EN
DE

PROGRAMMDETAIL

Wolfgang A. Mozart • Don Giovanni

Dramma giocoso in zwei Akten KV 527
von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Libretto von Lorenzo Da Ponte (1749–1838)

Wiederaufnahme

Mit deutschen und englischen Übertiteln

Dauer der Oper ca. 3 Stunden und 30 Minuten.

Programm drucken (PDF)

LEADING TEAM

Alain Altinoglu, Musikalische Leitung
Sven-Eric Bechtolf, Regie
Rolf Glittenberg, Bühne
Marianne Glittenberg, Kostüme
Friedrich Rom, Licht
Ronny Dietrich, Dramaturgie
Walter Zeh, Choreinstudierung

BESETZUNG

Ildebrando D’Arcangelo, Don Giovanni
Luca Pisaroni, Leporello
Carmela Remigio, Donna Anna
Paolo Fanale, Don Ottavio
Layla Claire, Donna Elvira
Alain Coulombe, Mika Kares (9. August), Il Commendatore
Valentina Nafornita, Zerlina
Alessio Arduini (7. und 9. August), Iurii Samoilov, Masetto
Mitglieder der Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker, Bühnenmusik
Philharmonia Chor Wien
Wiener Philharmoniker

ZUR PRODUKTION

Viva la libertà! – In unserer vergleichsweise tabulosen und schamfreien Zeit, in der einst dringend gebotene Aufklärung zu profitabler Obszönität heruntergewirtschaftet wurde, hat es eine Theaterfigur wie Don Giovanni noch schwerer, verstanden und inszeniert zu werden als ohnedies.

Es ist die scheinbare Nähe, die zu schwer aufklärbaren Verwechslungen führt. Dabei ist gegen den pornografischen Durchschnittswüstling des 21.Jahrhunderts Don Giovanni ein romantischer Held von metaphysischen Dimensionen. Sören Kierkegaard begriff ihn als eine Ur-Gewalt, dem Eros oder Dionysos verwandt, eine antikische Gottheit, deren Wiedererwachen sich ausgerechnet der Kirche verdanke. Habe die Kirche den „Geist“ gesetzt, so auch, durch ihre Ausgrenzung, die „Sinnlichkeit“. Habe es die Lust vorher schon in vegetativ-animalischer Form gegeben, sei sie doch durch das Christentum und die Beschreibung des Gegensatzes neu formuliert worden.

Anders gesagt, die Oper Don Giovanni ist, wenigstens auf der Bühne, auf eine Welt angewiesen, die der Sexualität ihren Respekt durch Unterdrückung erweist und sie nicht durch pervertierte Liberalität und ökonomisch bedingte Tabulosigkeit entwertet.

Kierkegaard hält das Leben Giovannis für eine nicht in Kontinuität und Kausalität gebundene, rasende Aneinanderreihung von Momenten. So wie die Sexualität nicht final zu befriedigen sei, so auch nicht Giovannis Hunger. Er erneuere das Verlangen wie Faust: „So taumle ich von Begierde zu Genuss und im Genuss verschmacht’ ich nach Begierde.“

Kierkegaard sieht Giovanni jenseits moralischer Einwände, und natürlich könnten seine Mitmenschen ihn nicht stürzen, das könne nur der Sendbote einer jenseitigen Welt. Alle anderen Figuren der Oper existierten ja nur durch die Anwesenheit Giovannis, träten aus der Finsternis in sein Licht. Man könne sagen, dass die Figuren in Berührung mit den schöpferischen und zerstörerischen Kräften des Eros sind, den Giovanni verkörpere.

Es liegt auf der Hand, dass nur durch sichtbaren Druck und Gegendruck das eine wie das andere kenntlich wird, d. h. die sich bedingenden – und einander immer neue Kräfte zufließen lassenden – Gegensätze von Unterdrückung und Aufbegehren. In ihrem Wechselspiel liegen die Ambivalenzen, die der Oper ihre Bedeutung verleihen, verborgen.

