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PROGRAMMDETAIL

Dmitri Schostakowitsch Lady Macbeth von Mzensk

Oper in vier Akten (Urfassung 1930-1932)
Libretto von Alexander Preis und Dmitri Schostakowitsch nach der gleichnamigen Novelle (1865) von Nikolai Leskow

Neuinszenierung
In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Programm drucken (PDF)

LEADING TEAM

Mariss Jansons, Musikalische Leitung
Andreas Kriegenburg, Regie
Harald B. Thor, Bühne
Tanja Hofmann, Kostüme
Stefan Bolliger, Licht
Christian Arseni, Dramaturgie

BESETZUNG

Ferruccio Furlanetto, Boris Timofejewitsch Ismailow
Maxim Paster, Sinowi Borissowitsch Ismailow
Nina Stemme, Katerina Lwowna Ismailowa
Maxim Aksenov, Sergej
Evgenia Muraveva, Aksinja / Zwangsarbeiterin
Andrei Popov, Der Schäbige
Oleg Budaratsky, Hausknecht / Wächter
Boris Stepanov*, Vorarbeiter
Igor Onishchenko, Mühlenarbeiter
Vasily Efimov, Kutscher / Betrunkener Gast
Alexey Shishlyaev, Polizeichef
Valentin Anikin, Polizist / Sergeant
Ksenia Dudnikova, Sonjetka
Andrii Goniukov, Alter Zwangsarbeiter

Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung
Wiener Philharmoniker

* Teilnehmer des Young Singers Project – unterstützt von der KÜHNE-STIFTUNG

ZUR PRODUKTION

„Ihr habt kein Recht, über mich zu richten“

„Niemand drückt seine Lippen auf meine, niemand streichelt meine weiße Brust, niemand erschöpft mich mit leidenschaftlichen Liebkosungen“: Katerinas großer Monolog im dritten Bild von Lady Macbeth von Mzensk spricht eine klare Sprache. Und Schostakowitsch kleidet die Worte in Musik, die uns die Sehnsüchte dieser Frau eindringlich nahebringen. Seitdem Katerina mit dem Kaufmann Sinowi Ismailow verheiratet ist, bestimmen Leere, Einsamkeit und emotionale Kälte ihr Leben. Nikolai Leskow siedelt die Erzählung, auf der die Oper basiert, fern der großen Städte im Landkreis Mzensk an: Hier herrschen provinzielle Enge und stete Gewaltbereitschaft, und die Männer verfügen über die Frauen. Katerina muss ihrem kümmerlichen Gatten ebenso zu Diensten sein wie dem tyrannischen Schwiegervater Boris.
Zum Zeitpunkt ihres sehnsüchtigen Monologs hat sie bereits Sergej, den neuen Arbeiter, kennengelernt, und zwar von seiner rohesten Seite: Wäre Katerina nicht eingeschritten, er hätte unter Anfeuerung seiner Kameraden die Köchin Aksinja vielleicht vergewaltigt. Doch Sergej ist attraktiv und ein Draufgänger. Während Sinowi geschäftlich unterwegs ist, sucht er nachts Katerina auf, und es fällt ihm nicht schwer, ihren anfänglichen Widerstand zu überwinden: Greifbarer ist ein Liebesakt nie in Musik umgesetzt worden.
Für Katerina ist Sergej, dessen berechnenden Aufsteigerehrgeiz sie übersieht, schon bald mehr als ein leidenschaftlicher Liebhaber. Die Gefühle, die sie ihm entgegenbringt, bilden auch einen Fluchtort, eine utopische Gegenwelt, die zwangsläufig mit ihrer Lebenswirklichkeit kollidieren muss. Aus einem instinktiven, nur zu menschlichen Befreiungsimpuls heraus begehrt Katerina nun aber gegen ihre Unterdrücker auf. Umgeben von Brutalität, greift sie dabei selbst auf brutale Mittel zurück und geht bis zum Äußersten: zum Mord an ihrem Schwiegervater, dann auch an ihrem Ehemann.
Dies wird Katerina den Namen „Lady Macbeth von Mzensk“ einbringen. Aus der Gleichsetzung mit Shakespeares skrupelloser Verbrecherin spricht jedoch allein der Blick von außen. Während Leskows Erzähler seiner Titelfigur gegenüber ambivalent bleibt, hat Schostakowitsch mehrmals geäußert, worum es ihm ging. So schrieb er in einem Artikel, der Ende 1932, kurz vor Vollendung der Oper, erschien, er verstehe die Geschichte als „tragische Darstellung des Schicksals einer talentierten, klugen und hervorragenden Frau, die zugrunde geht unter den schrecklichen Bedingungen des vorrevolutionären Russland“.  Man mag in der historischen Konkretisierung, dem Hinweis auf vorrevolutionäre Zustände ein Zugeständnis an die stalinistische Kulturideologie sehen; als Kern der Aussage bleibt die gesellschaftliche Kontextualisierung: der Täter als Opfer seiner Lebensbedingungen.
In einer Oper musste diese Relativierung, die auch eine Relativierung des moralischen Urteils ist, natürlich vor allem hörbar werden. „Es lohnt sich nicht, lange darüber zu streiten, wie ich alle diese Verbrechen rechtfertige“, so Schostakowitsch 1934, „weil das bei weitem stärker durch das musikalische Material geschieht.“ Ist „rechtfertigen“ ein zu starkes Wort? Wie auch immer: Mit echter Empathie begegnet der Komponist im Grunde nur Katerina und – im vierten Akt – den Gefangenen, die mit ihr gemeinsam auf dem beschwerlichen Weg nach Sibirien in die Zwangsarbeit sind. Die anderen Figuren hingegen werden in demaskierender, oft greller Überzeichnung dargestellt, auch Gruppen wie die Polizei, die als stumpfsinnige Vertreterin der Staatsgewalt abgründig karikiert wird. In der Bezeichnung von Lady Macbeth von Mzensk als „Tragödie-Satire“ hat Schostakowitsch diese musikalischen Gegensätze auf den Punkt gebracht.
1934 uraufgeführt, wurde die Oper des jungen Komponisten zu einem sensationellen Erfolg, auch bei den meisten Kritikern. Im Jänner 1936 aber besuchte Stalin eine Aufführung, und wenige Tage später wurde das Werk in der Prawda in Grund und Boden vernichtet. Dass es in der Zwischenzeit auch im westlichen Ausland Furore gemacht hatte, schien seine volkserzieherische und künstlerische Wertlosigkeit nur zu bestätigen: Lady Macbeth von Mzensk war der Partei zu gefährlich und wurde umgehend verboten. Für Schostakowitsch selbst sollten die Dinge nie mehr so sein, wie sie einmal waren.

Christian Arseni

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Die Oper 2017

by FESTSPIELKIEBITZ  12:01 h;
veröffentlicht in: Oper

( 1 Dez 2016 ) Den Aufbruch in die neue Intendanz von Markus Hinterhäuser sollen im Opernprogramm 2017 fünf Neuinszenierungen, drei halbszenische Aufführungen und zwei konzertante Aufführungen signalisieren. Selbstverständlich wird Ariodante, die Oper der Salzburger Festspiele Pfingsten, auch im Sommer gezeigt. 

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Louise Bourgeois, UNTITLED, 2002 · Screenprint on vintage fabric, 26.7 x 33 cm, © The Easton Foundation/Bildrecht, Wien, 2016

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