburger Festspiele wider: Mit einem Schwerpunkt 2000, 2010 mit einem „Kontinent Rihm“ rund um die Uraufführung seiner Opernphantasie Dionysos, 2014 bei „Salzburg contemporary“ oder 2015 mit der Neuinszenierung seines allegorischen Musiktheaters Die Eroberung von Mexico. 2021 eröffnete er die Reihe „Reden über das Jahrhundert“.

Zum 70. Geburtstag widmen die Salzburger Festspiele Wolfgang Rihm eine Hommage – mit den instrumental verbundenen Passionsmotetten Vigilia, dem zehnteiligen Chiffre-Zyklus, der ohne Vorgaben den Klangraum frei erkunden will, sowie der bekenntnisartigen Kammeroper Jakob Lenz.

Walter Weidringer

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