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PROGRAMMDETAIL

Ouverture spirituelle • Östliches Christentum V: Geistliche Chormusik aus Armenien

PROGRAMM

HL. MESROP MAŠTOC’ Zwei Hymnen aus dem Zyklus der Großen Fastenzeit

TRADITIONELL Psalmen 71, 1-6 und 72, 11-19

STEP'ANOS SYUNEC'I Drei Fragmente aus dem großen Auferstehungssegen

ANONYMER MITTELALTERLICHER AUTOR Lyrischer Hymnus aus dem Zyklus der Darstellung des Herrn „Christus, König des Lobpreises“

KOMITAS I. AŁC’EC’I Hymnus aus dem Zyklus der Hl. Hr°ip’sime, „Sich hingebende Menschen“ in der Bearbeitung von Komitas Vardapet

HL. SAHAK PART’EW Hymnus aus dem Zyklus der Fußwaschung „Heute wurde aufgestellt (das Taufbecken“ in der Bearbeitung von Komitas Vardapet

MXIT’AR AYRIVANEC’I Lieder aus dem Zyklus der Fußwaschung in der Bearbeitung von Komitas Vardapet
Dieses Geheimnis wurde erfüllt
Herr, mit Deiner Gnade
Jetzt befreie uns
Mein herz erbebt

HL. GREGOR NAREKAC’I Lyrischer Auferstehungshymnus „Der Vogel, der Vogel“

HL. NERSES ŠNORHALI Sonnenaufgangshymnus „Licht des Morgens“ in der Bearbeitung von Ervand Erkanyan

ZUGESCHRIEBEN AŠOT PATRIK BAGRATUNI Hymnus aus dem Zyklus der Kreuzerhöhung „Die nach deinem Bild geschaffen“ in der Bearbeitung von Daniel Eražišt

HL. NERSES ŠNORHALI Aus der Hl. Liturgie, Friedensgruß, „Christus ist unter uns erschienen“ in der Bearbeitung von Komitas Vardapet

ANONYMER MITTELALTERLICHER AUTOR Lyrischer Auferstehungshymnus „Maria Magdalena“ in der Bearbeitung von Komitas Vardapet

HAKOB KLAYEC’I Aus dem Zyklus der Geburt Mariä, Hymnus „Heute jubilieren die Himmel“ in der Bearbeitung von Ervand Erkanyan

XAČ’ATUR TARONEC’I Aus der Hl. Liturgie (Zurüstung des Priesters),
Hymnus des Gewandanlegens „Tiefes Mysterium“ in der Bearbeitung von Komitas Vardapet

HAKOB SANAHNEC’I Hymnus aus dem Kanon der Entschlafenen „Vor dem unanfänglichen Schoße des Vaters“ in der Bearbeitung von Ervand Erkanyan

ANONYMER MITTELALTERLICHER AUTOR Aus der Hl. Liturgie, Sanctus „Heilig, heilig, heilig“ in der Bearbeitung von Komitas Vardapet

HL. NERSES ŠNORHALI Karfreitagslied „Ausgebreitet von Hand zu Hand“ in der Bearbeitung von Ervand Erkanyan

ANONYMER MITTELALTERLICHER AUTOR Lyrischer Kreuzigungshymnus „Muttergottes“

SIMEON EREWANC’I Aus der Hl. Liturgie, „Herr, erbarme Dich“ in der Bearbeitung von Makar Ekmalyan

ANONYMER MITTELALTERLICHER AUTOR Aus der Hl. Liturgie, Synaxis, Hymnus des Weihräucherns „Durch die Fürsprache“ in der Bearbeitung von Komitas Vardapet

ANONYMER MITTELALTERLICHER AUTOR Aus der Hl. Liturgie, Kommunionslied „Christus ist geopfert“ in der Bearbeitung von Komitas Vardapet

INFORMATION

Ende des Konzerts ca. 12:20 Uhr.

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ZUR PRODUKTION

Armenische Sakralmusik ist eine der ältesten Formen der christlichen Musikkultur in Nahost, deren Entwicklung sich vor allem zwischen dem 5. und 15. Jahrhundert abspielte. Das Christentum wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. von den Aposteln Thaddeus und Bartholomeus nach Armenien gebracht und im Jahre 301 n.Chr. schließlich als alleinige Staatsreligion eingeführt. Im Jahre 405 n.Chr. entwickelte Mesrop Mashtots ein eigenes armenisches Alphabet. Diese Ereignisse bildeten gemeinsam mit der Übersetzung der Bibel die Grundpfeiler zur Entwicklung einer Kirchenkultur.
Das 5. Jahrhundert wird dabei als der erste wichtige Meilenstein auf dem Weg zur Entwicklung neuer eigenständiger Sakralgesänge gesehen; diese als Ergänzung zu bereits existierenden Bibelpsalmen und Hymnen. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand die Hauptform der musikalischen Organisation eines Gottesdienstes aus der so genannten „Psalmodie“: Die Psalmen wurden gesungen, u. z. im System des Oktoechos. Im 7. Jahrhundert wurden diese eigenständigen Gesänge, neben den Psalmen und prophetischen Segensprüchen, so genannte ktsurds; in einem eigenen Buch zusammengestellt und somit zum Prototyp des armenischen Sharaknots (Hymnarium). Ktsurds dienten als Grundlage für das Hauptgenre armenischer Sakralmusik, sharakan. Neben den sharakans entstand später ein hochentwickeltes Typensystem (Genre) armenischer Gesänge
Im 8. Jahrhundert begann sich das so genannte khaz System ein eigenes musikalisches System zur Niederschrift sakraler Melodien – zu entwickeln. Doch nach dem 15. Jahrhundert verlor das khaz System allmählich an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert wurde dieses von einer neuer Notation (New Armenian Notation“) abgelöst, in die die wichtigsten mittelalterlichen liturgischen Hymnen übertragen und veröffentlicht wurden, einschließlich Sharaknots, das aus mehr als 1800 sharakans besteht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand aus monodischen sakralen Melodien sowie armenischen Volksliedern die Grundlage der armenischen Schule für homophonische/polyphonische Musik. Eine der besten Beispiele für diese Kunst ist Komitas’ Patarag (Liturgie).

Prof. Mher Navoyan, Künstlerischer Leiter des Chors des Geghard Klosters

SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

by FESTSPIELKIEBITZ  09:30 h;
veröffentlicht in: Konzert, Allgemein

( 8 Jul 2016 ) Die Disputationes wurden vom Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen ins Leben gerufen, um die Ouverture spirituelle, seit 2012 spiritueller Prolog der Salzburger Festspiele, mit Diskussionen und wissenschaftlichen Erörterungen zu interkulturellen und interreligiösen Themen zu bereichern. Schwerpunkt der Ouverture spirituelle 2016 ist der christliche Osten – die Orthodoxie. Das Konzertprogramm begleitend, werden bei den Disputationes zum Thema „Ex Oriente Lux – Begegnung mit dem christlichen Osten“ Fragen aufgegriffen, die sich mit dem interkulturellen und interreligiösen Dialog auseinandersetzen.

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Motiv Ouverture spirituelle, © Robert Mertens

