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PROGRAMMDETAIL

Ouverture spirituelle • Östliches Christentum II: Marienhymnen aus dem Orient

PROGRAMM

• Gesänge aus der syrischen und maronitischen Tradition
„Hayya Mai min loubnan“ (Komm’ mit mir aus dem Libanon) – Hohelied 4:8
„Tawnimar“ (Lasst uns Marias Glückseligkeit verkünden) aus der Christmette nach der syrisch-orthodoxen Tradition – Ephräm der Syrer (4. Jhdt.)
„Yawno Tlito“ (Die junge Taube trägt den Adler) aus der Christmette nach der syrisch-katholischen Tradition – Ephräm der Syrer (4. Jhdt.)
„Gbo wo – Baytun Maghara“ (Ein Haus, eine Krippe!) aus der Christmette nach der maronitischen Tradition – Ephräm der Syrer (4. Jhdt.)

• Limaza ta’jabina ya Mariam (Warum staunst du, o Maria?)
aus der Christmette nach der byzantinisch-melkitischen Tradition

• Anti-Ya-Walidata-l-ilah (Du, Mutter Gottes)
Auszug aus dem Akathistos-Hymnus – St. Romanos, 6. Jhdt., melkitische Tradition

• Magnificat (Meine Seele preist den Herrn)
Magnificat, Lukas 1, 46-55
Musik: Sœur Marie Keyrouz

• Jami’ou-l-Aiyal (Alle Geschlechter preisen dich)
Hymnus anlässlich der Entschlafung der Jungfrau Maria, melkitische Tradition

• Tahadat (Maria ist am Fuß des Kreuzes Jesu erschienen)
Karfreitagspassion, maronitische Tradition

• Inna-l-malak (Und der Engel sprach zu ihr)
Auferstehung, melkitische Tradition

• Mariam (Maria, trockne deine Tränen, Christus ist auferstanden)
Auferstehung, maronitische Tradition

• Axion Esti (Es ziemt sich wahrlich, dich zu preisen)
Hymnus zu Ehren der Theotokos aus der Göttlichen Liturgie des Heiligen Johannes Chrysostomus – 6. Jhdt., byzantinische Tradition

INFORMATION

Ende des Konzerts ca. 21:45 Uhr.

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ZUR PRODUKTION

Seit Jahren bemüht sich die aus dem Libanon stammende und in Paris lebende Sœur Marie Keyrouz um interreligiöses Verständnis und Offenheit der Kulturen im Umgang miteinander. 1984 gründete sie mit Sängern und Musikern aus den verschiedenen Regionen des Libanon ihr Ensemble Vocal de la Paix als gelebten Beitrag zum Frieden in ihrem Land. Mit ihrer außergewöhnlichen Stimme gelangt sie in die Herzen des Publikums und eröffnet ihm die archaische Kraft der Musik des Nahen Ostens: von traditionellen Mariengesängen der Maroniten über byzantinisch-melkitische Hymnen bis hin zu Liedern in arabischer Sprache und Musikform. Mit ihren Konzerten finanziert Sœur Marie Keyrouz mehrere Waisenhäuser im Libanon. In Salzburg widmet sie sich mit ihrem Ensemble den Gesangstraditionen der melkitischen, maronitischen und aramäischen Kirchen.

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

8 JUL2016

by FESTSPIELKIEBITZ  09:30 h;
veröffentlicht in: Konzert, Allgemein

Die Disputationes wurden vom Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen ins Leben gerufen, um die Ouverture spirituelle, seit 2012 spiritueller Prolog der Salzburger Festspiele, mit Diskussionen und wissenschaftlichen Erörterungen zu interkulturellen und interreligiösen Themen zu bereichern. Schwerpunkt der Ouverture spirituelle 2016 ist der christliche Osten – die Orthodoxie. Das Konzertprogramm begleitend, werden bei den Disputationes zum Thema „Ex Oriente Lux – Begegnung mit dem christlichen Osten“ Fragen aufgegriffen, die sich mit dem interkulturellen und interreligiösen Dialog auseinandersetzen.

