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PROGRAMMDETAIL

Hugo von Hofmannsthal • Jedermann

Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes
von Hugo von Hofmannsthal (1874–1929)
Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes

Die Neuinszenierung wird unterstützt von Swarovski

Bei Schlechtwetter im Großen Festspielhaus

Dauer des Schauspiels ca. 2 Stunden.

PREMIERE

  • 20. Juli 2013, 21:00 Uhr

AUFFÜHRUNGEN

  • 18. Juli 2013, 18:00 Uhr
  • 21. Juli 2013, 21:00 Uhr
  • 24. Juli 2013, 17:00 Uhr
  • 26. Juli 2013, 21:00 Uhr
  • 31. Juli 2013, 17:00 Uhr
  • 04. August 2013, 17:00 Uhr
  • 05. August 2013, 21:00 Uhr
  • 14. August 2013, 21:00 Uhr
  • 15. August 2013, 17:00 Uhr
  • 18. August 2013, 17:00 Uhr
  • 21. August 2013, 17:00 Uhr
  • 23. August 2013, 17:00 Uhr
  • 28. August 2013, 21:00 Uhr
  • 30. August 2013, 17:00 Uhr

SPIELSTÄTTE

Domplatz

Programm drucken (PDF)

LEADING TEAM

Julian Crouch, Brian Mertes, Regie
Julian Crouch, Bühne
Olivera Gajic, Kostüme
David Tushingham, Dramaturgie
Martin Lowe, Musikalische Leitung/Orchestrierung
Dan Scully, Lichtdesign
Matt McKenzie für Autograph, Sounddesign
Jesse J. Perez, Choreografie

BESETZUNG

Cornelius Obonya, Jedermann
Brigitte Hobmeier, Buhlschaft
Peter Lohmeyer, Tod
Simon Schwarz, Teufel
Sarah Viktoria Frick, Gute Werke
Hans Peter Hallwachs, Der Glaube
Jürgen Tarrach, Mammon
Julia Gschnitzer, Jedermanns Mutter
Patrick Güldenberg, Jedermanns guter Gesell
Hannes Flaschberger, Dicker Vetter
Stephan Kreiss, Dünner Vetter
Fritz Egger, Ein Schuldknecht
Katharina Stemberger, Des Schuldknechts Weib
Johannes Silberschneider, Armer Nachbar
Sigrid Maria Schnückel, Der Koch
Florentina Rucker, Gott
Stephan Kreiss, Hannes Flaschberger, Spielansager
und Tamzin Griffin, Doris KirschhoferSaskia Lane, Chad Lynch, Orlando Pabotoy, Jesse J. Perez, Penelope ScheidlerRobert Thirtle

Ensemble 013: Alois Eberl, Tobias Ennemoser, Antonia-Alexa Georgiew, Gernot Haslauer, Sophie Hassfurther, Robert Kainar, Chris Neuschmid, Joschi Öttl, Marc OstererHeidi Reicher, Magdalena Maria Zenz

ZUR PRODUKTION

Hugo von Hofmannsthal, der mit seinem Brief des Lord Chandos ein Manifest der Moderne geschrieben hat, wusste, warum er sich das Gewand eines mittelalterlichen Mysterienspiels borgte: In seiner und unserer Sprache, der Sprache der Skepsis, der Ironie, des Misstrauens in das Sprechen überhaupt, hätte er sein Thema nicht behandeln können: das der Endlichkeit unseres Lebens und das der Nichtigkeit unseres irdischen Besitzes. Und die daraus zwingend sich ergebende Frage nach Gott. Die christlich-katholische Ausrichtung des Werkes, die einen Gutteil des Unbehagens mit ihm ausmacht, muss dabei heute nicht mehr als theatralische Manifestation eines übermächtigen Kirchenstaates begriffen werden. Sehr wohl aber können wir uns, gerade durch die historische Distanz, die Hofmannsthal seinem Jedermann verordnet hat, abgleichend befragen, in welchem Zusammenhang wir Heutigen unsere „Werke“ betrachten. Aus welchen Überlegungen heraus wir unsere Ethik, unsere Moral ableiten. Durch welche Vorstellungen wir Tröstung und Hoffnung erfahren. 

Vielleicht will der Jedermann weniger den Glauben anmahnen als seinen Verlust verdeutlichen. Weniger die vermeintlichen Sicherheiten der Kirche feiern als unsere moderne Unsicherheit beleuchten. Weniger christliche Demut fordern als mangelndes Misstrauen in unsere Selbstermächtigung beklagen. Weniger ein Jenseits in Aussicht stellen als einen leeren Himmel betrauern.

Die mittelalterlichen Mysterienspiele wurden von fahrenden Schauspielern auf Jahrmärkten dargeboten. Ihr frommer Inhalt war zugleich Vorwand für deftiges Theater. Die emblematischen Figuren boten reichlich Gelegenheit für pralle Darstellung des Lebens, und die subversiven und anarchischen Kräfte des Theaters obsiegten vermutlich über die Anliegen der Obrigkeit. 

Arthur Kahane, der Dramaturg Max Reinhardts, bemerkte einmal, Theater zu machen sei so, als ob man das Allerheiligste einer Hure anvertraue. Allerdings betonte er, dass diese Mesalliance enorme Vorteile für beide Partner biete. Der Dramatiker Hofmannsthal hat sich mit diesem Thema mehr als einmal beschäftigt, ebenso Reinhardt. Die Sinnlichkeit des Spiels mit dem geistigen Auftrag der Literatur zu verbinden war ihr Anspruch. Nicht um der einen oder dem anderen zum Sieg zu verhelfen, sondern um die Gleichberechtigung beider Antagonisten im Verbund nachzuweisen. Der Jedermann ist eine Spielvorlage, die dieses Anliegen exemplarisch abbildet. Nicht umsonst fesselt er in Salzburg seit über neunzig Jahren sein Publikum.

Wir freuen uns, mit Julian Crouch und Brian Mertes ein Regie-Team gefunden zu haben, das sich mit Phantasie und Leidenschaft dieser Herausforderung stellt und die große Jedermann-Tradition der Festspiele fortschreibt.

Sven-Eric Bechtolf




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