anmelden | registrieren
EN  |  DE

PROGRAMMDETAIL

Alban Berg Wozzeck

Oper in drei Akten op. 7 (1917-1922)
Libretto von Alban Berg nach dem Dramenfragment Woyzeck (1836) von Georg Büchner

Neuinszenierung
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Koproduktion mit der Metropolitan Opera, New York,
un der Canadian Opera Company, Toronto

Programm drucken (PDF)

LEADING TEAM

Vladimir Jurowski, Musikalische Leitung
William Kentridge, Regie
Luc De Wit, Co-Regie
Sabine Theunissen, Bühne
Greta Goiris, Kostüme
Catherine Meyburgh, Video Compositor & Editor
Urs Schönebaum, Licht
Kim Gunning, Video Operator

BESETZUNG

Matthias Goerne, Wozzeck
John Daszak, Tambourmajor
Mauro Peter, Andres
Gerhard Siegel, Hauptmann
Jens Larsen, Doktor
Tobias Schabel, 1. Handwerksbursch
Huw Montague Rendall*, 2. Handwerksbursch
Heinz Göhrig, Der Narr
Asmik Grigorian, Marie
Frances Pappas, Margret

Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor
Wolfgang Götz, Leitung Kinderchor
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

* Teilnehmer des Young Singers Project – unterstützt von der KÜHNE-STIFTUNG

ZUR PRODUKTION

„Der Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt Einem, wenn man hinunterschaut“

1917, vor genau hundert Jahren: Es herrscht Krieg. Alban Berg, Mitte dreißig, Komponist und Soldat, nutzt einen langen Fronturlaub, um endlich ein Projekt in Angriff zu nehmen, das ihn seit drei Jahren beschäftigt. Im Mai 1914 hat er ein Theaterstück von Georg Büchner gesehen, in dem ein einfacher Soldat von allen Seiten schikaniert wird und am Ende zu brutaler Gewalt greift. Berg entdeckte darin sofort ein Sujet für eine Oper: Wozzeck.
Dass er in der Zwischenzeit selbst Erfahrungen als Soldat gemacht hat, dürfte Berg das Thema noch näher gebracht haben. Der eigentliche, unmittelbare Anstoß kam jedoch aus dem Stück selbst. Büchners schnelle Wortwechsel reduzieren alle Gefühle aufs Wesentliche, auf die grundlegenden Triebfedern Frustration, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Liebe. Und durch die Abfolge kurzer Szenen wirkt das Stück wie ein fertiges Libretto. Doch was Berg wohl am meisten ansprach, war die Schilderung einer Gesellschaft der Verlorenen.
Hier gibt es keinen Gott, alle Hierarchien sind von Willkür und Brutalität geprägt, und es besteht kein gesellschaftlicher Konsens über die Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen. – Büchner hatte dieses Bild bereits in den 1830er Jahren entworfen, und Berg erkannte darin die sozialen Verhältnisse seiner eigenen Zeit wieder. Die Normalität war dahin.
Gleichzeitig bemerkte der Komponist, dass sich dieses Sujet hervorragend für jene Art von Musik eignete, zu der er und sein Lehrer Arnold Schönberg erst ein paar Jahre zuvor gelangt waren. Auch die Dur-Moll-Tonalität war am Ende. Durch ihre Omnipräsenz hatte sie alle Kraft und Wirkung verloren: ein Paradies, das ganz und gar der Vergangenheit angehörte. Befreit von den Ordnungsprinzipien der Tonalität begannen die Melodien auf einmal, in alle möglichen Richtungen zu schweifen, und scheinbar regellose Harmonien vermochten die Zuhörer durch ihre Unberechenbarkeit zu erschüttern.
Bis dahin war die neue Musiksprache der Atonalität für die Schilderung von Extremsituationen reserviert gewesen, wie etwa in Schönbergs Monodram Erwartung: Eine Frau sucht nachts ihren Liebhaber, der sie verlassen hat, tot ist oder vielleicht sogar von ihr ermordet wurde. Alles bleibt vage, bis auf ihre Verzweiflung und ihre Stimmungsumschwünge. In Wozzeck hingegen wird eine sehr geradlinige Geschichte erzählt. Ausgangspunkt ist eines der ältesten dramatischen Grundmuster überhaupt: ein Liebesdreieck – dessen Linien hier aber ins Leere laufen. Der Tambourmajor ist auf schnelle sexuelle Eroberungen aus, aber letztlich nur von sich selbst eingenommen. Trotzdem kann sich Marie seiner Anziehungskraft nicht entziehen. Und über die echte Liebe, die zwischen Marie und Wozzeck zweifellos existierte, scheint die Zeit hinweggegangen zu sein. Marie bemüht sich um die Rettung ihrer Beziehung, doch Wozzeck bleibt in seiner Verzweiflung unerreichbar; zu oft ist man ihm mit Geringschätzung begegnet, in seinem Innersten fühlt er sich wertlos. Am Ende kann er nur noch um sich schlagen.
Diesen dramatischen Kern kleidete Berg in eine klassische dreiteilige Form. Der erste Akt exponiert die grundlegenden Beziehungen – oder Nicht-Beziehungen –, und an seinem Ende erliegt Marie dem unwiderstehlichen Tambourmajor. Im zweiten Akt wird Wozzeck misstrauisch, bis sich sein Verdacht schließlich bestätigt. Der dritte Akt bringt dann die dreifache Katastrophe: für Marie, für Wozzeck und für ihr gemeinsames Kind. Alles ist ganz klar und deutlich. Alles ist ein großes Unglück.
Berg arbeitete fünf Jahre an der Partitur, bis zur Uraufführung dauerte es noch einmal drei Jahre. Sie fand 1925 in Berlin statt, dank der begeisterten Fürsprache des Dirigenten Erich Kleiber. Danach begann der Siegeszug von Wozzeck um die ganze Welt. Kurzzeitig unterbrochen durch den Bannspruch der Nationalsozialisten, setzte sich die Erfolgsgeschichte der Oper bis heute umso eindrücklicher fort.

Paul Griffiths
Aus dem Englischen von Eva Reisinger

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Die Oper 2017

by FESTSPIELKIEBITZ  12:01 h;
veröffentlicht in: Oper

( 1 Dez 2016 ) Den Aufbruch in die neue Intendanz von Markus Hinterhäuser sollen im Opernprogramm 2017 fünf Neuinszenierungen, drei halbszenische Aufführungen und zwei konzertante Aufführungen signalisieren. Selbstverständlich wird Ariodante, die Oper der Salzburger Festspiele Pfingsten, auch im Sommer gezeigt. 

weiterlesen ...

Louise Bourgeois, INSOMNIA, 1995-1996 · Lithograph on paper, 49.5 x 63.5 cm , © The Easton Foundation/Bildrecht, Wien, 2016

TERMIN WÄHLEN

BESTELLEN

Haus für Mozart | Saalplan mit Preiskategorien anzeigen

Preise
€ 350,00 | € 290,00 | € 220,00 | € 185,00 | € 135,00 | € 95,00 | € 70,00 | € 45,00 | € 20,00

LOGIN | PASSWORT VERGESSEN

SPONSOR

Supported by Bank of America Merrill Lynch

ShareThis