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PROGRAMMDETAIL

Aischylos Die Perser

Eine Tragödie (472 v. Chr.)

Neuinszenierung

Koproduktion mit dem Schauspiel Frankfurt

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LEADING TEAM

Ulrich Rasche, Regie und Bühne
Ari Benjamin Meyers, Komposition
Sara Schwartz, Kostüme
Alexander Weise, Toni Jessen, Chorleitung
Philip Bußmann, Video
Marion Tiedtke, Dramaturgie
Sabine Mäder, Mitarbeit Bühne
Monika Roscher, Mitarbeit Musik

BESETZUNG

Valery Tscheplanowa, Chor des persischen Ältestenrates
Patrycia Ziolkowska, Atossa, Königsmutter
Torsten Flassig, Toni Jessen, Christoph Pütthoff, Samuel Simon, Andreas Vögler, Boten / Armee des Xerxes
und andere

ZUR PRODUKTION

Was eint Sieger und Besiegte? Die älteste uns erhalten gebliebene Tragödie Die Perser gibt uns Antwort darauf. Ihr Autor hat am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, in einen Krieg zu ziehen, als er 480 v. Chr. in der Schlacht bei Salamis gegen die Perser kämpfte. Das damals größte asiatische Heer, reich und technisch hervorragend ausgestattet, griff die Griechen an, die ihnen, ohne starke Bündnispartner und zahlenmäßig unterlegen, eine leichte Beute schienen. Kurz zuvor schon hatten sie das fast menschenleere Athen erobert, den wichtigsten Tempel des Abendlandes geplündert und durch einen Brand zerstört. Siegesgewiss trafen die Perser in der Meerenge von Salamis ein, wo die Griechen sie mit einem Überraschungsangriff niedermetzelten. Nach der Niederlage fielen die meisten Überlebenden der persischen Truppe auf dem Weg in die Heimat den Seuchen, dem Hunger oder anderen Widrigkeiten der Natur zum Opfer. Uns Heutige erinnert das Ausmaß der Zerstörung an Napoleons Russlandfeldzug oder an Hitlers Endkampf. In allen Fällen zog ein riesiges Heer – angeführt von einem einzelnen Staatsführer in Verblendung und Selbstüberschätzung – in den Krieg, aus dem nur wenige zurückkehrten, mehr vom Tod gezeichnet als zum Leben noch fähig. Die Niederlage der Perser kam der Auslöschung einer Armee gleich. Die fast 300 000 Toten lassen ahnen, dass hier ein ganzes Volk über Generationen hinweg seiner Zukunft beraubt war.

Acht Jahre später fasste der griechische Dichter dieses historische Ereignis in eine starke, bilderreiche Verssprache. Er schrieb dabei als Sieger kein Loblied auf sein Vaterland, er schrieb kein Antikriegsstück im Namen der Besiegten und weitaus mehr als nur ein Historiendrama. Aischylos nahm diesen Krieg zum Anlass, die Stellung des Menschen in einer umfassenden Ordnung von Kultur und Natur zu reflektieren. Es ist der Fluch einer entfesselten Selbstbestimmung, die sich stellvertretend für eine ganze Generation in der Figur des Persers Xerxes widerspiegelt: Der junge Königssohn, der nach dem Tod des Vaters dessen Ruhm übertrumpfen will, hört auf die Berater seines falschen Selbstbewusstseins, geblendet vom Reichtum und entgrenzt in seinem totalen Machtanspruch, der keine Widerrede kennt und sich sogar von der Meeresgewalt nicht abschrecken lässt. So kämpfen auch zwei politische Systeme in diesem Krieg gegeneinander: das aus der Demokratie erwachsene Griechenland und das autoritäre Persien. Der Alleinherrscher, vor dem ein Volk in die Knie geht, kehrt ohne Königskleider heim. Mit Fetzen behangen, ist er nackt und schutzlos wie jeder Mensch, kein Stand und kein Recht erheben ihn noch über die anderen. Der Dämon seines Schicksals hat ihn Demut gelehrt.

Das Drama beginnt mit dem Albtraum der Königin Atossa, die jenes Kriegstrauma antizipiert, das zukünftige Generationen prägen wird; der Bote bringt kurz danach die Gewissheit. So ist Aischylos’ Tragödie ein einziger Schmerzensschrei über die Menschen, die in ihrer Anmaßung von Ehrgeiz und Selbstüberschätzung alles in den Untergang reißen. Am Ende liegt die Kraft des Überlebens in der gemeinsamen Klage. Xerxes gliedert sich ein in die Gemeinschaft seiner Mitmenschen durch die Trauer, die er mit ihnen teilt. Wenn eine Ordnung verloren ist, eine politische Autorität verspielt, ein Volk nahezu vernichtet, dann hallt nur noch in dieser Klage jener Rest von Menschlichkeit wider, auf dem eine Zukunft erbaut werden kann. Eine Botschaft, die beide angeht: Sieger und Besiegte. In uns Zuschauern weckt diese Klage Mitgefühl. Aischylos’ Drama stellt den Menschen durch die Erfahrung des Schmerzes in seiner Verletzbarkeit dar, und nur aus dieser kann ein moderner humaner Staat hervorgehen. 

Ulrich Rasche zählt zu den wichtigsten Regisseuren seiner Generation. Er vereint durch seine beeindruckenden Chorarbeiten und Bühnenbilder auf einzigartige Weise Raum, Bewegung, Musik und Sprache in einem schauspielerischen Vorgang. Seine Inszenierungen sind wie Oratorien, in denen trotz unserer hochtechnisierten, säkularen Welt eine archaische Kraft hervortritt. 

Marion Tiedtke

Cy Twombly · Anabasis, 1983 · Collection Cy Twombly Foundation · Courtesy: Cy Twombly Foundation, © Cy Twombly Foundation, 2017

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