ZUR PRODUKTION
Elektra ist von der Idee besessen, den Mord an ihrem Vater zu rächen. Agamemnon ist Zentrum und Dämon ihrer „idée fixe“. Elektra lebt ausschließlich in der Vergangenheit und ist als Figur einzig in Verbindung mit dieser Idee existent. Durch diese absolute Fixierung auf die Idee verkümmert der Mensch zur Marionette – ein grausamer Akt der Selbstaufgabe und des Identitätsverlustes.
Die Oper spielt in einem primär von Elektra besetzten Raum, eine Schaltzentrale ihrer Obsession. Sie hat sich in ihrer Gedanken-Festung geradezu eingemauert, ein Gehäuse, das zugleich Schutzraum und Falle ist. Es geht in dem Stück um die Sichtbarmachung innerer Zustandsbilder, um existenzielle Notstände und Zwangssituationen.
Am Ende stehen Selbstbetrug und Selbstzerstörung, die in einem Totentanz kulminieren. Das Drama endet mit derselben Grundproblematik, mit der es begonnen hat. Nur die Rollen wurden vertauscht. Es gibt keinen Ausweg aus dem Kreislauf des Verbrechens. Der Fluch bleibt bestehen. Die Erinnyen stehen vor der Tür.
Nikolaus Lehnhoff