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Motiv Ouverture spirituelle, © Robert Mertens

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Kollegienkirche

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Ex oriente lux: Das mit dem Sonnenaufgang aus dem Osten kommende Licht wurde zum Symbol für den christlichen Glauben überhaupt – und blieb auch dann noch ein geflügeltes Wort, als das „Große Schisma“ die ohnehin niemals völlig einheitlichen Traditionen des Christentums in eine West- und eine Ostkirche spaltete. Dabei handelte es sich aus dem Blickwinkel moderner Geschichtsschreibung um kein punktuelles Ereignis im Jahre 1054, sondern um eine sich über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hinziehende Entfremdung aufgrund wachsender sprachlicher, kultureller, politischer, wirtschaftlicher und freilich auch theologischer Differenzen, die 1204 in der verheerenden Plünderung des christlichen Konstantinopel durch ein venezianisches Kreuzfahrerheer katastrophal kulminierten. Orthodox, also „rechtgläubig“, nannte sich die östliche Überlieferung allerdings nicht von ungefähr – verehrte sie den Herrn doch auf Griechisch, der Originalsprache des Neuen Testaments. Schon das gesprochene Wort Gottes war Musik, der Gesang dessen intensivste Steigerung: Kein Instrument als einzig die menschliche Stimme war fähig, die Wirkung des Heiligen Geistes adäquat auszudrücken. Diese Überzeugung, in prächtigen Chorwerken manifestiert, setzte sich in den längst ihrerseits unterschiedlichen ostkirchlichen Traditionen fort, die von Afrika bis Asien gepflegt werden und von Ensembles aus Russland, Armenien, Griechenland, Libanon, Ägypten und Äthiopien in Salzburg zum Klingen gebracht werden.
Nachklänge dieser Traditionen sind auch in Werken wie dem groß angelegten Konzert für Chor des gebürtigen Russen Alfred Schnittke zu hören – in der antiklerikalen Sowjetunion 1986 ebenso ein Skandalon wie die religiös fundierte Musik des heute im Westen besonders verehrten Esten Arvo Pärt, dessen musikalische Selbstfindung in den 1970ern mit dem Übertritt zum russisch-orthodoxen Glauben einherging. Sublimiert mag sie auch schon in der Psalmensymphonie enthalten gewesen sein, mit der Igor Strawinsky, selbst russisch-orthodox, 1930 ausdrücklich keine Symphonie schaffen wollte, in der Psalmen gesungen werden, sondern umgekehrt den Psalmengesang symphonisch zu gestalten verstand.
Das „westliche“ Programm der Ouverture spirituelle reflektiert die Bedeutung der Chormusik in der Ostkirche besonders in großen Oratorien katholischen oder reformierten Zuschnitts. Selbstverständlich beginnt sie auch in diesem Jahr traditionell mit der Schöpfung Joseph Haydns – dirigiert von Yannick Nézet-Séguin. Ihren zeitgenössischen Höhepunkt erlebt sie mit der Uraufführung von Peter Eötvös’ dramatischem Halleluja – Oratorium balbulum; klassische Meilensteine bilden Mozarts c-Moll-Messe in der Stiftskirche St. Peter sowie Beethovens Neunte. Stottert der Prophet in Peter Eötvös’ Werk, kommt der biblische Daniel in Georg Friedrich Händels packendem Oratorium Belshazzar keineswegs ins Stocken: Er deutet dem gleichnamigen babylonischen König – wahrlich ein „monstrous human beast“, zu dessen Charakterisierung im Orchester gar ein Schwein grunzt – eine rätselhafte Schrift an der Wand als Vorzeichen von dessen baldigem Ende, das sprichwörtliche „Menetekel“. Der siegreiche persische Belagerer Cyrus (Kyros) wird zum Befreier der Israeliten aus babylonischer Knechtschaft: auch er gleichsam ein Licht aus dem Osten.

Walter Weidringer

Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

Wie in den vergangenen Jahren begleitet dankenswerterweise das Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen die Ouverture spirituelle inhaltlich mit wissenschaftlichen Erörterungen und Diskussionen. Das Konzertprogramm mit dem Schwerpunkt Östliches Christentum begleitend, werden bei den Disputationes Themen aufgegriffen, die sich mit den Fragen rund um den interkulturellen und inter­religiösen Dialog auseinandersetzen.

Die Auftaktveranstaltung findet am 22. Juli 2016 statt.
Es folgen drei Gesprächsrunden im Rahmen der Ouverture spirituelle.

Programm: