Im Zentrum des Opernprogramms 2010 steht das Thema Mythos – der Mythos mit seinem Potenzial, elementare menschliche Erfahrungen und Situationen zu versinnbildlichen.
Dionysos
Wolfgang Rihm (*1952), einer der bekanntesten und vielseitigsten deutschen Komponisten der Gegenwart, schreibt für die Salzburger Festspiele sein neues Musiktheaterwerk Dionysos, das zur Eröffnung des Festspielsommers seine Uraufführung erlebt.
Inspiration und Ausgangspunkt für Rihms neues Werk ist Friedrich Nietzsches später Gedichtzyklus Dionysos-Dithyramben. Wie der Gott des Rausches sich in den Texten des bereits vom Wahnsinn gezeichneten Philosophen niederschlägt, wie sich seine schwierigen Beziehungen zu den wichtigsten Frauen seines Lebens in Musik, Bewegung und Bild fassen lassen, wie der extrem sensibilisierte Autor selbst zu einem theatralisch-rauschhaften Ereignis wird, das zeigt der in der Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern erfahrene Regisseur Pierre Audi.
Das Bühnenbild gestaltet der in Japan aufgewachsene Deutsche Jonathan Meese (*1970), eine der prägenden Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene. Er hat sich in seinen Arbeiten schon mehrfach mit Nietzsche auseinandergesetzt.
Um Rihms Kaleidoskop an Lebensbildern im Haus für Mozart zu realisieren, haben die Salzburger Festspiele neben Pierre Audi und Jonathan Meese den Dirigenten Ingo Metzmacher eingeladen, der im vergangenen Sommer in Nonos Al gran sole carico d’amore gefeiert wurde. Er leitet sein Deutsches Symphonie-Orchester Berlin (DSO) und die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor. Johannes Martin Kränzle, der im Sommer 2009 in Händels Theodora beeindruckte, singt die Titelrolle. In weiteren wichtigen Partien Mojca Erdmann, die ihre internationale Karriere in Salzburg in Armida gestartet hat, sowie der deutsche Tenor Matthias Klink.
Elektra
Die archaisch-rauschhaften, dionysischen Elemente der griechischen Tragödie und der Einfluss Nietzsches prägten auch Hugo von Hofmannsthals Auseinandersetzung mit dem Mythos. Mit Elektra (1906–1908) steht das erste gemeinsame Werk der Festspielgründer Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal auf dem Spielplan des Großen Festspielhauses 2010.
Strauss hatte Hofmannsthals Schauspiel Elektra 1903 in der Uraufführungsinszenierung eines weiteren Gründungsvaters der Festspiele, Max Reinhardt, kennen gelernt und den Plan zur Vertonung gefasst.
In Salzburg wird sich der international erfolgreiche italienische Dirigent Daniele Gatti am Pult der Wiener Philharmoniker der hochexpressiven Partitur annehmen. Für die Hauptrollen wurden vier herausragende Strauss-Interpreten engagiert: Iréne Theorin, ein Shooting-Star unter den dramatischen Sopranen, singt die Elektra, Waltraud Meier die Klytämnestra, Eva-Maria Westbroek die Chrysothemis und René Pape den Orest. Nach Erfolgen mit Idomeneo 1990/91 und Schrekers Gezeichneten 2005 legt Nikolaus Lehnhoff mit Elektra seine dritte Regiearbeit bei den Salzburger Festspielen vor.
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