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PROGRAMMDETAIL

Salzburg contemporary • Cerha und Kurtág • Dennis Russell Davies – Maki Namekawa

PROGRAMM

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH Concertino für zwei Klaviere op. 94 (1953)

JOHANN SEBASTIAN BACH Sonatina aus der Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“ BWV 106

JOHANN SEBASTIAN BACH „Aus tiefer Not schrei’ ich zu Dir“ BWV 687

JOHANN SEBASTIAN BACH „O Lamm Gottes, unschuldig“ BWV 618
in einer Bearbeitung für Klavier zu vier Händen von György Kurtág

IGOR STRAWINSKY Symphonie de Psaumes (Psalmensymphonie)
in der Bearbeitung für Klavier zu vier Händen von Dmitri Schostakowitsch (Uraufführung der Bearbeitung)

ARTHUR HONEGGER Symphonie Nr. 3 H 186, „Symphonie liturgique“
in der Bearbeitung für zwei Klaviere von Dmitri Schostakowitsch

INFORMATION

Ende des Konzerts ca. 21:25 Uhr.

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Dennis Russell Davies, Klavier
Maki Namekawa, Klavier

Motiv Salzburg contemporary, © Robert Mertens

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Stiftung Mozarteum

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Sie kamen im Abstand von nur zwei Tagen zur Welt, gut 500 Kilometer liegen zwischen ihren Geburtsorten, der kreative Drang nach neuen Klängen hat sie verbunden – doch nichts trennte sie so lang und so einschneidend wie der Eiserne Vorhang. Den Österreicher Cerha, der um 1960 maßgeblich an der Befreiung der Musik vom Serialismus beteiligt war, fesselt sein ganzes Leben hindurch das Verhältnis der Stimme eines Einzelnen zur Macht des Kollektivs: Allein bei diesem Thema reicht die Palette seines Schaffens von erlesen-expressiver Kammermusik bis hin zu Opern wie Baal (uraufgeführt bei den Salzburger Festspielen 1981), dem Riesen von Steinfeld oder der Komplettierung von Bergs Lulu. Diese Faszination wurzelt wohl in Cerhas Biografie, im Erlebnis der Kriegsjahre, der Einberufung zur Wehrmacht 1944, seiner Desertion und dem Rückzug in die Tiroler Berge. Dem Ungarn Kurtág, offiziell im rumänischen Lugoj geboren, de facto aber in der Vielvölkerregion des Banats, ist nach dem ungarischen Volksaufstand 1956 mit seiner Familie die Flucht nach Österreich knapp nicht gelungen. Vergleichsweise abgeschnitten, musste er, nach einer schweren persönlichen und künstlerischen Krise, eine Befreiung zunächst in seinem Komponieren finden. Erst 1981, dem Jahr von Cerhas Baal, markierte eine Aufführung seiner Botschaften des verstorbenen Fräulein R. V. Troussova unter Boulez in Paris Kurtágs internationalen Durchbruch: mit einer Musik, die bei aller Kürze gespickt ist mit Gesten, Bildern – und einer Emotion, die auch Cerhas Werk durchpulst.
Zu den Höhepunkten des Doppelporträts zählen die Uraufführung von Eine blassblaue Vision, die Konkretisierung von „klanglichen Obsessionen“, die durch Friedrich Cerhas unvermindert rege Fantasie geistern, sowie die nur mit Sopran und Violine besetzten Kafka-Fragmente von György Kurtág, eine Kette aus vier ungleichen Teilen mit insgesamt vierzig ganz individuellen Gliedern, die von wenigen Augenblicken bis zu vergleichsweise beinah romanhaft wirkenden sechs, sieben Minuten währen: klingende Sekundendramen und musikalische Schnappschüsse, zu einem schillernden Mosaik der Seelenzustände vereint.

Walter Weidringer

Eine Aufzeichnung dieses Konzerts wird vom ORF am 10. August, um 19:30 Uhr im Programm Ö1 gesendet.

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