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PROGRAMMDETAIL

Gerhart Hauptmann Rose Bernd

Ein Schauspiel in fünf Akten (1903)

Neuinszenierung
Koproduktion mit dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg

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LEADING TEAM

Karin Henkel, Regie
Nina von Mechow, Bühne, Kostüme
Arvild Baud, Musik
Hartmut Litzinger, Licht
Rita Thiele, Dramaturgie

BESETZUNG

Michael Prelle, Vater Bernd
Lina Beckmann, Rose Bernd
Charly Hübner, Christoph Flamm
Julia Wieninger, Henriette Flamm
Maik Solbach, August Keil
und andere

ZUR PRODUKTION

„Das Mädel … was muss die gelitten han!“

Warum tötet eine Mutter ihr gerade geborenes Kind? Der große Dichter Gerhart Hauptmann entwirft mit Rose Bernd vor über hundert Jahren eine Antwort auf diese Frage. 1903 ist er als Geschworener zu einem Gerichtsprozess um eine junge Kindsmörderin geladen. Er plädiert für Freispruch am Ende des aufwühlenden Verfahrens, das ihn unmittelbar zum Schreiben von Rose Bernd antreibt. Die Titelfigur wird ebenfalls unschuldig schuldig an ihrem Neugeborenen.

Rose lebt in einer rohen, engen Welt voller Gewalt, die viele Waffen hat: den Körper, den Glauben, die Habgier. Sie ist schwanger von ihrem Arbeitgeber und heimlichen Liebhaber, dem Gutsbesitzer Flamm, der verheiratet ist und seine kränkelnde Frau nicht verlassen will. Einen Ausweg sieht sie nur darin, der Hochzeit mit dem Buchbinder August Keil zuzustimmen, einem Außenseiter, der sich in eine merkwürdig skurrile Welt aus christlichen Leidens- und Erlösungsfantasien flüchtet.
Als sich Rose ein letztes Mal mit ihrem Liebhaber Flamm trifft, um sich wegen der bevorstehenden Heirat von ihm zu trennen, werden die beiden von dem brutalen Alkoholiker Streckmann beobachtet. Streckmann beginnt Rose zu erpressen. Die Erpressung mündet in eine Vergewaltigung, die Rose Bernd aus Angst und Scham verschweigt. Als Streckmann sie erneut belästigt, kommt es zu einer Schlägerei zwischen ihm und Rose Bernds Verlobtem, bei der Letzterer schwer verletzt wird. Rose Bernds Vater, der sich vom künftigen Schwiegersohn ein Auskommen im Alter erhofft, erwirkt daraufhin einen Gerichtsprozess. Der Druck, dem Rose Bernd ausgesetzt ist, steigt – bis die Situation vollends eskaliert. Von allen Mitmenschen isoliert, kommt es zur Katastrophe, an der sie zerbricht.

Rose Bernd gilt als Meisterwerk des sozialkritischen Naturalismus, aber es ist mehr als ein Zeitstück. Hauptmann verurteilt seine Protagonistin nicht moralisch, was naheliegend wäre. Sein Vermögen, die Not und das Leid von Rose Bernd bestechend eindringlich zu beschreiben und gleichzeitig ein kritisches Sittenbild der Gesellschaft zu entwerfen, weist weit über seine Zeit hinaus. Diese Gemeinschaft frisst ihre Kinder – nach vermeintlich bestem Wissen und Gewissen. Hauptmann geht nicht so weit, ein Plädoyer für die freie Liebe aufzusetzen, aber er zeigt Verständnis für die Leidenschaft zwischen Rose und Flamm. Nicht tolerierbar sind für ihn dagegen die offene und latente Gewalt, die rundum herrscht.
Die Tragödie von Rose Bernd überdauert – auch wenn sie zumindest sprachlich aus einer anderen Welt stammt. Die Figuren sprechen schlesisch, wie auch in Hauptmanns Stücken Die Weber und Die Ratten. Sie stammen aus einer Sprachlandschaft, die es heute nicht mehr gibt. Die Mundart betont auf wunderbare Weise das Gespenstische und die Rohheit dieser Welt. Sie fordert uns auf, genau hinzuhören. Einmal sagt Rose, ihr sei, als höre sie „reißende Tiere schreien“, wenn sie die Menschen um sich herum wahrnehme.

Regie führt Karin Henkel, die 2013 mit einer fulminanten Inszenierung von Gerhart Hauptmanns Die Ratten zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. Lina Beckmann, die in Henkels Ratten-Inszenierung eine äußerst berührende Mutter John spielte, wird für die Salzburger Festspiele zur Rose Bernd. Karin Henkel setzt damit ihre kontinuierliche Arbeit mit dem Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg fort.

Rita Thiele

Louise Bourgeois, THE FRAGILE (26), 2007 · Archival dyes on fabric with hand painting, suite of 36, each: 29.2 x 24.1 cm, © The Easton Foundation/Bildrecht, Wien, 2016

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