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PROGRAMMDETAIL

Samuel Beckett Endspiel

Schauspiel von Samuel Beckett (1906–1989)

Neuinszenierung
Koproduktion mit dem Burgtheater Wien

Dauer der Vorstellung ca. 2 Stunden und 10 Minuten.

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LEADING TEAM

Dieter Dorn, Regie
Jürgen Rose, Bühne und Kostüme
Tobias Löffler, Licht
Hans-Joachim Ruckhäberle, Dramaturgie

ZUR PRODUKTION

„… Ende, es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende.“ So beginnt das Spiel. „Vielleicht“, sagt Beckett, sei das Schlüsselwort seiner Texte. Vielleicht ist das das Ende, vielleicht ist ja alles aber auch nur ein Spiel, Poesie, nicht Weltanschauung, sondern deren Parodie. „Bis zum Äußersten gehen, dann wird Lachen entstehen“, ist das poetische Programm der Arbeit am ästhetischen Gelingen des Misslingens. Was er gerade schreibe, nennt Beckett im Mai 1956 einen „Gruselschocker“, sein Stück Warten auf Godot sei dagegen „der reine Frohsinn“. Im Endspiel wird nicht mehr gewartet, weder auf Godot noch auf Gott: „Der Lump! Er existiert nicht!“, sagt Hamm; „Noch nicht“, antwortet Clov. Die Katastrophe hat stattgefunden, Noah und seine Söhne haben überlebt, einer heißt Ham. „Hätte doch der Allmächtige nie eine Schwäche für Noah entwickelt“, ist der Kommentar Becketts. Was bleibt, ist das Spiel mit dem Ende, clownesk, komisch, mit Vorliebe für Slapstick, doch entschieden „auf die zupackende Kraft des Textes angewiesen“, so der Autor. Die Handlung passiert in den Wörtern. Die Akteure des Stückes suchen Wirkung und kontrollieren sie. Sie sind sich bewusst, dass sie spielen, dass es sich um Theater handelt.

Vier Personen: Nell, die Mutter, Nagg, der Vater, Hamm, ihr Sohn – und Clov. Vielleicht der klassische Knecht, vielleicht der Sohn Hamms, jedenfalls der, der nichts anderes erlebt hat als das Jetzt und der sich sagen muss, „dass die Erde erloschen ist, obgleich ich sie nie glühen sah“. Er ist um Vergangenheit und Zukunft gebracht. Seine Gegenwart ist seine Geschichte mit Hamm. Selbst die Wörter, die er gebraucht, sind nicht seine. Clov träumt von etwas Eigenem, das ist der Traum vom Weggehen.

Die Personen sind defekt: Nell und Nagg ohne Beine, Hamm blind und gelähmt, Clov unfähig zu sitzen. Das Stück selbst ist auf Perfektion angelegt: „Nein, es gibt keine Zufälle im Endspiel, alles ist auf Analogien und Wiederholungen aufgebaut“, so der Regisseur Beckett. Das Ganze ein Kampf: um Liebe, um Berührung, Macht, um die eigene Biografie, auch die Sprache. Keine einzige Unvorsichtigkeit wird verziehen, immer ist jeder auf der Lauer, in Spannung, immer bemüht, die Lücke zu finden, um einen Treffer zu landen. Das Spiel zielt auf Abschiede. Nell und Nagg verschwinden, sie mit einem tiefen Blick ins Leere, er mit einem Fluch auf den Sohn. Hamm und Clov entlassen einander, ohne sich wirklich zu trennen.

Ein Ende und ein Spiel. Das Ende von allem, von Natur, Handeln, Wollen und zuletzt Sprechen, und das Spiel mit den Möglichkeiten sich etwas vorzumachen, nicht nur sich, sondern auch den anderen. Wer und was ist von Bedeutung? Und wann? Das Theater ist allgegenwärtig, Hamm: „Erzählerton: Es breitete sich eine große Stille aus. Normaler Ton: Schöne Stelle“.

Das Ende hat keine Gewissheit, vielleicht sieht und malt ja nur ein Verrückter, von dem Hamm im Stück spricht, Bilder vom Ende der Welt, wie er sie sieht.

Beckett lacht über die Endlichkeit des Lebens, über den Kreislauf von Anfang und Ende, und über die Unendlichkeit der Fiktion. „Dann ging ich in das Haus zurück und schrieb: Es ist Mitternacht. Der Regen peitscht gegen die Scheiben.‘ Es war nicht Mitternacht. Es regnete nicht.“ So endet der Roman Molloy; das Endspiel endet so, wie es angefangen hat, mit dem Schauspieler, der sein Gesicht mit dem Taschentuch bedeckt. „Es geht voran.“ – Vielleicht.

Hans-Joachim Ruckhäberle

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Das Schauspiel 2016

by FESTSPIELKIEBITZ  11:23 h;
veröffentlicht in: Schauspiel

( 5 Nov 2015 ) Drei Neuinszenierungen, die Wiederaufnahme des Jedermann, das szenische Melodram Requiem für Ernst Jandl und zwei Lesungen aus Werken von Thomas Bernhard umfasst das Schauspielprogramm 2016. Eröffnet wird die Schauspiel-Saison im Salzburger Landestheater mit Samuel Becketts Endspiel – apokalyptische Komödie und Tragödie zugleich, ein Spiel mit dem Ende, nach dem Ende und vor dem Ende.

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Motiv Endspiel, © Robert Mertens

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Salzburger Landestheater

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