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PROGRAMMDETAIL

Ouverture spirituelle • Bal·Kan: Honig und Blut

AUFFÜHRUNG

  • 27. Juli, 20:30 Uhr

SPIELSTÄTTE

Kollegienkirche

PROGRAMM

INFORMATION

Stimmen der Erinnerung
Als faszinierende Reise durch Zeit und Raum präsentiert dieses Programm die reiche und vielgestaltige alte Region Europas mit dem Namen Balkan („Honig und Blut“) aus der Zeit der osmanischen Eroberung im 15. Jahrhundert. Muslimische, christliche und jüdische Sänger und Musiker aus zwölf verschiedenen Ländern (Bosnien, Serbien, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Armenien, Syrien, Israel, Frankreich und Spanien) lassen ein außerordentliches musikalisches Erbe wieder auferstehen, das sich über vierhundert Jahre osmanischer Herrschaft entwickelte und in alten Manuskript-Quellen erhalten geblieben ist sowie in etlichen Formen uralter mündlicher Überlieferung, die heute noch lebendig sind.

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INTERPRETEN

Jordi Savall, Leitung
Hespèrion XXI

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„Die Religion ist wie ein Fluss, der durch viele Länder fließt. Jedes Land gibt diesem Fluss einen anderen Namen und beansprucht diesen womöglich auch noch für sich. Dabei ist der Fluss aber unabhängig von den Ländern und entspringt darüberhinaus auch einer Quelle.“ Diese Beschreibung des Sufi-Meisters Muzaffer Efendi ist nur eine von vielen Metaphern, mit denen im Sufismus darauf verwiesen wird, dass Religion nicht trennen, sondern vereinen soll. Der Begriff Sufismus etablierte sich erst zur Entstehungszeit des Islam, doch lässt sich die sufistische Weltanschauung durch alle Religionen über viele Jahrtausende zurückverfolgen, und bis heute ist nicht geklärt, ob das Wort sich vom arabischen sūf (Schurwolle), vom griechischen sophia (die Weisheit) oder dem hebräischen Ausdruck En Sof (es hat kein Ende) herleitet, um nur einige etymologische Deutungen zu erwähnen.
Seit dem 12. Jahrhundert haben sich hunderte von Sufi-Orden gebildet, die – so unterschiedlich sie auch in ihren Ausprägungen sein mögen – sich gegenseitig respektieren, denn sie alle haben dasselbe Ziel: Im Zentrum ihrer Lehre steht die Liebe als der einzige Weg zu Gott, dessen Name – Allah الله  – sich aus vier arabischen Buchstaben zusammensetzt: Alif  أ , Lam ل, Lam ل, Ha ه. Nach Auffassung der Sufis drückt sich die absolute, unbekannte Essenz Gottes durch den letzten Buchstaben aus, der erklingt, wenn man den Atem langsam aushaucht, womit sich kein atmendes Wesen seiner Lobpreisung entziehen kann. Und so beginnt jedes ihrer Rituale, gleichsam aus der Stille erwachsend, mit der Anrufung seines Namens, steigert sich zu Gesang und mit den allmählich hinzutretenden orientalischen Musikinstrumenten zu einer Musik, die dazu dient, mit dem Göttlichen in Verbindung zu treten. Geleitet werden diese Rituale vom Meister (Sheikh) des jeweiligen Ordens (Tariqa), wobei der Sheikh durch eine Überlieferungskette über den Propheten Muhammad mit der göttlichen Wissensquelle verbunden ist. Die Rituale, von denen nicht eines dem anderen gleicht, finden zumeist an Gedenkstätten verstorbener Sufi-Meister statt, denn der Tod ist kein Anlass zu Trauer, sondern zur Freude, bedeutet er doch die Befreiung der ewig existierenden Seele von dem sie beschwerenden Körper.
Von der Idee der Ouverture spirituelle begeistert, hat sich der in Kairo beheimatete Orden Al-Gazoulia mit seinem Sheikh Salem Algazouly spontan bereit erklärt, im Rahmen der Salzburger Festspiele erstmals in einem öffentlichen Raum ein Ritual auszuüben, wobei es dabei am 24. Juli auch zum Dialog zwischen Orient und Okzident kommt, wenn der Salzburger Geiger Frank Stadler die Klänge der Sufi-Gesänge in Takassim-Improvisationen aufgreifen wird, um die spirituelle Musik u. a. mit Bachs Ciaccona aus der d-Moll-Partita zu verbinden. Mit Takassim bezeichnet man in der orientalischen Musik solistische Improvisationen mit einem Instrument, das in der Lage ist, die feinen, insgesamt neun Teiltöne zu erzeugen, die in der türkischen Musik zwischen den Ganztönen liegen. Diese Art der Improvisation, die nicht dazu dient, technische Virtuosität auszustellen, sondern mit nach Innen gerichteter Aufmerksamkeit Gefühle und Individualität in einem vorgegebenen Rahmen auszudrücken, ist ein wesentliches Merkmal der Kompositionen von Hossam Mahmoud, der mit seinem im Auftrag der Salzburger Festspiele geschriebenen Werk Seelenfäden die letzten Worte des 922 brutal hingerichteten Sufi-Meisters und Märtyrers Mansur Al-Hallağ in Erinnerung ruft, mit denen dieser lächelnd in den Tod ging. Persönlichkeit und Gedichte dieses bis heute einflussreichen Philosophen liegen auch dem neuen Werk von Samir Odeh-Tamimi zugrunde, der Mansúr in Anlehnung an traditionelle Sufi-Rituale schrieb. Die Feier der Natur, des Menschen und des Göttlichen, der Höhepunkt eines jeden Sufi-Rituals, steht auch im Zentrum der aus christlicher Feder stammenden Werke der Ouverture spirituelle. Sei es in Haydns die Entstehung der Welt schildernder Schöpfung zu Beginn, sei es in Bruckners Te Deum zum Abschluss der Ouverture spirituelle, in dem sich Himmel und Erde zum Gotteslob vereinen. Gleichsam ein neues Oratorium, ein instrumentales nämlich, hat Nikolaus Harnoncourt in den drei letzten Symphonien Mozarts entdeckt. Nach seiner intensiven Auseinandersetzung mit diesen Werken ist er überzeugt davon, dass sie aufgrund verschiedener Parameter in geradezu magischer Weise miteinander verbunden sind und in der Tonartenabfolge Es-Dur, g-Moll, C-Dur den Schicksalsweg eines Menschen widerspiegeln: einen Weg von feierlichem Ernst mit dramatischen Konflikten über Hoffnungslosigkeit bis zum geradezu triumphalen Halleluja.

Ronny Dietrich


Disputationes im Rahmen der Ouverture spirituelle

Wie in den vergangenen beiden Jahren begleitet das Herbert-Batliner-Europainstitut in Kooperation mit den Salzburger Festspielen die Ouverture spirituelle inhaltlich mit wissenschaftlichen Erörterungen und Diskussionen. Das Konzertprogramm mit dem Schwerpunkt Islam begleitend, werden bei den Disputationes Themen aufgegriffen, die sich mit den Fragen rund um den interkulturellen und interreligiösen Dialog auseinandersetzen.
Die Auftaktveranstaltung findet am 18. Juli 2014 statt. Es folgen drei Gesprächsrunden im Rahmen der Ouverture spirituelle.

EDITORIAL 2014

Das Konzert 2014

von Alexander Pereira und Florian Wiegand

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