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PROGRAMMDETAIL

Salzburg contemporary • Cerha und Kurtág • Calder Quartet & Thomas Adès

PROGRAMM

THOMAS ADÈS • Piano Quintet op. 20 (2000)

GYÖRGY KURTÁG • 6 Moments musicaux op. 44 für Streichquartett (2005)

THOMAS ADÈS • „Arcadiana“ op. 12 für Streichquartett (1994)

FRANZ SCHUBERT • Streichquartett Nr. 14 d-Moll op. post. D 810 – „Der Tod und das Mädchen“

INFORMATION

Ende des Konzerts ca. 21:50 Uhr.

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INTERPRETEN

Thomas Adès, Klavier
Calder Quartet
Benjamin Jacobson, Violine
Andrew Bulbrook, Violine
Jonathan Moerschel, Viola
Eric Byers, Violoncello

Motiv Salzburg contemporary, © Robert Mertens

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Sie kamen im Abstand von nur zwei Tagen zur Welt, gut 500 Kilometer liegen zwischen ihren Geburtsorten, der kreative Drang nach neuen Klängen hat sie verbunden – doch nichts trennte sie so lang und so einschneidend wie der Eiserne Vorhang. Den Österreicher Cerha, der um 1960 maßgeblich an der Befreiung der Musik vom Serialismus beteiligt war, fesselt sein ganzes Leben hindurch das Verhältnis der Stimme eines Einzelnen zur Macht des Kollektivs: Allein bei diesem Thema reicht die Palette seines Schaffens von erlesen-expressiver Kammermusik bis hin zu Opern wie Baal (uraufgeführt bei den Salzburger Festspielen 1981), dem Riesen von Steinfeld oder der Komplettierung von Bergs Lulu. Diese Faszination wurzelt wohl in Cerhas Biografie, im Erlebnis der Kriegsjahre, der Einberufung zur Wehrmacht 1944, seiner Desertion und dem Rückzug in die Tiroler Berge. Dem Ungarn Kurtág, offiziell im rumänischen Lugoj geboren, de facto aber in der Vielvölkerregion des Banats, ist nach dem ungarischen Volksaufstand 1956 mit seiner Familie die Flucht nach Österreich knapp nicht gelungen. Vergleichsweise abgeschnitten, musste er, nach einer schweren persönlichen und künstlerischen Krise, eine Befreiung zunächst in seinem Komponieren finden. Erst 1981, dem Jahr von Cerhas Baal, markierte eine Aufführung seiner Botschaften des verstorbenen Fräulein R. V. Troussova unter Boulez in Paris Kurtágs internationalen Durchbruch: mit einer Musik, die bei aller Kürze gespickt ist mit Gesten, Bildern – und einer Emotion, die auch Cerhas Werk durchpulst.
Zu den Höhepunkten des Doppelporträts zählen die Uraufführung von Eine blassblaue Vision, die Konkretisierung von „klanglichen Obsessionen“, die durch Friedrich Cerhas unvermindert rege Fantasie geistern, sowie die nur mit Sopran und Violine besetzten Kafka-Fragmente von György Kurtág, eine Kette aus vier ungleichen Teilen mit insgesamt vierzig ganz individuellen Gliedern, die von wenigen Augenblicken bis zu vergleichsweise beinah romanhaft wirkenden sechs, sieben Minuten währen: klingende Sekundendramen und musikalische Schnappschüsse, zu einem schillernden Mosaik der Seelenzustände vereint.

Walter Weidringer

Eine Aufzeichnung dieses Konzerts wird vom ORF am 8 August sowie am 16. August jeweils um 23:08 im Programm Ö1 gesendet.