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Salzburger Festspiele / Konzert / Ouverture spirituelle Spatzenmesse
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PROGRAMMDETAIL

Ouverture spirituelle • Spatzenmesse

PROGRAMM

WOLFGANG A. MOZART • Symphonie G-Dur KV 45a

WOLFGANG A. MOZART • Kanon „Ave Maria“ KV 554 für Chor a capella

WOLFGANG A. MOZART • „God is our refuge“ KV 20 für Chor a capella

ANONYMUS • „Jubilate Deo“ für Chor a capella
(früher Mozart zugeschrieben)

WOLFGANG A. MOZART • Messe C-Dur KV 220, „Spatzenmesse“

INFORMATION

Eine Veranstaltung der Salzburger Festspiele in Zusammenarbeit mit der Stiftung Mozarteum Salzburg

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INTERPRETEN

Christoph Koncz, Dirigent (Orchestereinstudierung)
Wolfgang Götz, Dirigent (Choreinstudierung)
Young Singers Project, Solisten
Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor
Mozart Kinderorchester der Stiftung Mozarteum Salzburg

ZUR PRODUKTION

Eine Veranstaltung im Rahmen des Kinder- und Jugendprogramms der Salzburger Festspiele.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern:

Das erste gemeinsame Konzert des Mozart Kinderorchesters und des Salzburger Festspiele und Theater Kinderchors! Der Chor unter der Leitung von Wolfgang Götz ist seit Jahren als fester Bestandteil der Salzburger Opern- und Konzert-Produktionen bestens etabliert; seine Mitglieder sind zwischen sechs und sechzehn Jahre alt und werden je nach Anlass projektbezogen eingesetzt. Das Mozart Kinderorchester – gegründet 2012 – nimmt trotz der kurzen Zeit seines Bestehens bereits einen wichtigen Platz in der Mozartwoche und in der Salzburger Kulturlandschaft ein. Die sieben- bis zwölfjährigen Orchestermitglieder legen sich unter der Leitung von Christoph Koncz mit Verve „ins Zeug“, um die anspruchsvolle Orchesterliteratur zu spielen und mit ihrer Spielfreude das Publikum zu begeistern.

Beide Klangkörper werden nun für zwei gemeinsame Konzerte im Rahmen der Salzburger Festspiele zusammenkommen. Sie werden Einblicke in die musikalischen Welten reiner Orchester- bzw. der A-cappella-Chorliteratur geben. Zum Abschluss dieses ersten gemeinsamen Musizierens werden die Spatzen zusammen Mozarts Messe KV 220 zwar nicht von den Dächern, aber in der Kollegienkirche zwitschern, tirilieren, singen und spielen.

Für die ganze Familie
Dauer: ca. 1 Stunde
Einheitspreis € 26.-
Kinder & Jugendliche € 11,-

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AUSVERKAUFT

Kollegienkirche

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„Die Religion ist wie ein Fluss, der durch viele Länder fließt. Jedes Land gibt diesem Fluss einen anderen Namen und beansprucht diesen womöglich auch noch für sich. Dabei ist der Fluss aber unabhängig von den Ländern und entspringt darüberhinaus auch einer Quelle.“ Diese Beschreibung des Sufi-Meisters Muzaffer Efendi ist nur eine von vielen Metaphern, mit denen im Sufismus darauf verwiesen wird, dass Religion nicht trennen, sondern vereinen soll. Der Begriff Sufismus etablierte sich erst zur Entstehungszeit des Islam, doch lässt sich die sufistische Weltanschauung durch alle Religionen über viele Jahrtausende zurückverfolgen, und bis heute ist nicht geklärt, ob das Wort sich vom arabischen sūf (Schurwolle), vom griechischen sophia (die Weisheit) oder dem hebräischen Ausdruck En Sof (es hat kein Ende) herleitet, um nur einige etymologische Deutungen zu erwähnen.
Seit dem 12. Jahrhundert haben sich hunderte von Sufi-Orden gebildet, die – so unterschiedlich sie auch in ihren Ausprägungen sein mögen – sich gegenseitig respektieren, denn sie alle haben dasselbe Ziel: Im Zentrum ihrer Lehre steht die Liebe als der einzige Weg zu Gott, dessen Name – Allah الله  – sich aus vier arabischen Buchstaben zusammensetzt: Alif  أ , Lam ل, Lam ل, Ha ه. Nach Auffassung der Sufis drückt sich die absolute, unbekannte Essenz Gottes durch den letzten Buchstaben aus, der erklingt, wenn man den Atem langsam aushaucht, womit sich kein atmendes Wesen seiner Lobpreisung entziehen kann. Und so beginnt jedes ihrer Rituale, gleichsam aus der Stille erwachsend, mit der Anrufung seines Namens, steigert sich zu Gesang und mit den allmählich hinzutretenden orientalischen Musikinstrumenten zu einer Musik, die dazu dient, mit dem Göttlichen in Verbindung zu treten. Geleitet werden diese Rituale vom Meister (Sheikh) des jeweiligen Ordens (Tariqa), wobei der Sheikh durch eine Überlieferungskette über den Propheten Muhammad mit der göttlichen Wissensquelle verbunden ist. Die Rituale, von denen nicht eines dem anderen gleicht, finden zumeist an Gedenkstätten verstorbener Sufi-Meister statt, denn der Tod ist kein Anlass zu Trauer, sondern zur Freude, bedeutet er doch die Befreiung der ewig existierenden Seele von dem sie beschwerenden Körper.
Von der Idee der Ouverture spirituelle begeistert, hat sich der in Kairo beheimatete Orden Al-Gazoulia mit seinem Sheikh Salem Algazouly spontan bereit erklärt, im Rahmen der Salzburger Festspiele erstmals in einem öffentlichen Raum ein Ritual auszuüben, wobei es dabei am 24. Juli auch zum Dialog zwischen Orient und Okzident kommt, wenn der Salzburger Geiger Frank Stadler die Klänge der Sufi-Gesänge in Takassim-Improvisationen aufgreifen wird, um die spirituelle Musik u. a. mit Bachs Ciaccona aus der d-Moll-Partita zu verbinden. Mit Takassim bezeichnet man in der orientalischen Musik solistische Improvisationen mit einem Instrument, das in der Lage ist, die feinen, insgesamt neun Teiltöne zu erzeugen, die in der türkischen Musik zwischen den Ganztönen liegen. Diese Art der Improvisation, die nicht dazu dient, technische Virtuosität auszustellen, sondern mit nach Innen gerichteter Aufmerksamkeit Gefühle und Individualität in einem vorgegebenen Rahmen auszudrücken, ist ein wesentliches Merkmal der Kompositionen von Hossam Mahmoud, der mit seinem im Auftrag der Salzburger Festspiele geschriebenen Werk Seelenfäden die letzten Worte des 922 brutal hingerichteten Sufi-Meisters und Märtyrers Mansur Al-Hallağ in Erinnerung ruft, mit denen dieser lächelnd in den Tod ging. Persönlichkeit und Gedichte dieses bis heute einflussreichen Philosophen liegen auch dem neuen Werk von Samir Odeh-Tamimi zugrunde, der Al-Hallağ in Anlehnung an traditionelle Sufi-Rituale schrieb. Die Feier der Natur, des Menschen und des Göttlichen, der Höhepunkt eines jeden Sufi-Rituals, steht auch im Zentrum der aus christlicher Feder stammenden Werke der Ouverture spirituelle. Sei es in Haydns die Entstehung der Welt schildernder Schöpfung zu Beginn, sei es in Bruckners Te Deum zum Abschluss der Ouverture spirituelle, in dem sich Himmel und Erde zum Gotteslob vereinen. Gleichsam ein neues Oratorium, ein instrumentales nämlich, hat Nikolaus Harnoncourt in den drei letzten Symphonien Mozarts entdeckt. Nach seiner intensiven Auseinandersetzung mit diesen Werken ist er überzeugt davon, dass sie aufgrund verschiedener Parameter in geradezu magischer Weise miteinander verbunden sind und in der Tonartenabfolge Es-Dur, g-Moll, C-Dur den Schicksalsweg eines Menschen widerspiegeln: einen Weg von feierlichem Ernst mit dramatischen Konflikten über Hoffnungslosigkeit bis zum geradezu triumphalen Halleluja.

Ronny Dietrich


Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

Wie in den vergangenen beiden Jahren begleitet das Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen die Ouverture spirituelle inhaltlich mit wissenschaftlichen Erörterungen und Diskussionen. Das Konzertprogramm mit dem Schwerpunkt Islam begleitend, werden bei den Disputationes Themen aufgegriffen, die sich mit den Fragen rund um den interkulturellen und interreligiösen Dialog auseinandersetzen.
Die Auftaktveranstaltung findet am 18. Juli 2014 statt. Es folgen drei Gesprächsrunden im Rahmen der Ouverture spirituelle.

EDITORIAL 2014

Das Konzert 2014

von Alexander Pereira und Florian Wiegand

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