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PROGRAMMDETAIL

Aribert Reimann Lear

Oper in zwei Teilen (1976-1978)
Libretto von Claus H. Henneberg nach William Shakespeares Tragödie King Lear in der Übersetzung von Johann Joachim Eschenburg (1777)

Neuinszenierung
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Programm drucken (PDF)

LEADING TEAM

Franz Welser-Möst, Musikalische Leitung
Simon Stone, Regie
Bob Cousins, Bühne
Nick Schlieper, Licht
Christian Arseni, Dramaturgie

BESETZUNG

Gerald Finley, König Lear
Tilmann Rönnebeck, König von Frankreich
Derek Welton, Herzog von Albany
Michael Colvin, Herzog von Cornwall
Matthias Klink, Graf von Kent
Lauri Vasar, Graf von Gloster
Kai Wessel, Edgar
Charles Workman, Edmund
Evelyn Herlitzius, Goneril
Gun-Brit Barkmin, Regan
Anna Prohaska, Cordelia
Michael Maertens, Narr

Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

ZUR PRODUKTION

„Vater, erkenne die Ohnmacht deiner Lage“

Schlicht Lear hat Aribert Reimann seine Oper nach Shakespeares Tragödie genannt und den Königstitel weggelassen: karge Einsilbigkeit für einen „Helden“, der alle vermeintlichen Sicherheiten verliert, der wie kaum ein anderer auf sich selbst und sein bloßes Menschsein zurückgeworfen wird. „Der nackte Mensch ist nichts weiter, als ein armseliges, gespaltenes Tier“, sagt Lear, als Ausgestoßener im Niemandsland der Heide umherirrend. Auf seinem Weg durch Einsamkeit und Elend, Qualen und Wahnsinn kann er lange nicht fassen, dass es einzig seine Macht war, die ihn unangreifbar gemacht hat. Diese aber hat er abgegeben: Der Regierungspflichten müde, teilt Lear zu Beginn der Handlung sein Reich unter seinen Töchtern auf, vielmehr unter Goneril und Regan, die seiner Forderung nach wortreichen Liebesbekundungen Folge leisten. Cordelia, die Jüngste, versagt ihrem Vater solch geheuchelte Schmeichelei und damit den Gehorsam; sie wird von ihm verstoßen und folgt dem König von Frankreich als mitgiftlose Frau in sein Land.
Lears zeremonielle Teilung des Königreichs ist, so Reimann, „gleichsam auch sein Schuldspruch“. Von da an wendet sich fast alles gegen ihn. Dabei nimmt die Handlung einen Verlauf, in dem privat-familiäre Spannungen, die vielleicht schon lange schwelen, politische Kämpfe und existenzielle Erfahrungen eng miteinander verwoben sind. „Erkenne die Ohnmacht deiner Lage“, schleudert Goneril ihrem lästigen Vater entgegen, der sie weiter bevormunden will, und Regan sperrt den alten Mann aus dem Haus und überlässt ihn den Elementen. Bald schon Rivalinnen, schrecken Goneril und Regan in ihrer Machtgier vor nichts zurück und lenken die Ereignisse in einen blutigen apokalyptischen Strudel. Ihr Verbündeter ist allen voran Edmund, der den beiden an Rücksichtslosigkeit nicht nachsteht. Im Namen der Natur rebelliert er gegen die traditionelle Ordnung, die ihm als Bastard nicht die Rechte seines legitim geborenen Halbbruders Edgar zugesteht, und verleumdet diesen bei Gloster, seinem Vater. Als Gloster, der Gonerils und Regans Unmenschlichkeit nicht billigt, Lear zu Hilfe kommt, schlägt sich Edmund ohne zu zögern auf die Seite der Machthaber und verhindert nicht, dass seinem Vater als „Verräter“ brutal das Augenlicht genommen wird. Gloster, in gewisser Weise eine Parallelfigur zu Lear, bleibt als einzige Hoffnung der Tod; er gesellt sich zu jenen Figuren des Stücks, die, eben noch oben, im Nu ganz unten sind, Outcasts in einer vom Chaos erfassten Welt.
Lear wird mit Cordelia, seiner Retterin, wiedervereint, nur um sie endgültig zu verlieren. Hat sein Schicksal ein Ziel außer dem Tod? Nein, sind jene überzeugt, die in Shakespeares Drama einen Vorläufer des absurden Theaters, ein groteskes Endspiel sehen: Nihilismus als Antwort auch auf Deutungen, die Lears Geschichte einen „Sinn“ zubilligen, sie als Prozess hin zu einem höheren Bewusstsein, zu (Selbst-)Erkenntnis oder innerer Läuterung verstehen. Oder führt uns das Stück, wie der Philosoph Stanley Cavell meinte, das Paradox vor, dass „wir nur durch Leiden lernen können“, aber „es für uns nichts daraus zu lernen gibt“? Dies sind nicht die einzigen Fragen des Lear, die immer und zutiefst auch unser eigenes Dasein, unsere eigene Zeit berühren – und die damit den Stoff für Reimann überhaupt erst interessant gemacht haben.
Die erste Idee zur Oper ging von Dietrich Fischer-Dieskau aus und beschäftigte Reimann (bald gemeinsam mit dem Librettisten Claus H. Henneberg) mehrere Jahre hindurch, bevor er 1976 mit der Komposition begann. 1978 in München uraufgeführt, bescherte Lear ihm den internationalen Durchbruch und hat sich im Zuge vieler weiterer Produktionen als eines der bedeutendsten Musiktheaterwerke der letzten Jahrzehnte behauptet. Die Musik macht die Handlung als eine Folge existenzieller Grenzsituationen erlebbar – in einer Unmittelbarkeit, die berührt und aufwühlt, auch verstört. Reimanns höchst individuelle, radikale Klangsprache ist von außerordentlicher Vielfalt und durchmisst ein ebenso breites Ausdrucksspektrum: von intimster Verinnerlichung bis zu explosiver Entfesselung.

Christian Arseni

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Die Oper 2017

by FESTSPIELKIEBITZ  12:01 h;
veröffentlicht in: Oper

( 1 Dez 2016 ) Den Aufbruch in die neue Intendanz von Markus Hinterhäuser sollen im Opernprogramm 2017 fünf Neuinszenierungen, drei halbszenische Aufführungen und zwei konzertante Aufführungen signalisieren. Selbstverständlich wird Ariodante, die Oper der Salzburger Festspiele Pfingsten, auch im Sommer gezeigt. 

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Louise Bourgeois, FUGUE (11), 2003 · Suite of 19 screenprints and lithography on music paper, each: 30.5 x 40.6 cm, © The Easton Foundation/Bildrecht, Wien, 2016

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