Die Freiheit, nach der es Giovanni dürstet, hat mit dem bürgerlichen Freiheitsethos und der bürgerlichen Freiheitsverwahrlosung unserer Tage nichts zu tun, sie streift sie nur. Sein Verlangen ist die Grenzenlosigkeit. Dagegen steht eine Welt der strengen Einteilung und Ordnung, der unüberbrückbaren Klassen- und Standesunterschiede, der Moral und der Religion, deren Verdrängungsprozesse erst durch die Begegnung mit Giovanni sichtbar werden. „Freiheit zu was?“, fragen vielleicht Mozart und Da Ponte bang ihren Giovanni. Am Vorabend der Revolution einen Feudalherrn das revolutionäre Verlangen nach Freiheit mitreißend aussprechen zu lassen, einen Mörder und mutmaßlichen Vergewaltiger zur Identifikationsfigur zu machen, um am Ende die Hölle auf die Bühne zu bringen – dieses Vorhaben ist so reich an Widersprüchen, geahnten und formulierten, so reich an Ängsten und Hoffnungen, falscher und echter Empörung, Dafür- und Dagegenhalten, irdischen und religiösen Horizonten, Zaudern und Wagen, Witz und Ernst, dass man meint, ein Ringen fände statt, in dem keiner der Kontrahenten verlöre, sondern in dessen Hitze das Schlachtfeld in Flammen aufginge. „Freiheit“ und „Unfreiheit“ werden dabei in der flackernden Beleuchtung zu gleichermaßen beängstigenden Größen. Unsere Zeit löscht dieses Feuer gerne mit der Psychopathologisierung des Don Giovanni. Da uns nichts mehr heilig ist, ist uns auch nichts unheilig. Viva la libertà!

Sven-Eric Bechtolf

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Die jungen Mozart-Sänger

21 AUG2016

by FESTSPIELKIEBITZ  11:05 h;
veröffentlicht in: Oper

Ein Dummchen? Nein! – Das sei die Susanna auf keinen Fall. „Sie hat die Fäden in der Hand“, sagt Sängerin Anna Prohaska, die die Partie aus Mozarts Le nozze di Figaro in diesem Festspielsommer singt. Wobei der Fokus in Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung doch eher auf Graf und Gräfin liege, sagt die Sopranistin. Dennoch sei die Susanna der „Hans Sachs der lyrischen Soprane“, sagt sie lachend. Schließlich sei die Susanna pausenlos auf der Bühne.

weiterlesen ...

Oper neu entdecken

17 AUG2016

by FESTSPIELKIEBITZ  17:17 h;
veröffentlicht in: Oper, Allgemein

Wieder einmal geht eine Idee von den Salzburger Festspielen aus: Die Aufzeichnung von Le nozze di Figaro wird im Herbst als erste Oper weltweit als Ultra-HD Blu-ray mit einer Bildauflösung von 4k erscheinen. Die Aufzeichnung in 4k-Qualität ermöglicht eine 4fach höhere Auflösung als bei einer gewöhnlichen Aufzeichnung. Sie beinhaltet außerdem einen digitalen Opernführer, der nicht nur den Inhalt des Stückes und die Handlung der Oper erklärt, sondern auch Zitate des Regisseurs zu den einzelnen Szenen zeigt. 

weiterlesen ...

Junge Stimmen erklingen im Da Ponte-Zyklus

24 JUN2016

by FESTSPIELKIEBITZ  09:44 h;
veröffentlicht in: Oper

Erstmals im Programm der Salzburger Festspiele ist in diesem Jahr Mozarts gesamter Da Ponte-Zyklus zu erleben. Così fan tutte, Don Giovanni und Le nozze di Figaro, deren Libretti alle aus der Feder von Lorenzo da Ponte stammen, zählen neben der Zauberflöte zu Mozarts beliebtesten Opernwerken. Doch nicht nur das: Sie werden auch als die psychologisch feinfühligsten und nicht zuletzt die politisch brisantesten gehandelt, sind sie doch in unsicheren Zeiten verfasst worden: die französische Revolution stand unmittelbar bevor bzw. war voll im Gange.

weiterlesen ...

Die Oper 2016

5 NOV2015

by FESTSPIELKIEBITZ  11:35 h;
veröffentlicht in: Oper

Drei Neuinszenierungen, zwei Wiederaufnahmen, eine Neueinstudierung, eine Übernahme von den Salzburger Pfingstfestspielen und drei konzertante Opern umfasst das Opernprogramm 2016. Eröffnet werden die Festspiele 2016 mit einer Uraufführung des britischen Komponisten Thomas Adès. The Exterminating Angel ist der Titel der Oper in zwei Akten, die nach Salzburg in London, Kopenhagen und 2018 in New York gezeigt werden wird.

weiterlesen ...

Motiv Don Giovanni, © Robert Mertens

TERMIN WÄHLEN

Haus für Mozart (Saalplan mit Preiskategorien anzeigen)

LOGIN | PASSWORT VERGESSEN

SPONSOR

 Mit Unterstützung der Bank of America Merrill Lynch