ZUR PRODUKTION
„Così fan tutte le belle! Non c’è alcuna novità“, heißt
es in Le nozze di Figaro, dem ersten Gemeinschaftswerk
von Mozart und Da Ponte. Vier Jahre später
wird diese Unterstellung einer genaueren Prüfung
unterzogen: In ihrer dritten und letzten gemeinsamen
Arbeit, Così fan tutte, entscheidet das Experiment
über die angebliche Untreue der Frauen. Ein
doppelbödiges Spiel beginnt, das immer tiefere Gefühlsschichten
freilegt. Der unverstellte Blick in die
Wirren menschlicher Beziehungen öffnet Abgründe,
die den Rahmen eines Dramma giocoso zu sprengen
scheinen. Dieses in mancher Hinsicht radikalste
Bühnenwerk Mozarts ist nicht so sehr eine „Schule
der Liebenden“, als vielmehr eine kontinuierliche
Sezierung der Herzen. Im Spannungsfeld zwischen
Liebe und Leidenschaft, Sicherheit und Selbstaufgabe,
Treue und Verrat verlieren sich die Paare in
einem Gefühlschaos. Dabei spürt Mozarts Musik
die inneren Widersprüche seiner Figuren auf, ohne
sie jemals zu verraten und lässt uns plötzlich selbst
zweifeln an der Sicherheit, mit der wir zu wissen
glauben, was Spiel und was Ernst, was Traum und
was Wirklichkeit ist.
Andri Hardmeier