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PROGRAMMDETAIL

Ouverture spirituelle • Östliches Christentum III: Venedig und Byzanz 770–1797

PROGRAMM

Glockenruf – instrumental
Alleluia – Byzantinischer Choral, Johannes Damaskinos (8. Jhdt.) 
Fanfare – instrumental
Erotókritos – Byzantinische Komposition, instrumental
Marcabru (1100-1150) • Pax! In nomine Domini! – Kreuzfahrerlied 
Danse de l’âme – Nordafrikanische Komposition, Überlieferung der Berber, anonym
Ton despóti – Planctus, byzantinisches Klagelied (13. Jhdt.)
Lied und Tanz – Armenische Komposition, instrumental (13. Jhdt.)
Billadi Askara Min adbi Llama – Mowacha, arabisch-andalusiches Lied
Istampitta – Saltarello, anonym (ca. 1300)
Efrixe i gi – Klagegebet, Johannes Damakinos (8. Jhdt.)
Chiave, chiave – instrumental
Adoramus te – anonym
Pásan tin elpída mu – orthodoxes Lied
Nikriz Marsch – Osmanische Komposition, anonym (15. Jhdt.)
Guillaume Dufay • Lamentatio Sanctae Matris Ecclesiae Constantinopolitanae
Clément Janequin • La Guerre (La Bataille de Marignan)
Salomone Rossi • Al naharot Bavel (An den Wassern von Babylon), Psalm 137
Adrian Willaert • Vecchie letrose – Villanesca alla napolitana
Der makām-ı Uzzäl sakîl – Osmanische Komposition, anonym, instrumental
Joan Brudieu • Oíd, oíd, los que en la Iglesia habéis nascido, Madrigal II
Géfsasthe ke ídete – Byzantinischer Hymnus, Joannes Kladas
Claude Goudimel • Ficht wider meiner Anfechter, Psalm 35
Sousta – Zypriotischer Tanz, instrumental
Se imnúme – Russisch-orthodoxer Hymnus, anonym (16. Jhdt.)
laïla Djân – Persischer Tanz, anonym, instrumental
Claudio Monteverdi • Il combattimento di Tancredi e Clorinda SV 153
Dimitri Cantemir • Osmanischer Marsch  
Antonio Vivaldi • „Di queste selve venite, o Numi“ aus La Senna festeggiante RV 693, „zu Ehren Ludwigs XV.“
Wolfgang Amadeus Mozart • Alla Turca (Allegretto) aus der Klaviersonate A-Dur KV 331
Anastaseos Imera – Russisch-orthodoxer Hymnus, anonym (16. Jhdt.)
François Marchant • Nous sommes tous égaux, Chansons constitutionelle
Johann Adolf Hasse • Canzonette veneziane da battello
Per quel bel viso
Mia cara Anzoletta
Luigi Bordèse • La Sainte Ligue: La nuit est sombre nach der 5. und 7. Symphonie von Ludwig van Beethoven

INFORMATION

Ende des Konzerts ca. 23:20 Uhr

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INTERPRETEN

Jordi Savall, Leitung
Panagiotis Neohoritis, Solist und Choreinstudierung
Gastmusiker aus der Türkei, Griechenland, Armenien und Marokko
Hespèrion XXI
La Capella Reial de Catalunya
Le Concert des Nations
Orthodox-Vokalensemble (Saloniki, Griechenland)

ZUR PRODUKTION

1000 Jahre Musik – Brücke zwischen Orient und Europa

Etwa ein Jahrtausend lang, von 770 bis 1797, spielte Venedig im Mittelmeerraum und in der Weltgeschichte eine beherrschende Rolle. Venedig wurde von den Byzantinern gegründet, die der Lagune am Rande zweier Flüsse die Dimension eines Vermittlers zwischen Orient und Okzident verliehen. Diese Stadt des Wassers mit ihren verzweigten Kanälen wurde zum Umschlagplatz von Händlern unterschiedlichster Herkunft, und so entstand ein reger Handel zwischen dem Orient und Europa. Durch die Ausrufung einer „Republik“ mit dem System einer oligarchischen Regierung, an deren Spitze der auf Lebenszeit gewählte Doge stand, gelang es Venedig, seine Unabhängigkeit gegenüber den Byzantinern zu vergrößern und schließlich mehr als Handelspartner denn als Untertan aufzutreten. Nachdem sich die Stadt gegen Karl den Großen behauptet hatte, trat sie in Konkurrenz zu Rom und stieg zur ersten Wirtschaftsmacht des Mittelmeerraums auf, was ihr erlaubte, sich in allen technischen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereichen zu entwickeln. Dank des Handels und der daraus entstehenden Beziehung zur gesamten Welt des Mittelmeerraums, sowie durch die Bereitschaft, Menschen jeglicher Herkunft aufzunehmen, empfing die Stadt Einflüsse des christlichen Orients und der orthodoxen Welt, aber auch der osmanischen, jüdischen, armenischen oder muslimischen Kultur. All diese Einflüsse beschwört Jordi Savall mit den vielfältigen Klängen des Mittelmeerraums: Geistliche und weltliche Musik uralter orthodoxer Traditionen aus Byzanz, die Musik Istanbuls und des Osmanischen Reiches, Griechenlands, der Türkei und natürlich Italiens findet sich neben den großartigen Kompositionen, mit denen Byzanz und Venedig die europäische Musikgeschichte beschenkt haben. Willaert, Gabrieli, Monteverdi, Cavalli, Vivaldi und viele andere sind die großen Namen, die zu ihrer Zeit und bis heute die Größe einer außergewöhnlichen Stadt in Europa zum Klingen brachten – einer Stadt, deren Vormachtstellung so lange währte. Mit dem Eingreifen Bonapartes im Jahre 1797 stürzte die Republik Venedig und stand in der Folge über 60 Jahre unter österreichischer Herrschaft, bevor Venedig schließlich Italien eingegliedert wurde, zu dessen Juwelen die Stadt nach wie vor zählt.

