Rudolf Hradli, Tiberbrücke, Pfingstfestspiele 2021
Rudolf Hradil, Tiberbrücke, Öl/Leinwand, 1957
Pfingstfestspiele 2021

Zur Produktion

Für den aus Palermo stammenden Alessandro Scarlatti wurde Rom schon früh zur Hauptwirkungsstätte seines Schaffens. Protegiert von der kunstsinnigen Königin Christina von Schweden, feierte er dort in den Jahren 1679 bis 1684 vor allem mit seinen Opern große Erfolge. Nach einer Zwischenstation in Neapel kehrte er im Jahr 1703 nach Rom zurück. Opern- und Theatervorstellungen waren zu der Zeit in Rom allerdings durch das päpstliche Dekret von 1698 verboten, sodass dramatische Stoffe nur als Oratorien getarnt vertont werden konnten. So erlebte Scarlattis Oratorienschaffen, befördert durch römische Kardinäle, in den Jahren 1703 bis 1708 seine Blütezeit: Es gewann an dramatischer Kraft und näherte sich mit der Reduzierung des Chores zugunsten eines verstärkten Wechsels von Rezitativen und Arien immer mehr dem Operngenre an. Religiöse Andacht wich dem Gefühlsausdruck der Protagonisten.
Mit Cain, overo Il primo omicidio schuf Scarlatti 1707 — wenn auch für Venedig — eine meisterhafte Interpretation des alttestamentarischen Stoffes über den ersten Mord in der Geschichte der Menschheit. In der Opernsprache Italienisch, anstatt wie gewöhnlich auf Lateinisch, vollzieht sich darin das menschliche Drama um brüderliche Missgunst, Reue und Erlösung als Folge der Vertreibung aus dem Paradies.

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