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Salzburger Festspiele / Schauspiel / Duncan Macmillan The Forbidden Zone
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PROGRAMMDETAIL

Duncan Macmillan • The Forbidden Zone

Uraufführung

In deutscher und englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

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LEADING TEAM

Duncan Macmillan, Text
Katie Mitchell, Regie
Finn Ross, Bildregie
Lizzie Clachan, Bühnenbild
Sussie Juhlin-Wallen, Kostüme
Leo Warner, Video
Melanie Wilson, Sounddesign
Paul Clark, Musik
Jack Knowles, Lichtdesign

BESETZUNG

Kate Duchene, Wissenschaftlerin
Ruth Marie Kröger, Clara Haber
Jenny König, Claire Haber
Felix Römer, Fritz Haber
Giorgio Spiegelfeld, Französischer Soldat
Andreas Schröders, Wissenschaftler
Andreas Hartmann, Stefan Kessissoglou, Kamera
Sebastian Pircher, Kamera / Amerikanischer Soldat

ZUR PRODUKTION

Die englische Regisseurin Katie Mitchell wird für die Salzburger Festspiele im Rahmen unserer Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg das Projekt The Forbidden Zone für die Bühne der Perner-Insel Hallein erarbeiten.
Ursprünglich hatten Katie Mitchell und ihr Autor Duncan Macmillan für dieses Vorhaben ihr Hauptaugenmerk auf Mary Bordens gleichnamiges, autobiografisches Werk gelegt. Mary Borden, eine reiche amerikanische Erbin, hatte während des Krieges ein Feldlazarett an der Westfront finanziert und geleitet und erweist sich in ihrem Buch als bedeutende Autorin, der es eindringlich gelingt, das Leiden der verwundeten Soldaten und ihrer oft ohnmächtigen Helfer zu schildern.
Im Zuge der Recherchen und der Vorbereitung von Katie Mitchell und Duncan Macmillan, hat sich aber, wie es bei einem so lange im Voraus entstehenden Projekt wünschenswert und nicht unüblich ist, ihr Interesse an den Geschehnissen des Weltkrieges erweitert.
Mary Borden wird dadurch nicht mehr so deutlich wie ursprünglich angenommen das Bühnengeschehen bestimmen. Stattdessen haben sich Katie Mitchell und Duncan Macmillan entschieden, die Geschichte einer anderen bemerkenswerten Frau dieser Zeit ins Zentrum ihrer Arbeit zu stellen: Clara Immerwahr.
Clara Immerwahr war eine renommierte Chemikerin und die erste Frau ihrer Heimatstadt Breslau, die ein naturwissenschaftliches Studium mit dem Doktortitel erfolgreich abschließen konnte. Ihre Karriere als Wissenschaftlerin wurde aber von der ihres Mannes, den sie unmittelbar nach der Promotion geheiratet hatte, überschattet. Fritz Haber war einerseits maßgeblich an der synthetischen Herstellung von Ammoniak beteiligt – wofür er 1919 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde-  und darf daher als Erfinder des Kunstdüngers bezeichnet werden.  Andererseits war er auch verantwortlich für die Beteiligung Deutschlands am eskalierenden Einsatz von Giftgas im ersten Weltkrieg und schließlich – in seiner Funktion als „Vorsitzender des technischen Ausschusses für Schädlingsbekämpfung“ für dessen spätere Weiterentwicklung – bis hin zu Zyklon B, das durch die Vernichtungsmaschinerie der Nazis grauenhafte Bekanntheit erlangte.
Clara hatte sich mit Haber leidenschaftlich gestritten, um ihn davon abhalten, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Massenmord an dagegen wehrlose Soldaten zu missbrauchen.
Im Sommer 1915 nach der direkten Teilnahme ihres Mannes an den Gasangriffen in Ypres, während der zweiten Flandernschlacht, hat sich Clara Immerwahr mit der Dienstwaffe ihres Mannes erschossen.  Sie verblutete in den Armen ihres gemeinsamen Sohnes Hermann, der damals erst dreizehn Jahre alt war.
In The Forbidden Zone reflektieren Mitchell und Macmillan die heldenhafte Haltung von Clara Immerwahr aus der Perspektive ihrer Enkelin, Hermanns Tochter Claire Haber, selbst Chemikerin, die 1949 in New York lebt und versucht, nach dem Selbstmord ihres Vaters die Verwicklung ihrer Familie in den Gaskrieg und den Holocaust zu begreifen.
Die Verquickung dieser jüdisch-deutschen Familientragödie mit den ideologischen, politischen, militärischen und humanitären Katastrophen der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts soll einem vertieften Verständnis der unlösbaren Zusammenhänge der Ereignisse zwischen 1914 und 1945 dienen. Die Texte Mary Bordens werden dabei im Stück als literarische Zeugnisse weiterhin eine wichtige Rolle spielen – ihr Titel wird ebenfalls für die Produktion beibehalten. The Forbidden Zone bezeichnete, im Kontext mit Bordens Erfahrungen, unabhängig von seiner auf der Hand liegenden doppelten Bedeutung, zunächst den für Frauen im Krieg nicht zugänglichen Abschnitt, die Front.  Der Titel findet nun, in der Beschäftigung Katie Mitchells mit dem Thema der persönlichen Schuld, seine Erweiterung als eine vielfältig zu begreifende ethische Tabuzone – die dennoch überschritten wird. Diese  zweisprachige Produktion, mit zwei englischen und vier deutschen Schauspielern, wird in Zusammenarbeit mit der Schaubühne Berlin entstehen.
Katie Mitchell ist eine der bedeutendsten Theater- und Opernregisseurinnen Englands und war Resident Director der Royal Shakespeare Company, des Royal Court Theatre und am Londoner National Theatre. Ihre Kölner Produktion von Friederike Mayröckers Reise durch die Nacht wurde 2013 zum Theatertreffen eingeladen und für den Nestroy-Preis in der Kategorie „Beste deutschsprachige Aufführung“ nominiert. In Salzburg ist sie vor allem durch ihre äußerst erfolgreiche Inszenierung von Luigi  Nonos Al gran sole carico d’amore aus dem Jahr 2009 bekannt.

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

„The Forbidden Zone“ • Clara Immerwahr steht nun im Zentrum der Inszenierung

30 JÄN2014

by FESTSPIELKIEBITZ  14:14 h;
veröffentlicht in: Schauspiel

Die englische Regisseurin Katie Mitchell wird für die Salzburger Festspiele im Rahmen unserer Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg das Projekt The Forbidden Zone für die Bühne der Perner-Insel Hallein erarbeiten. Ursprünglich hatten Katie Mitchell und ihr Autor Duncan Macmillan für dieses Vorhaben ihr Hauptaugenmerk auf Mary Bordens gleichnamiges, autobiographisches Werk gelegt. Im Zuge der Recherchen und der Vorbereitung von Katie Mitchell und Duncan Macmillan, hat sich aber ihr Interesse an den Geschehnissen des Weltkrieges erweitert.

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Death Star (Detail), © Robert Longo

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EDITORIAL 2014

Das Schauspiel 2014

von Sven-Eric Bechtolf

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