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

by FESTSPIELKIEBITZ  09:30 h;
veröffentlicht in: Konzert, Allgemein

( 8 Jul 2016 ) Die Disputationes wurden vom Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen ins Leben gerufen, um die Ouverture spirituelle, seit 2012 spiritueller Prolog der Salzburger Festspiele, mit Diskussionen und wissenschaftlichen Erörterungen zu interkulturellen und interreligiösen Themen zu bereichern. Schwerpunkt der Ouverture spirituelle 2016 ist der christliche Osten – die Orthodoxie. Das Konzertprogramm begleitend, werden bei den Disputationes zum Thema „Ex Oriente Lux – Begegnung mit dem christlichen Osten“ Fragen aufgegriffen, die sich mit dem interkulturellen und interreligiösen Dialog auseinandersetzen.

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Motiv Ouverture spirituelle, © Robert Mertens

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Kollegienkirche

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Ex oriente lux: Das mit dem Sonnenaufgang aus dem Osten kommende Licht wurde zum Symbol für den christlichen Glauben überhaupt – und blieb auch dann noch ein geflügeltes Wort, als das „Große Schisma“ die ohnehin niemals völlig einheitlichen Traditionen des Christentums in eine West- und eine Ostkirche spaltete. Dabei handelte es sich aus dem Blickwinkel moderner Geschichtsschreibung um kein punktuelles Ereignis im Jahre 1054, sondern um eine sich über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hinziehende Entfremdung aufgrund wachsender sprachlicher, kultureller, politischer, wirtschaftlicher und freilich auch theologischer Differenzen, die 1204 in der verheerenden Plünderung des christlichen Konstantinopel durch ein venezianisches Kreuzfahrerheer katastrophal kulminierten. Orthodox, also „rechtgläubig“, nannte sich die östliche Überlieferung allerdings nicht von ungefähr – verehrte sie den Herrn doch auf Griechisch, der Originalsprache des Neuen Testaments. Schon das gesprochene Wort Gottes war Musik, der Gesang dessen intensivste Steigerung: Kein Instrument als einzig die menschliche Stimme war fähig, die Wirkung des Heiligen Geistes adäquat auszudrücken. Diese Überzeugung, in prächtigen Chorwerken manifestiert, setzte sich in den längst ihrerseits unterschiedlichen ostkirchlichen Traditionen fort, die von Afrika bis Asien gepflegt werden und von Ensembles aus Russland, Armenien, Griechenland, Libanon, Ägypten und Äthiopien in Salzburg zum Klingen gebracht werden.
Nachklänge dieser Traditionen sind auch in Werken wie dem groß angelegten Konzert für Chor des gebürtigen Russen Alfred Schnittke zu hören – in der antiklerikalen Sowjetunion 1986 ebenso ein Skandalon wie die religiös fundierte Musik des heute im Westen besonders verehrten Esten Arvo Pärt, dessen musikalische Selbstfindung in den 1970ern mit dem Übertritt zum russisch-orthodoxen Glauben einherging. Sublimiert mag sie auch schon in der Psalmensymphonie enthalten gewesen sein, mit der Igor Strawinsky, selbst russisch-orthodox, 1930 ausdrücklich keine Symphonie schaffen wollte, in der Psalmen gesungen werden, sondern umgekehrt den Psalmengesang symphonisch zu gestalten verstand.
Das „westliche“ Programm der Ouverture spirituelle reflektiert die Bedeutung der Chormusik in der Ostkirche besonders in großen Oratorien katholischen oder reformierten Zuschnitts. Selbstverständlich beginnt sie auch in diesem Jahr traditionell mit der Schöpfung Joseph Haydns – dirigiert von Yannick Nézet-Séguin. Ihren zeitgenössischen Höhepunkt erlebt sie mit der Uraufführung von Peter Eötvös’ dramatischem Halleluja – Oratorium balbulum; klassische Meilensteine bilden Mozarts c-Moll-Messe in der Stiftskirche St. Peter sowie Beethovens Neunte. Stottert der Prophet in Peter Eötvös’ Werk, kommt der biblische Daniel in Georg Friedrich Händels packendem Oratorium Belshazzar keineswegs ins Stocken: Er deutet dem gleichnamigen babylonischen König – wahrlich ein „monstrous human beast“, zu dessen Charakterisierung im Orchester gar ein Schwein grunzt – eine rätselhafte Schrift an der Wand als Vorzeichen von dessen baldigem Ende, das sprichwörtliche „Menetekel“. Der siegreiche persische Belagerer Cyrus (Kyros) wird zum Befreier der Israeliten aus babylonischer Knechtschaft: auch er gleichsam ein Licht aus dem Osten.

Walter Weidringer

Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

Wie in den vergangenen Jahren begleitet dankenswerterweise das Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen die Ouverture spirituelle inhaltlich mit wissenschaftlichen Erörterungen und Diskussionen. Das Konzertprogramm mit dem Schwerpunkt Östliches Christentum begleitend, werden bei den Disputationes Themen aufgegriffen, die sich mit den Fragen rund um den interkulturellen und inter­religiösen Dialog auseinandersetzen.

Die Auftaktveranstaltung findet am 22. Juli 2016 statt.
Es folgen drei Gesprächsrunden im Rahmen der Ouverture spirituelle.

Programm:

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