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Kollegienkirche

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Ex oriente lux: Das mit dem Sonnenaufgang aus dem Osten kommende Licht wurde zum Symbol für den christlichen Glauben überhaupt – und blieb auch dann noch ein geflügeltes Wort, als das „Große Schisma“ die ohnehin niemals völlig einheitlichen Traditionen des Christentums in eine West- und eine Ostkirche spaltete. Dabei handelte es sich aus dem Blickwinkel moderner Geschichtsschreibung um kein punktuelles Ereignis im Jahre 1054, sondern um eine sich über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hinziehende Entfremdung aufgrund wachsender sprachlicher, kultureller, politischer, wirtschaftlicher und freilich auch theologischer Differenzen, die 1204 in der verheerenden Plünderung des christlichen Konstantinopel durch ein venezianisches Kreuzfahrerheer katastrophal kulminierten. Orthodox, also „rechtgläubig“, nannte sich die östliche Überlieferung allerdings nicht von ungefähr – verehrte sie den Herrn doch auf Griechisch, der Originalsprache des Neuen Testaments. Schon das gesprochene Wort Gottes war Musik, der Gesang dessen intensivste Steigerung: Kein Instrument als einzig die menschliche Stimme war fähig, die Wirkung des Heiligen Geistes adäquat auszudrücken. Diese Überzeugung, in prächtigen Chorwerken manifestiert, setzte sich in den längst ihrerseits unterschiedlichen ostkirchlichen Traditionen fort, die von Afrika bis Asien gepflegt werden und von Ensembles aus Russland, Armenien, Griechenland, Libanon, Ägypten und Äthiopien in Salzburg zum Klingen gebracht werden.
Nachklänge dieser Traditionen sind auch in Werken wie dem groß angelegten Konzert für Chor des gebürtigen Russen Alfred Schnittke zu hören – in der antiklerikalen Sowjetunion 1986 ebenso ein Skandalon wie die religiös fundierte Musik des heute im Westen besonders verehrten Esten Arvo Pärt, dessen musikalische Selbstfindung in den 1970ern mit dem Übertritt zum russisch-orthodoxen Glauben einherging. Sublimiert mag sie auch schon in der Psalmensymphonie enthalten gewesen sein, mit der Igor Strawinsky, selbst russisch-orthodox, 1930 ausdrücklich keine Symphonie schaffen wollte, in der Psalmen gesungen werden, sondern umgekehrt den Psalmengesang symphonisch zu gestalten verstand.
Das „westliche“ Programm der Ouverture spirituelle reflektiert die Bedeutung der Chormusik in der Ostkirche besonders in großen Oratorien katholischen oder reformierten Zuschnitts. Selbstverständlich beginnt sie auch in diesem Jahr traditionell mit der Schöpfung Joseph Haydns – dirigiert von Yannick Nézet-Séguin. Ihren zeitgenössischen Höhepunkt erlebt sie mit der Uraufführung von Peter Eötvös’ dramatischem Halleluja – Oratorium balbulum; klassische Meilensteine bilden Mozarts c-Moll-Messe in der Stiftskirche St. Peter sowie Beethovens Neunte. Stottert der Prophet in Peter Eötvös’ Werk, kommt der biblische Daniel in Georg Friedrich Händels packendem Oratorium Belshazzar keineswegs ins Stocken: Er deutet dem gleichnamigen babylonischen König – wahrlich ein „monstrous human beast“, zu dessen Charakterisierung im Orchester gar ein Schwein grunzt – eine rätselhafte Schrift an der Wand als Vorzeichen von dessen baldigem Ende, das sprichwörtliche „Menetekel“. Der siegreiche persische Belagerer Cyrus (Kyros) wird zum Befreier der Israeliten aus babylonischer Knechtschaft: auch er gleichsam ein Licht aus dem Osten.

Walter Weidringer

Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

Wie in den vergangenen Jahren begleitet dankenswerterweise das Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen die Ouverture spirituelle inhaltlich mit wissenschaftlichen Erörterungen und Diskussionen. Das Konzertprogramm mit dem Schwerpunkt Östliches Christentum begleitend, werden bei den Disputationes Themen aufgegriffen, die sich mit den Fragen rund um den interkulturellen und inter­religiösen Dialog auseinandersetzen.

Die Auftaktveranstaltung findet am 22. Juli 2016 statt.
Es folgen drei Gesprächsrunden im Rahmen der Ouverture spirituelle.

Programm:

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